# taz.de -- Folge der Schuldenkrise: Moody's stuft Euroländer ab
       
       > Moody's zieht nach: Nach Standard & Poor's und Fitch stuft die dritte
       > große Ratingagentur die Kreditwürdigkeit mehrerer Euroländer schlechter
       > ein. Auch Großbritannien wird gewarnt.
       
 (IMG) Bild: Kein gutes neues Jahr: Dieser Mann in Pamplona, Spanien, ahnte, dass 2012 hart werden wird für seine Heimat.
       
       LONDON/ FRANKFURT dpa | Deutschland hat mal wieder Glück gehabt: Bei einer
       neuen Runde von Rating-Abstufungen ist das Land schadlos geblieben. Dagegen
       senkte die Agentur Moody's am späten Montag den Daumen über Italien,
       Spanien, Slowenien, der Slowakei, Portugal und Malta. Besonders hart traf
       es Spanien mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit gleich um zwei Stufen.
       Bis auf Portugal besitzen aber alle genannten Länder immer noch ein gutes
       bis befriedigendes Rating.
       
       Eine verschlechterte Kreditwürdigkeit bedeutet in der Regel, dass Staaten
       höhere Zinsen für Kredite zahlen müssen oder Probleme bekommen, überhaupt
       an frisches Geld zu gelangen.
       
       Die führende Ratingagentur Standard & Poor's hatte im Januar für einen
       Schock gesorgt, indem sie unter anderem Frankreich und Österreich die
       Bestnote AAA aberkannte. Die kleinere Agentur Fitch stufte anschließend
       ebenfalls mehrere Euroländer ab.
       
       Bei Moody's behalten die Franzosen und Österreicher zwar ihr
       Spitzen-Rating, doch ist der Ausblick bei beiden Staaten nun negativ. Das
       heißt, dass die Gefahr einer Abstufung wächst. Auch dem bislang mit einer
       Bestnote bewerteten Nicht-Euroland Großbritannien droht dieses Schicksal.
       
       ## Weitere Schocks nicht ausgeschlossen
       
       Als Grund für die Abstufungen führte Moody's die Schuldenkrise an. Es sei
       unklar, ob und wie die Probleme gelöst werden könnten. Die wirtschaftlichen
       Aussichten verschlechterten sich vor diesem Hintergrund, hieß es. Das
       wiederum belaste die Finanzmärkte und könnte in der Zukunft für weitere
       Schocks sorgen.
       
       Großbritannien, wenngleich nicht selbst Mitglied der Eurozone, drohe von
       diesen Schocks in Mitleidenschaft gezogen zu werden, warnte Moody's. Zudem
       verschlechterten sich auch auf der Insel die wirtschaftlichen Perspektiven,
       was den geplanten Schuldenabbau infrage stelle.
       
       Moody's verpasste auch den bereits abgewerteten Staaten durchgehend einen
       negativen Ausblick. Dagegen ist Deutschlands Aaa-Spitzenrating derzeit
       nicht gefährdet, wie die Agentur betonte. Der Ausblick bleibt stabil.
       
       Ebenfalls unberührt bleibt nach einer gesonderten Erklärung vom Dienstag
       der Rettungsfonds EFSF. Er hat bei Moody's weiterhin ein Spitzen-Rating mit
       einem stabilen Ausblick. Standard & Poor's dagegen hatte das Rating um eine
       Stufe gesenkt, was die Bemühungen um die Stabilisierung der Eurozone
       erschweren könnte.
       
       Bislang jedoch hielten sich die Auswirkungen der Rating-Abstufungen in
       Grenzen. Im Gegenteil: Manche Eurostaaten schafften es sogar in jüngerer
       Vergangenheit, sich zu günstigeren Konditionen Geld am Kapitalmarkt zu
       leihen. Erst am Montag hatte die Verabschiedung des Sparpakets durch das
       griechische Parlament die Börsianer aufatmen lassen.
       
       14 Feb 2012
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Eurokrise in Slowenien: Widerspruch gegen Moody's-Rating
       
       Eben noch EU-Nettoeinzahler, gilt Slowenien nun als nächster Kandidat für
       den Rettungsschirm. Das Exportland wird von den Folgen der Eurokrise
       ausgebremst.
       
 (DIR) Ratingagentur wertet 16 Banken ab: Moody's verschärft die Krise in der Krise
       
       Die Ratingagentur Moody's hat die Bonität von 16 spanischen Banken
       herabgestuft. Am Montag hatte 26 italienische Banken ein ähnliches
       Schicksal ereilt.
       
 (DIR) Generalstreik in Portugal: Überall „Indignados“
       
       Ein Generalstreik in Portugal hat den Nahverkehr lahmgelegt. In Lissabon
       standen die U-Bahnen still. Der Gewerkschaftverband CGTP hatte zur
       Arbeitsniederlegung aufgerufen.
       
 (DIR) Ratingagentur warnt Großbritannien: Britannia, be careful!
       
       Fitch senkt den Ausblick für Großbritannien auf „negativ“. Die
       US-Ratingagentur reagierte mit der Abstufung auf die hohe
       Staatsverschuldung der Briten.
       
 (DIR) Ratingagentur Moody's im Prüfungsstress: Rundumschlag mit neuen Zielen
       
       Moody's prüft neben mehr als 100 europäischen Banken, darunter auch die
       Deutsche Bank, auch die Bonität von Versicherungen. Bei der Allianz geriet
       die Italien-Tochter ins Visier der Briten.
       
 (DIR) Griechenland-Rettung: Schäuble appelliert, Lammert zweifelt
       
       Während Finanzminister Schäuble keine Alternative zum rigiden Spardiktakt
       für Griechenland sieht, zweifelt Bundestagspräsident Lammert am engen
       Zeitplan für das Milliardenparket für Athen.
       
 (DIR) Reaktionen auf griechisches Sparpaket: Mehr Angst als Freude
       
       Brüssel begrüßt das griechische Votum, warnt aber vor einer ungeordneten
       Pleite. Denn die käme Europa noch teurer als ein neues Rettungspaket.
       
 (DIR) Folgen der Finanzkrise in Irland: Denunziationen und Rassismus
       
       Die Schulden der irischen Banken müssen die Steuerzahler begleichen. Die
       sozialen Folgen für die Betroffenen sind hart. Viele gehen nicht mehr zum
       Arzt – es ist zu teuer.
       
 (DIR) Portugal in der Eurokrise: "BB mit fallender Tendenz"
       
       Die größten Proteste seit 30 Jahren: Gegen die EU-Sparauflagen
       demonstrierten in Lissabon bis zu 300.000 Menschen. Die Arbeitslosigkeit
       liegt bei fast 14 Prozent.
       
 (DIR) Export in Rekordhöhe: Krisenprofiteur Deutschland
       
       Bei der Ausfuhr durchbrechen deutsche Unternehmen die Billionengrenze.
       Niedrige Zinsen und Euroschwäche befeuern das Geschäft.
       
 (DIR) Finanzexperte über Ratingagenturen: "Das ist natürlich Mist"
       
       Die großen Bewertungsagenturen funktionieren so, als ob man beim Lehrer für
       seine Schulnote bezahlt, kritisiert Finanztest-Chef Hermann-Josef Tenhagen.