# taz.de -- Rote Flora: Friede der Hütte
       
       > Der SPD-Senat möchte das besetzte Stadtteilzentrum unter Denkmalschutz
       > stellen. Damit soll der Verkauf durch den Eigentümer Kretschmer
       > verhindert werden.
       
 (IMG) Bild: Gehört unter Denkmalschutz, findet die SPD: Die Rote Flora.
       
       Der SPD-Senat hebt seine schützende Hand über das autonomen Stadteilzentrum
       Rote Flora. Am Freitag soll auf Behördenebene ein Beschluss gefasst werden,
       das ehemalige Varietee-Theater unter Denkmalschutz zu stellen. Auch soll
       der Betrieb als Kulturzentrum festgeschrieben werden, um so dem Eigentümer
       Klausmartin Kretschmer den angedrohten Verkauf unattraktiv zu machen. "Der
       Bürgermeister hat mehrfach deutlich gesagt, dass die Flora nicht zur
       Disposition steht", sagt Senatssprecher Jörg Schmoll.
       
       Der Bezirk Altona bleibe aber das zuständige Organ für die Flora, betont
       Schmoll. "Der Senat ist jetzt nur mit im Boot." Denn öffentliche
       Grundstücke gehören der Liegenschaft der Finanzbehörde, somit sei auch der
       Senat gefordert. Schon im Mai hatte der Stadtplanungsausschuss der
       Bezirksversammlung Altona beschlossen, den Bebauungsplan im
       Sanierungsgebiet Schanzenviertel rund um das seit 21 Jahren besetzte
       Stadtteilzentrum zu ändern und für das Areal eine kulturpolitische Nutzung
       festzuschreiben. "Der Baustufenplan ist auf dem Weg", sagt
       Bezirksamtssprecherin Kerstin Godenschwege. Er stehe im Einklang mit dem
       Sanierungsziel. "Das nimmt seinen ganz normalen Gang", so Godenschwege.
       
       Damit reagierte die Politik auf den Verkaufs-Poker von Eigentümer
       Kretschmer, der das Gebäude noch unter dem grün-schwarzen Senat für
       mindestens fünf Millionen Euro an die Stadt verkaufen wollte. Die wollte
       aber nicht mehr als 1,3 Millionen Euro zahlen. Kretschmer hatte das Rote
       Flora-Areal 2001 für 370.000 Mark von der Stadt unter rot-grüner Ägide
       gekauft, um der CDU keinen Wahlkampfbonbon zu gönnen. Kretschmer hatte sich
       2001 vertraglich verpflichtet, die Rote Flora für zehn Jahre als
       Stadtteilzentrum zu erhalten und für den Fall eines Weiterverkaufs Erlöse
       über den Verkehrswert als Kulturzentrum an die Stadt abzuführen.
       
       "Der Sinn war ja, dass Kretschmer mit der Flora nicht spekulativ umgeht und
       sie dann an Müller und Meier verkauft", sagt Hans-Peter Strenge, damals als
       Staatsrat in der Justizbehörde und zuvor als Bezirksbürgermeister von
       Altona der Vater dieser Lösung.
       
       Doch im vorigen Jahr wollte Kretschmer davon nichts mehr wissen. Mehrfach
       drohte der Event-Investor, die Rote Flora meistbietend verkaufen zu wollen
       und dafür Randale in Kauf zu nehmen, wenn die Stadt seine Bedingungen für
       einen Rückkauf nicht erfülle. Angeblich lägen ihm Angebote bis zu 19
       Millionen Euro vor - so von einem US-Sicherheitsunternehmen. Und eigentlich
       könne er jederzeit eine polizeiliche Räumung durchsetzen.
       
       Schon der schwarz-grüne Senat hatte sich voriges Jahr intensiv mit der
       komplizierten rechtlichen Situation befasst. "Es ist nicht so, dass einfach
       geräumt werden kann, wenn der Eigentümer wechselt", sagt heute die damals
       mitregierende GAL-Innenpolitikerin Antje Möller.
       
       Durch den überbehördlichen Beschluss auf Senatsebene versucht die
       SPD-Regierung nun endgültig, einen Riegel vorzuschieben, der in drei Wochen
       gültig sein und dann jeder Veränderung wie Abriss oder andere Nutzung
       verhindern soll. In Flora-Kreisen gibt man sich bedeckt. Es gäbe eigentlich
       nichts Neues, was zu kommentieren sei, war von dort zu hören.
       
       Flora-Anwalt Marc Meyer sieht es positiver: "Es ist ein weiterer Versuch
       der baurechtlichen Absicherung", sagt er. "Auf verschiedenen Ebenen soll
       Kretschmer ein Verkauf schwer gemacht werden". Kretschmer selbst war für
       eine Stellungnahme am Mittwoch nicht erreichbar.
       
       8 Jun 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai von Appen
       
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