# taz.de -- EU-Forschungsförderung: Umstrittene Embryonenforschung
       
       > Die EU-Kommission will erstmals auch Geld für die verbrauchende
       > Embryonenforschung zur Verfügung stellen. Aus dem EU-Parlament wird der
       > Ruf nach einer Korrektur laut.
       
 (IMG) Bild: Die EU-Kommission möchte eine Tür aufstoßen für die verbrauchende Embryonenforschung.
       
       BRÜSSEL epd | Die EU-Kommission erwägt, künftig Fördergelder für die
       verbrauchende Embryonenforschung bereitzustellen. Das geht aus einem bisher
       noch unveröffentlichten Gesetzentwurf für die Finanzperiode 2014 bis 2020
       hervor. Laut dem Dokument soll die Forschung an embryonalen menschlichen
       Stammzellen im Grundsatz förderungsfähig sein.
       
       Der Prozess zur Gewinnung der Stammzellen – der ethisch sehr umstritten
       ist, weil dabei Embryonen getötet werden müssen – soll dabei den Gesetzen
       und Kontrollen des betreffenden EU-Landes unterliegen.
       
       In der Finanzperiode 2007 bis 2013 war die Zerstörung von Embryonen zur
       Gewinnung von Stammzellen noch ausdrücklich von der Forschungsförderung
       ausgeschlossen. Diese Regelung war unter anderem auf Drängen Deutschlands
       zustande gekommen, das über vergleichsweise strenge Gesetze auf dem Gebiet
       verfügt.
       
       Im neuen Entwurf der Kommission heißt es lediglich, dass die Erzeugung von
       Embryonen zu Forschungszwecken, das reproduktive Klonen und
       erbgutverändernde Eingriffe in die Keimbahn nicht gefördert werden können.
       
       Dies schließt aber die Zerstörung von Embryonen nicht aus, wie der
       EU-Parlamentarier Peter Liese (CDU) erläuterte: So findet die verbrauchende
       Forschung häufig an Embryonen statt, die bei der künstlichen Befruchtung
       übrig geblieben sind.
       
       Liese fordert die EU-Kommission auf, Experimente mit menschlichen
       embryonalen Stammzellen komplett aus der Förderung auszuklammern. Diese
       Position vertritt die ganze CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament.
       
       Offiziell vorlegen will die EU-Kommission ihren Vorschlag für die
       Forschungsförderung Ende November. Zu den Ethik-Aspekten gibt es laut Liese
       noch heftige interne Diskussionen. Anschließend beraten das EU-Parlament
       und der -Ministerrat über den Text.
       
       Die EU-Staaten haben sehr unterschiedliche Gesetze zur Forschung mit
       Embryonen. So darf in Deutschland zwar mit etablierten embryonalen
       Stammzelllinien geforscht werden, die Herstellung jedoch ist strikt
       verboten.
       
       18 Nov 2011
       
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 (DIR) Stammzellen
       
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