# taz.de -- Huffington-Post-Ableger "Gay Voices": Mehr als nur Cha Cha Cha
       
       > Die "Huffington Post" startet "Gay Voices" als einen von mehreren
       > Special-Interest-Ablegern – nicht zuletzt für mehr Leserbindung und
       > bessere Anzeigenvermarktung.
       
 (IMG) Bild: Zielgruppendiversifkation deluxe: Startseite von "Gay Voices".
       
       Das erste Tänzchen von Chers transsexuellem Sohn Chaz Bono bei der
       amerikanischen Ausgabe von "Let’s Dance", die heißesten lesbischen
       Liebesszenen in Hollywood-Filmen oder der schwule Soldat, der nach dem Ende
       von "Don’t ask don’t tell" endlich stolz in Uniform zum Homo-Treffen geht.
       Wer [1][Gay Voices], den neuen Ableger der Huffington Post, liest, liest
       sie alle. Die homosexuellen und die transsexuellen Stimmen, die politischen
       und die populären.
       
       Anfang des Monats verkündete HuffPost-Gründerin Arianna Huffington den
       Launch ihres Special-Interest-Ablegers. Kein ganz neues Themengebiet für
       die Macher der Seite, die schon immer über die politischen Fortschritte wie
       Rückschläge in Bezug auf die Gleichstellung von Homosexuellen in den USA
       berichtet hat. Und so soll "Gay Voices" es den Lesern erleichtern, alle
       Artikel und Blogs zum Thema "zu finden, zu teilen und zu diskutieren", wie
       Huffington schreibt.
       
       Die Special-Interest-Idee ist nicht ganz neu. Man kennt das von
       Frauenmagazinen, die mit diversen Ablegern für enger gefasste Zielgruppen
       versuchen, Anzeigenkunden besser zu bedienen. Und auch die "Gay Voices"
       will natürlich nicht nur Advokat für den Kampf um Gleichstellung sein, auch
       wenn Redakteur Noah Michelsen in seinem Editorial zu Recht anmerkt, dass
       die "Gay Voices" eine Berechtigung hat, so lange Schwule und Lesben
       diskriminiert, traumatisiert und zu Opfern gemacht werden. "Niemand sollte
       behaupten, dass wir in einer 'post-homosexuellen' Ära leben."
       
       Unerwähnt bleibt neben der gezielten Leserbindung und der Schärfung des
       linken Profils der HuffPost die Chance, auf der "Gay Voices" ebenso gezielt
       die Bindung des Users zu erhöhen. Nach eigenen Angaben hat die Huffington
       Post im vergangenen Monat erstmals mehr als eine Millarde Seitenzugriffe
       gehabt, damit gehört sie zu den beliebtesten und einflussreichsten Seiten
       in den USA. Mehr als fünf Millionen Kommentare hinterließen die Besucher.
       
       ## Über 30 Millionen Leser
       
       Über die HuffPost-Erlöse wird eher geschwiegen, man habe im vergangenen
       Jahr erstmals Gewinn gemacht, heißt es lediglich. Doch die Möglichkeiten
       der Seite, die ihre Inhalte vielfach auch von anderen Nachrichtenkanälen
       generiert, waren AOL im April den Kaufpreis von 315 Millionen Dollar wert.
       Die geschätzten 30 Millionen Besucher pro Monat – im September sollen es
       sogar mehr als 37 Millionen gewesen sein – verheißen Millionen mögliche
       Einnahmen durch Anzeigen.
       
       Und so verkündete die immer noch über den Inhalt wachende Huffington nicht
       nur den Launch der "Gay Voices", sondern gleich einen "Grand Slam an neuen
       Seiten". Neben den Homo-, Bi- und Transsexuellen sollen sich künftig auch
       Teenager, frisch Vermählte und die Generation der Baby Boomers besonders
       angesprochen fühlen. [2][Huff/post50], [3][Huffpost High School] und
       [4][Huffpost Weddings] ("Kleider! Kuchen! Brautjungfern! Erste Tänze!")
       heißen die Ableger, die Autoren, Blogger und User künftig bespielen sollen.
       
       Es stellt sich das Facebook-Gefühl ein: Lerne Deine Nutzer bestmöglich
       kennen, um sie anschließend gewinnbringend zu vermarkten – nur ohne
       Anmeldung und Like-Button. Dafür mit journalistischer Ausrichtung und einem
       Pool an Autoren und Bloggern, die etwas zu sagen haben.
       
       Denn, das sei bei aller Geschäftstüchtigkeit der "Huffington Post Media"
       gesagt: Die Geschichte von Chaz Bono geht weit über die Bewertung seiner
       Cha-Cha-Cha-Leistung hinaus. Es ist vielmehr eine ernsthafte
       Auseinandersetzung mit dem Thema Transsexualität und der Schwierigkeit,
       diese in der Gesellschaft offen zu leben.
       
       6 Oct 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.huffingtonpost.com/gay-voices/
 (DIR) [2] http://www.huffingtonpost.com/50/
 (DIR) [3] http://www.huffingtonpost.com/high-school/
 (DIR) [4] http://www.huffingtonpost.com/weddings/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rieke Havertz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nicolas Berggruen
 (DIR) Indien
 (DIR) Huffington Post
       
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