# taz.de -- Gericht bestätigt Urteil wegen Foltertod: Haftstrafe für Gefängnisdirektor
       
       > Engin Ceber, ein linker Aktivist, starb 2008 in einem türkischen
       > Gefängnis an den Folgen der Folter. Seine Peiniger sollen dafür ins
       > Gefängnis.
       
 (IMG) Bild: Justizminister Mehmet Ali Sahin entschuldigte sich damals bei den Angehörigen des Folteropfers.
       
       ISTANBUL afp | In einem historisch bedeutsamen Prozess hat ein Istanbuler
       Gericht am Montagabend die Verurteilung von drei Staatsbeamten wegen Folter
       bestätigt. Das Gericht verhängte in dem wiederaufgenommenen Verfahren
       lebenslange Haftstrafen gegen einen Gefängnisdirektor und zwei
       Vollzugsbeamte wegen des Foltertodes des Linksaktivisten Engin Ceber im
       Jahr 2008.
       
       Ein Anwalt von Cebers Familie begrüßte die Entscheidung am Dienstag als
       richtungsweisend. Zugleich äußerte der Anwalt Taylan Tanay aber die
       Befürchtung, dass das Urteil vom Berufungsgericht in Ankara erneut kassiert
       werden könnte.
       
       Das Berufungsgericht hatte die Verurteilung der Beamten durch das
       Istanbuler Gericht bereits einmal wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Tanay
       sagte der Nachrichtenagentur AFP, er beobachte in der Justiz einen Versuch,
       den Staatsbeamten trotz erwiesener Schuld die Freilassung zu sichern.
       
       Bis zur erneuten Prüfung des Urteils durch das Berufungsgericht bleiben die
       drei Hauptbeschuldigten in Haft.
       
       Engin Ceber war nach seiner Festnahme im September 2008 in Polizeihaft
       sowie anschließend im Gefängnis so schwer misshandelt worden, dass er
       starb. [1][Der damalige türkische Justizminister entschuldigte sich
       öffentlich für die Folter].
       
       ## Abschreckende Wirkung
       
       Das Istanbuler Gericht hatte mit seinem ersten Urteil in dem Fall
       Rechtsgeschichte geschrieben, da in der Türkei sonst Verurteilungen von
       Staatsdienern wegen Misshandlungen von Verdächtigen äußerst selten sind.
       
       Tanay sagte, obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig sei, habe der Fall
       Ceber eine abschreckende Wirkung auf andere Staatsbedienstete wie
       Polizisten und Vollzugsbeamte.
       
       Sie wüssten nun, dass sie nicht mehr fest damit rechnen könnten, bei
       Misshandlungen straffrei davon zu kommen, sagte Tanay.
       
       2 Oct 2012
       
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