# taz.de -- Britischer Premier David Cameron: Der Instinkt treibt ihn an
       
       > Bei David Camerons Veto auf EU-Ebene geht es vor allem um Punktesammeln
       > in der Heimat. Aber er sieht sein Land auf der richtigen Seite der
       > Geschichte.
       
 (IMG) Bild: Wenn er mit dem Rücken zur Wand steht, ist er stark: David Cameron.
       
       Wenn er mit dem Rücken zur Wand steht, ist David Cameron instinktsicher.
       Als er im Mai 2010 bei den britischen Wahlen nicht die absolute Mehrheit
       holte, zauberte er die konservativ-liberale Koalition aus dem Hut, mit der
       er Großbritannien seitdem stabil regiert.
       
       Jetzt hat "Merkozy", die deutsch-französische EU-Doppelspitze,
       weitreichende Vertragsänderungen für die EU durchdrücken wollen, die dazu
       geführt hätten, dass Großbritannien sich nicht mehr gegen neue
       EU-Regulierungen für Finanzmärkte stemmen kann. Daher hat Cameron sein Veto
       eingelegt.
       
       Cameron ist eigentlich kein EU-Skeptiker. Er hält den entsprechenden Flügel
       seiner Partei für durchgeknallt. Aber ohne ihn kann er keine Wahlen
       gewinnen. Deshalb musste er im Wahlkampf versprechen, keine
       EU-Vertragsveränderungen mehr ohne Volksabstimmung durchgehen zu lassen und
       Neuverhandlungen über die "Rückverlagerung" von Kompetenzen aus Brüssel
       nach London zu beginnen. Das umzusetzen, hat er bisher vermieden, und je
       länger er regiert, desto schwieriger wird das für ihn.
       
       ## Eurozone dem Untergang geweiht
       
       Es sind vor allem innenpolitische Gründe, die Cameron jetzt dazu bewogen
       haben, sich in Brüssel als EU-Skeptiker gebärden: einfaches Punktesammeln
       an der Heimatfront.
       
       Aber es geht um mehr. Aus Sicht Camerons steht Großbritannien auf der
       richtigen Seite der Geschichte. Die Eurozone ist dem Untergang geweiht, die
       Zukunft liegt in den aufstrebenden Schwellenländern. Die Londoner City an
       einen Währungsraum zu ketten, dem viele Beobachter nur noch wenige Monate
       geben, wäre selbstmörderisch.
       
       Das ist der Instinkt, der David Cameron jetzt antreibt. Noch sind die
       Briten sich nicht sicher, ob sie Cameron jetzt für seine Weitsicht bejubeln
       oder für seine Engstirnigkeit beschimpfen sollen.
       
       9 Dec 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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