# taz.de -- Ratingagentur Moody's im Prüfungsstress: Rundumschlag mit neuen Zielen
       
       > Moody's prüft neben mehr als 100 europäischen Banken, darunter auch die
       > Deutsche Bank, auch die Bonität von Versicherungen. Bei der Allianz
       > geriet die Italien-Tochter ins Visier der Briten.
       
 (IMG) Bild: Gegenwind aus London: Die Ratingagentur Moody´s stufte die Bonität der Italien-Tochter des Münchner Versicherungskonzerns Allianz herab.
       
       LONDON dpa/afp | Die Ratingagentur Moody's stellt als Reaktion auf die
       Euro-Schuldenkrise die Kreditwürdigkeit von weit über 100 europäischen
       Banken auf den Prüfstand. Die Bonität von insgesamt 114 Finanzkonzernen
       werde auf eine mögliche Herabstufung hin untersucht, teilte Moody's am
       Donnerstag mit. Betroffen seien auch sieben Banken aus Deutschland,
       darunter Marktführer Deutsche Bank und die Commerzbank.
       
       Auch stünden 24 italienische, 21 spanische, zehn französische und neun
       britische Institute unter verstärkter Beobachtung, teilte Moody's mit. Acht
       Geldhäuser aus Österreich und Dänemark, je sechs aus den Niederlanden und
       Portugal sowie Banken aus Schweden, Slowenien, der Schweiz, Norwegen,
       Luxemburg und Belgien würden ebenfalls geprüft. Insgesamt sind
       Kreditinstitute in 16 europäischen Ländern betroffen.
       
       Ähnlich wie in Deutschland sind den Angaben der Ratingagentur zufolge auch
       in den anderen Staaten renommierte Bankhäuser betroffen. In Frankreich etwa
       werde die Kreditwürdigkeit der Großbanken BNP Paribas, Société Générale,
       Crédit Agricole sowie Natixis überprüft, teilte Moody's mit. In
       Großbritannien sind demnach die Royal Bank of Scotland und HSBC betroffen,
       in den Niederlanden die ING, in Spanien die Banco Santander und in Italien
       die Unicredit.
       
       Moody's hatte bereits im Januar angekündigt, die Kreditwürdigkeit
       voraussichtlich mehrerer Banken zu senken - besonders solcher, die von der
       Euro-Krise betroffen sind. Die Ankündigung vom Donnerstag zur Untersuchung
       der Banken folgt einer Mitteilung Moody's' vom Wochenbeginn, in der die
       Rating-Agentur die Herabstufung der Kredit-Rating verschiedener
       europäischer Staaten bekanntgegeben hatte. Betroffen waren Italien, Spanien
       und Portugal, Slowenien, die Slowakei und Malta.
       
       Für Frankreich, Großbritannien und Österreich konstatierte Moody's einen
       negativen Ausblick. Für Banken ist die Herabstufung der Kreditwürdigkeit
       von Staaten ein Problem, weil viele Institute Geld in Staatsanleihen
       anleget haben. Zweifel an der Kreditwürdigkeit von Ländern stellen der Wert
       dieser Staatsanleihen in Frage.
       
       ## Verischerungen im Blickfeld
       
       Die Ratingagentur Moody's nimmt wegen der europäischen Staatsschuldenkrise
       nun auch die Versicherungsbranche ins Visier. Am deutlichsten traf es am
       Donnerstag den italienischen Versicherer Generali: Die Experten setzten das
       Finanzstärke-Rating des europäischen Branchendritten um eine Stufe von
       "Aa3" auf "A1" herab. Die Bonität bewerten sie mit "A2" eine Stufe tiefer
       als bisher. Zudem droht eine weitere Verschlechterung.
       
       Bei der Allianz traf es die Italien-Tochter, für die es um eine Stufe auf
       "A1" nach unten ging. Für den Münchner Konzern insgesamt hielt Moody's das
       Finanzstärke-Rating mit "Aa3" stabil, setzte jedoch den Ausblick auf
       negativ. Dies gilt auch für die Bewertung der Bonität, die die Agentur
       derzeit mit "Aa3" einstuft. Daher muss die Allianz mittelfristig mit einer
       Abstufung rechnen.
       
       Der französische Versicherer Axa ("A2") und der britische Mitbewerber Aviva
       ("A1") dürfen ihre Bonitätsbewertungen wie die Allianz vorerst behalten.
       Allerdings zeigt auch bei ihnen der Ausblick nun nach unten. Die
       Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits Ende Januar ein ähnliches
       Urteil gesprochen.
       
       Moody's führte als Gründe für die neue Bewertung nun die Risiken an, die
       die europäische Staatsschuldenkrise für das Geschäft und die Geldanlagen
       für die Versicherer mit sich bringt. Auch haben die Versicherer viel Geld
       bei den Banken angelegt, die ihrerseits viel Geld in europäische
       Staatsanleihen investiert haben.
       
       Bei der Allianz macht den Analysten vor allem Italien Sorgen. Das Land
       stehe beim Münchner Konzern für ein Zehntel des Gewinns. Hinzu kommt nach
       Einschätzung von Moody's die Wirtschaftsentwicklung: In den wichtigsten
       Märkten der Versicherer dürfte es vorerst nur langsam aufwärts gehen.
       
       16 Feb 2012
       
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