# taz.de -- ARD-Film „Vorsicht vor Leuten“: Joghurt statt Kasse
       
       > Endlich arbeiten die Macher von „Stromberg“, Feldhusen und Husmann,
       > wieder zusammen – für einen Spielfilm in der ARD.
       
 (IMG) Bild: Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner) lässt sich mit dem windigen Geschäftsmann (Michael Maertens) ein.
       
       Arne Feldhusen trifft mit leichter Verspätung im Kreuzberger Café ein und
       entschuldigt sich vielmals mit heiserer Stimme. Der Regisseur war am
       Vorabend auf einem großen Berlinale-Empfang, da habe er viele Stunden gegen
       den Geräuschpegel anreden müssen. Seit die von ihm, Schauspieler Bjarne
       Mädel und Autorin Mizzi Meyer entwickelte NDR-Serie „Der Tatortreiniger“
       zwei Grimme- und zahlreiche weitere Preise abgeräumt hat und sogar in die
       USA verkauft wurde, ist Feldhusen auch in der Filmbranche ein gefragter
       Mann.
       
       Genau genommen ist er aber ohnehin nicht zu spät, denn Ralf Husmann muss
       noch das vorangehende Interview beenden, ehe er sich mit an den Tisch
       setzen kann. Spätestens seit „Stromberg“ gilt der wiederum als lustigster
       Serienautor im deutschen Fernsehen; Grimmepreise inklusive. Bereits seit
       der 2004 ausgestrahlten ersten Folge arbeitete er mit Regisseur Feldhusen
       zusammen, im letzten Jahr brachten sie ihr TV-Vermächtnis mit einem
       Kinofilm zu Ende und erreichten damit über eine Million Fans.
       
       Nach der ebenfalls für ProSieben produzierten, vielgelobten Serie „Dr.
       Psycho“, die nach zwei Staffeln auslief, entwickelte er 2009 „Der kleine
       Mann" und brachte es damit auf acht Episoden. Auch hier führte Arne
       Feldhusen Regie. Für die ARD hat sich das Duo erneut für's Fernsehen
       zusammengetan, um Husmanns Roman „Vorsicht vor Leuten“ als TV-Film
       umzusetzen. „Bei einem Buch von Ralf musste ich nicht lange überlegen ob
       ich das machen will“, erklärt Feldhusen. Der Autor ergänzt schelmisch:
       „Sehr früh viel dann auch seitens des WDR Arnes Name und ich konnte mich
       nicht dagegen wehren.“
       
       Für den auf Problem- oder Zeitgeschichts-Filme ausgerichteten
       Mittwochssendeplatz ist diese Zusammenarbeit ein ziemlicher Gewinn. Denn
       Husmann und Feldhusen erzählen keinen gesellschaftskritisch aufgeblähten
       Themenfilm sondern die smarte kleine Story vom bräsigen
       Bauamt-Sachbearbeiter Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner), der aus dem
       Alltagstrott gerissen wird, weil ihn seine Frau (Lina Beckmann) aufgrund
       seiner selbstzufriedenen Unambitioniertheit verlassen will.
       
       ## Plötzlich in der Liga der Großen
       
       Als er durch den windigen Blender Alexander Schönleben (Michael Maertens),
       der mit Hilfe der Stadt Investoren für ein Schein-Großprojekt gewinnen
       will, die Chance bekommt sich zu beweisen, wird er selbst zum Falschspieler
       und mischt plötzlich in der Liga der Großen mit.
       
       „Ich komme aus sehr einfachen und kleinen Verhältnissen“, erläutert Husmann
       die Hintergründe seiner Idee. „Unsere Nachbarin hat damals in der Kantine
       eines großen Unternehmens gearbeitet. Wenn wir alle zusammen an einem Tisch
       saßen, haben sich alle zwar über ‚die da oben' aufgeregt und die
       Mitnehm-Qualitäten – heute würde man vom Fall Hoeneß sprechen. Dann kam
       aber genau diese Nachbarin mit einer großen Palette Joghurt, die sie aus
       der Kantine gezockt hatte. Für mich war also klar: Ihr regt euch zwar über
       die Großen auf, aber nur, weil ihr selber keine Chance habt da ranzukommen.
       Ihr macht es halt mit einer Palette Joghurt, aber wenn ihr die Chance
       gehabt hättet, die Kasse mitzunehmen, hättet ihr auch die Kasse
       mitgenommen.“
       
       Der Film sei vom WDR „relativ schnell durchgewunken“ worden, erzählt der
       renommierte Autor weiter, „mit einem relativ großen Mut, sich auf neue
       Gesichter einzulassen und sich sehr mit der Einflussnahme in Richtung
       Mainstream zurückgehalten.“ Dass die beiden vielfach ausgezeichneten
       Kreativen in ihrem Lieblingsmedium trotz vieler Fans häufig für die Nische
       arbeiten, sei aber nicht unbedingt auf ihre Stoffe zurückzuführen, meint
       Feldhusen: „'Der Tatortreiniger' hat im NDR überdurchschnittliche Quoten.
       Anfang des letzten Jahres waren die Quoten sogar höher als zeitgleich in
       der ARD. Ich bin mir sicher, dass die ARD mit einer stolzeren Präsentation
       dieser Serie auch mehr Erfolg hätte. Meiner Meinung nach hat das mit
       Haltung zu tun. Dann müssen auch keine Kompromisse gemacht werden.“
       
       ## Noch kein Serienwandel?
       
       Während nun auch hierzulande vom neuen Serienboom gesprochen wird, ist es
       dennoch verwunderlich, dass der erfahrene Regisseur und der erfolgreiche
       Autor aktuell überwiegend mit Spielfilmprojekten beauftragt werden. Doch
       Husmann ist ohnehin skeptisch, ob der herbeigesehnte Wandel hierzulande
       überhaupt realistische Chancen hat: „Die goldene Zeit des Serienfernsehens
       ist in Amerika auch nur entstanden, weil es großen Druck gab. So lange das
       deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen immer noch sieben oder acht
       Milliarden Euro jährlich einsammelt, ist der Druck nicht so riesig groß. So
       lange immer noch jede Woche acht Millionen Leute ‚In aller Freundschaft'
       schauen, gibt es den Druck nicht, etwas Neues zu machen.“
       
       Ohne offensichtliche wirtschaftliche Gründe oder schmerzhafte
       Zuschauereinbußen, meint der frischgebackene MDR-„Tatort“-Autor Husmann,
       „wird es immer ein Luxusthema bleiben, das man sich auch mal leistet, damit
       das Feuilleton einmal Ruhe gibt.“
       
       25 Feb 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jens Mayer
       
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