# taz.de -- Neues Sparprogramm in Spanien: Noch fünf Jahre Dauerkrise
       
       > Die sozialistische Regierung unter Zapatero befürchtet fünf weitere
       > Krisenjahre – und legt ein weiteres Sparprogramm auf. Diesmal kürzt sie
       > bei den Rentnern.
       
 (IMG) Bild: Spaniens Regierungschef Zapatero
       
       Spaniens Aussichten sind auch für das Jahr 2011 düster, wie Regierungschef
       Zapatero zu Silvester zugab. Fünf weitere lange Jahre würde es dauern, bis
       sich das Land erhole. Zurzeit verzeichnet Spanien eine
       Rekordarbeitslosigkeit von 20 Prozent.
       
       Gleichzeitig kündigte Zapatero weitere Sparmaßnamen an. Die nächste Reform
       soll Ende Januar verabschiedet werden. Diesmal wird die Schere beim
       Rentensystem angesetzt. Der Berechnungszeitraum, der sich bisher auf die
       Beitragszahlungen der letzten 15 Jahre erstreckte, soll auf 20 bis 25 Jahre
       angehoben werden. Und nur wer mehr als 37 Jahre einbezahlt hat, darf
       weiterhin mit 65 in den Ruhestand gehen. Für den Rest wird ein Rentenalter
       von 67 gelten. Diese Reform soll beschlossen sein, noch bevor am 3. Februar
       Angela Merkel Madrid besucht. Die Visite der Kanzlerin gilt als der
       Staatsbesuch des Jahres.
       
       Schon im vergangenen Jahr hat die spanische Regierung schmerzhafte
       Sparmaßnahmen beschlossen. Dazu gehörten Gehaltskürzungen im öffentlichen
       Dienst, Streichung des Kindergeldes, Eliminierung der Bezüge für
       Langzeitarbeitslose und die Lockerung des Kündigungsschutzes.
       
       Die Gewerkschaften reagierten mit einem Generalstreik im September, und zu
       Jahresbeginn sind weitere Proteste angekündigt. Gleichzeitig sinken die
       Umfragewerte für die regierenden Sozialisten, die mittlerweile über 10
       Prozentpunkte hinter der konservativen Opposition der Partido Popular (PP)
       zurückliegen.
       
       4,5 Millionen Spanier sind ohne Arbeit. Bei einer Million Familien hat kein
       einziges Mitglied eine Stelle. 800.000 Arbeitslose erhalten ab Februar
       überhaupt keine Stütze mehr. Am stärksten betroffen sind Arbeiter aus dem
       Bau- und Gaststättengewerbe.
       
       Spanien ist gleich doppelt von der Krise betroffen. Neben dem
       internationalen Konjunktureinbruch kommt noch eine geplatzte
       Spekulationsblase im Immobiliensektor hinzu. Die Folgen bekommen auch die
       Banken und Sparkassen zu spüren. 11,7 Prozent der vergebenen Kredite wurden
       zum Jahresende nicht mehr ordentlich bedient.
       
       Die Hälfte davon sind Gelder, die an die Bauwirtschaft vergeben wurden.
       Viele Projekte werden nicht mehr fertiggestellt, da sich keine Abnehmer für
       die geplanten Wohnungen finden. Die Baufirmen schließen; Banken und
       Sparkassen bleiben auf den Grundstücken und leeren Wohnungen sitzen.
       
       Die andere Hälfte der ausstehenden Kreditzahlungen entfallen auf
       Privathaushalte. Ihre Wohnungen gehen per Gerichtsurteil ebenfalls an die
       Geldinstitute, die damit jedoch wenig anfangen können. Denn Immobilien sind
       heute im Schnitt 12,8 Prozent weniger wert als vor der Krise und decken oft
       nicht einmal die noch ausstehenden Ratenzahlungen. Die spanische
       Zentralbank mahnte deshalb die Banken und Sparkassen, die Werte der
       gepfändeten Immobilien in den Büchern nach unten zu korrigieren. Nach
       dieser Bilanzkorrektur dürfte Spaniens Finanzsektor jedoch Schwierigkeiten
       haben, den kommenden EU-Stresstest noch so brillant zu meistern wie im
       vergangenen Sommer.
       
       Ob die internationalen Finanzmärkte noch Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit
       Spaniens haben, wird sich am 13. Januar zeigen. Dann wird die spanische
       Regierung mit der Emission von Staatsanleihen im neuen Jahr beginnen.
       Weitere Auktionen sollen am 18., 20. und 25. Januar folgen. Diese
       Emissionen werden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, da Spanien
       zuletzt immer höhere Risikoaufschläge zahlen musste, um für seine Anleihen
       überhaupt noch Investoren zu finden.
       
       2 Jan 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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