# taz.de -- Brandenburg verhandelt: Seenland in Bürgerhand
       
       > Nach der Einigung in Mecklenburg-Vorpommern verhandelt nun Brandenburg
       > mit dem Bund um seine Seen. Eine Einigung ist laut Ministerium in
       > greifbarer Nähe.
       
 (IMG) Bild: Streit gab es zum Beispiel am Wandlitzsee - dort gilt nun ein Moratorium.
       
       Das Tauziehen zwischen Bund und Land um tausende Hektar Seen in Brandenburg
       soll in absehbarer Zeit ein Ende finden. "Wir reden über eine Zielmarke,
       die man schon sehen kann", sagte der Sprecher des
       Infrastrukturministeriums, Jens-Uwe Schade, am Montag der taz. Bei den
       Verhandlungen mit der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH
       (BVVG) geht es um 143 Seen, die der Bund verkaufen will. Eigentlich wollte
       Letzterer die Gewässer an Meistbietende veräußern, stoppte das Vorhaben
       jedoch, nachdem Bürgerinnen und Bürger gegen die Privatisierungen
       protestiert hatten.
       
       Der Bund hatte sich jüngst mit Mecklenburg-Vorpommern über den Verkauf von
       37 Seen geeinigt. Dabei geht es wohl um einen Millionenbetrag. Die
       Ausgangslage in Brandenburg sei komplizierter, da es um mehr Flächen gehe
       und zunächst die Eigentumsverhältnisse geklärt werden müssten, sagte
       Schade. Bei etwa der Hälfte der Seen gehe es lediglich um Anteile, dazu
       kämen betriebswirtschaftliche Rechnungen wegen bestehender Pachtverträge
       mit Fischern. Einige Flächen sollten zudem an Naturschutzverbände
       übertragen werden. Insgesamt geht es um fast 8.000 Hektar Wasserfläche.
       "Wir sehen keine Eile", sagte Schade. "Die Seen sind ja da, und wir haben
       bereits erklärt, dass wir Geld in die Hand nehmen wollen." Derzeit würden
       Gewässer-Steckbriefe erstellt.
       
       Bei den Seen geht es einerseits um populäre Badestellen wie den Mellensee
       südlich von Berlin, aber auch um dutzende kleine, namenlose Wasserflächen.
       Der Bürgerprotest hatte sich am geplanten Verkauf des Mellensees entzündet.
       Zuvor hatten Privatinvestoren am Wandlitzsee ihr hässliches Gesicht gezeigt
       und Grundstückseigentümer wegen des Zugangs zum See zur Kasse gebeten.
       Darüber hinaus sollte eine Gemeinde wegen einer Wasserrutsche 10.000 Euro
       Pacht zahlen. Brandenburgs Bürger erwirkten ein Moratorium 2009, das nach
       wie vor gilt.
       
       15.000 Hektar Seenflächen befinden sich noch in der Hand der BVVG, die
       meisten davon im gewässerreichsten Bundesland Brandenburg. Wo die
       finanzielle Schmerzgrenze für das Land liegt, wollte Schade nicht sagen. Er
       wies jedoch darauf hin, dass der Bund sein Tafelsilber in den 21 Jahren
       seit der Wende zum großen Teil verkauft habe - Brandenburg übernehme nun
       auch unattraktive Wasserflächen. Lange hatte die Landesregierung auf eine
       kostenlose Übertragung gepocht, darauf hatte sich der Bund allerdings nicht
       eingelassen.
       
       "Die öffentliche Zugänglichkeit spielt für uns die größte Rolle", sagte
       Schade. Mit dem Streit um das Potsdamer Griebnitzseeufer, wo Eigentümer den
       öffentlichen Weg sperrten, haben die Verhandlungen an und für sich nichts
       zu tun - hier geht es um ehemalige Mauergrundstücke. Dahinter steht indes
       dieselbe Frage wie bei den aktuellen Verhandlungen: Wem gehören Landschaft
       und Ufer - und wer hat ein Recht darauf?
       
       18 Jul 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kristina Pezzei
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wasserprivatisierung
       
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