# taz.de -- Scheuerl verliert Bündnispartner: CDU schickt Schulrebell vor die Tür
       
       > Hamburgs CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich verkündet den Rausschmiss von
       > Walter Scheuerl. Der will als Einzelkämpfer im Parlament bleiben.
       
 (IMG) Bild: Drei Irrtümer, die entsorgt wurden: Scheuerl, Ahlhaus und Schira (v. l.) auf dem CDU-Wahlparteitag im Januar 2011.
       
       HAMBURG taz | Die Hamburger CDU hat ein Problem weniger. Am Samstag
       verkündete Fraktionschef Dietrich Wersich auf dem CDU-Landesparteitag im
       Bürgerhaus Wilhelmsburg, dass er dem parteilosen Abgeordneten Walter
       Scheuerl „nahegelegt“ habe, „nicht mehr zur Fraktion zu gehören“. Der
       tosende Beifall, der Wersichs Worte begleitete, machte deutlich, wie
       unbeliebt der einstige „Schulrebell“ Scheuerl in der Partei zuletzt war.
       
       Scheuerl selbst erklärte daraufhin, er werde am heutigen Montag aus der
       Fraktion austreten. Sein Bürgerschaftsmandat wolle er jedoch behalten und
       künftig wieder die Interessen der Initiative „Wir wollen lernen“ vertreten.
       Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Dora Heyenn, bezeichnete es als „Frage
       des Anstands“, dass Scheuerl nun auch sein Abgeordnetenmandat zurückzugeben
       habe.
       
       Konkreter Anlass für den Bruch war Scheuerls Kritik an einem Papier, dass
       Wersich und die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Karin Prien,
       am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert hatten. Darin waren sie auf
       die Volksinitiative „G9-Jetzt-HH“ zugegangen und hatten vorgeschlagen, das
       Hamburgs Gymnasien zukünftig selbst entscheiden sollten, ob sie ihre
       SchülerInnen zukünftig in acht oder neun Jahren zum Abitur führen.
       
       Scheuerl war als Vorsitzender des Schulausschusses der Bürgerschaft in den
       Kurswechsel seiner Fraktion nicht eingebunden worden. Er hatte von Priens
       Vorstoß nach eigenem Bekunden erst am Mittwochabend erfahren. Diesen
       Affront konterte er über Facebook mit einer inhaltlichen Kritik. Ein
       Vorgehen, dass Wersich am Samstag als „verantwortungslos, inakzeptabel und
       illoyal“ bezeichnete.
       
       Scheuerl hingegen inszeniert sich bei seinem Abtritt noch einmal in der
       Rebellenrolle. Die Hamburger CDU sei offenbar „nicht in der Lage, sachliche
       Kritik auszuhalten“, eine „abweichende Meinung“ werde „nicht geduldet“.
       Zudem sei es „ein Fehler von Herrn Wersich“, sich mit seiner
       Rausschmiss-Rede auf dem Parteitag „so in Szene zu setzen“. Er habe Wersich
       angeboten, die Scheidung mit einer „gemeinsamen Erklärung“ geräuschloser zu
       vollziehen, doch der habe abgelehnt.
       
       2010 hatten Scheuerl und seine damalige Mitstreiterin Prien von der
       Volksinitiative „Wir wollen lernen“ das gemeinsame Lernen bis Klasse sechs
       verhindert. Der Volksentscheid hatte das Ende der schwarz-grünen
       Landesregierung beschleunigt. Nach dem Koalitionsbruch präsentierten
       Kurzzeit-Bürgermeister Christoph Ahlhaus und der Parteichef Frank Schira
       plötzlich den Schulterschluss mit Scheuerl. Der Anwalt verzichtete auf die
       Gründung einer eigenen Partei und bekam dafür einen sicheren Listenplatz
       für die Bürgerschaft.
       
       Mit Scheuerl, so hoffte die CDU, könnte das durch die schwarz-grüne
       Schulpolitik vergrätzte konservative CDU-Klientel wieder besänftigt werden.
       Doch die CDU erlitt bei der Wahl im Februar 2011 ihr schlechtestes
       Ergebnis. Dafür saß Scheuerl im Parlament und fiel fortan vor allem durch
       seine Alleingänge auf.
       
       23 Mar 2014
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven-Michael Veit
 (DIR) Marco Carini
       
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       integrierbar.