# taz.de -- Kolumne Liebeserklärung: Servus, Verflossener!
       
       > Christian Ude war fast 20 Jahre Oberbürgermeister von München. Jetzt muss
       > er gehen. Ach, wäre er doch nur Anwalt geblieben!
       
 (IMG) Bild: Ende eines Dirigenten: Christian Ude darf den Münchnern nun nicht mehr den Takt vorgeben
       
       Holen Sie doch der Frau Ministerpräsident ein Bier!“, hat der Schuldirektor
       beim Festakt anlässlich der Luxussanierung des [1][ehrwürdigen Gymnasiums]
       gesagt, welches ich seinerzeit in München besucht habe. Für [2][Marianne
       Strauß] wollte ich nicht kellnern. Mich zog es zu dem Tisch, an dem ein
       dunkelhaarigen Typ mit Schnauzbart saß und über seine Zeit an dieser Schule
       redete. Sie habe nach der Renovierung den Geruch verloren, meinte er.
       
       Es war der große Münchner Mieteranwalt Christian Ude, der da sprach, der
       den Schüler, die sich um ihn scharten, Mut zusprechen wollte im Kampf gegen
       die Immobilienhaie und Marmortreppenhausbauer dieser Stadt. Was für ein
       Typ! Sogar Humor hatte er.
       
       Ich war ein Fan. Und als ein Mitschüler, der bei den Jusos war, mich zu
       einer Party in Udes Altbaukeller in Schwabing eingeladen hat, war ich mehr
       als nur ein bisschen stolz, diesem Mann ganz nahe gekommen zu sein. Mein
       Held ist dann an jenem Abend gar nicht aufgetaucht, und so kühlte mein Herz
       nach einem kurzen Liebesrausch schnell wieder ab. Wenn ich mich heute mit
       meinen Münchner Freunden nach 20 Jahren unter der Regentschaft von Ude als
       Oberbürgermeister darüber unterhalte, wie viel sie [3][für ihre Wohnung
       zahlen], schäme ich mich dafür, dass Ude meine erste politische Liebe war.
       
       Und wenn ich ihm zuhöre, wenn ich versuche, seinen druckreifen Sätzen, die
       er in unnachahmlich einschläfernder Art vorträgt, zu folgen, kann ich gar
       nicht glauben, dass es dieser Mann war, der mir einst am Biertisch in der
       Schulturnhalle gegenübersaß und politisierte. Vielleicht muss ich mich doch
       nicht schämen für meine frühen Gefühle. Ude war seinerzeit ein anderer.
       Jetzt ist er für das Oberbürgermeisteramt zu alt und muss abtreten. Dass er
       meine ehemalige Heimatstadt nicht mehr regiert, ist mir ziemlich egal.
       
       2 May 2014
       
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