# taz.de -- Panne beim Zentralabi in Hamburg: Schulbehörde durchgefallen
       
       > Bei der Abiturprüfung in Physik fehlte eine Formel. Die Schulbehörde
       > schickte sie per Fax in die Prüfungszimmer – nicht überall rechtzeitig.
       
 (IMG) Bild: Fehlende Formel: In Hamburg grübelten einige Abiturienten vergeblich
       
       HAMBURG taz | Unter erschwerten Umständen fand am vergangenen Dienstag die
       zentrale Abiturprüfung im Fach Physik statt. Anderthalb Stunden nach Beginn
       der fünfstündigen Klausur schickte die Behörde per Fax eine Formel an die
       Schulen, die den rund 600 Prüflingen zur Lösung einer Aufgabe fehlte. „Das
       hat an drei Schulen nicht funktioniert“, räumt Behördensprecher Peter
       Albrecht ein. An diesen Schulen soll nun diese Aufgabe anders gewertet
       werden.
       
       Aufmerksam gemacht auf die Panne beim Abitur hat Schulreform-Gegner Walter
       Scheuerl, dem ein Physik-Schüler geschrieben hatte. Der Aufgabenteil zu
       Gravitation sei ohnehin nur mit „Näherungen und Optimierungen“ lösbar
       gewesen, klagt dieser.
       
       Doch die letzte Aufgabe zur Berechnung der Energie eines Kometen auf einer
       elliptischen Umlaufbahn war offenbar eine fiese Überraschung für die
       Schüler. Denn in der Handreichung der Behörde zum Abitur 2015, mit denen
       die Lehrkräfte ihr Curriculum auf die Prüfung ausrichten, hieß es zwar, die
       Schüler müssten Laufbahnen von Planeten und Satelliten berechnen, doch dies
       sei „eingeschränkt auf Kreisbahnen“.
       
       Die Formeln für Ellipsenbahnen seien weder im Unterricht behandelt worden,
       klagt der Schüler, noch stünden sie im „Tafelwerk“, einer Formelsammlung,
       die Prüflinge in Naturwissenschaften benutzen dürfen. „Zehn Minuten nach
       der offiziellen Abgabezeit um 14.30 erhielt meine Schule ein Fax von der
       Behörde, in dem die notwendigen Informationen standen, ohne die die Aufgabe
       leider unlösbar war“, schreibt der Abiturient.
       
       Er wisse von mindestens drei Gymnasien, die das Fax erst so spät bekamen,
       sagt Walter Scheuerl. Es ist das zweite Jahr, in dem das von Schulsenator
       Ties Rabe (SPD) gegen Proteste der Schulen durchgesetzte
       Landes-Zentralabitur in fast allen Einzelfächern stattfindet, in Physik
       erstmals. Scheuerl findet, die Schulbehörde habe „auf ganzer Linie
       versagt“. Sie müsse Aufgaben vorbereiten, „die lösbar sind“.
       
       Behördensprecher Albrecht spricht von einer „kleinen Panne“, die sehr
       ärgerlich sei. Die Aufgabe entspreche durchaus noch der Handreichung, da
       „keine konkreten Bahnpunkte berechnet werden“, argumentiert er. Der
       Hinweis, dass eine Formel fehlt, sei am Morgen von einer Schule gekommen.
       Dass Details zu Aufgaben nachgereicht werden, könne vorkommen.
       
       Deswegen gebe es an Abiturtagen eine „Bereitschaft am Faxgerät“. Die
       Schüler der drei Schulen bekämen einen „Nachteilsausgleich“, versichert
       Albrecht: „Wer die Aufgabe bis zu dem Teil, an dem die Formel nötig war,
       gelöst hat, bekommt trotzdem die volle Punktzahl.“ Die Aufgabe mache etwa
       fünf Prozent der Klausurnote aus.
       
       Die Behörde müsse für die ganze Klausur einen „fairen Bewertungsmodus“
       finden, sagt Scheuerl. Denn die Zeit, die die Abiturienten für die
       Bearbeitung der unlösbaren Aufgabe eingesetzt hätten, fehle ihnen bei den
       übrigen. Solche Fehler hätten „Auswirkungen auf die ganze Klausur“,
       schreibt auch ein betroffener Schüler auf Facebook.
       
       27 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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