# taz.de -- Überreaktion der Medien auf Rezos Kritik: Macht euch locker
       
       > Deutschlands vielleicht bekanntester YouTuber blättert in Zeitungen und
       > macht sich lustig. Das ist kein Drama – außer Journalisten machen eins
       > draus.
       
 (IMG) Bild: Ist doch ganz erfrischend: Rezo macht den Mob nicht mit, sondern sagt, was er schlecht findet
       
       Der YouTuber Rezo hat als Gast in einem Video [1][auf dem YouTube-Kanal
       „Space Frogs“ über Journalisten gelästert]. Anekdotenhaft erzählte er von
       seinen Erfahrungen mit der Printmedienwelt. So beschwerte er sich etwa über
       einen unangemeldeten Besuch von Bild-Journalisten. Er kritisierte auch,
       dass die FAZ ihn um eine Stellungnahme zur Flugzeugnutzung von Menschen
       gebeten habe, die in einem seiner Videos zu sehen gewesen seien. Aus Rezos
       Sicht war es die „unnötigste Mail, die ich seit Langem erhalten habe“.
       
       Rezo war kurz vor der Europawahl mit seinem Video „[2][Die Zerstörung der
       CDU]“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Damals [3][rechnete
       er in rund einer Stunde mit den Unionsparteien ab]. So warf er ihnen vor,
       nichts gegen Ungleichheit oder Klimawandel zu tun. Das Video wurde viele
       Millionen Mal geklickt, während die CDU tagelang über eine angemessene
       Reaktion mit sich und dem Internet haderte – ein ziemliches Versagen.
       Trotzdem ist es kein Grund, nervös zu werden, wenn Rezo nun ein wenig über
       Teile der Medienbranche lästert.
       
       In seinem Klickmonster [4][„Die Zerstörung der CDU“] hatte Rezo ein lange
       vorbereitetes Skript, Argumente und einen Quellenkatalog. Dagegen setzt das
       aktuelle Video auf Spontanität. Rezo hat es nicht „wieder getan“
       (Redaktionsnetzwerk Deutschland), sich nicht die Medien „vorgenommen“ (dpa)
       und schon gar nicht „zerlegt“ (Watson). Dass Rezo nicht erneut wochenlang
       recherchiert hat, merkt man.
       
       Stattdessen blättert er mit seinem Gastgeber ein bisschen durch Bild und BZ
       und ist dabei ein wenig fassungslos über Boulevardthemen, wie das Essen bei
       der Hochzeit von Heidi Klum und Tom Kaulitz. Oder darüber, dass
       Printzeitungen tatsächlich noch das lineare Fernsehprogramm drucken. „Ey,
       wer liest das?“, fragt er an einer Stelle. Dass Rezo selbst nicht besonders
       oft eine Zeitung in die Hand nimmt, macht er laufend deutlich.
       „Journalisten sind teilweise so dumm“, findet Rezo. Und kurz darauf: „Es
       gibt auch gute Journalisten.“ Huiuiui, da wurde aber gegeben. So richtig in
       die Fresse.
       
       ## Eine Panikreaktion ersetzt die andere
       
       Dass man nach dem [5][gescheiterten Umgang mit Rezos Video] über die CDU
       genau überlegt, ob und wie man auf öffentliche Äußerungen von Rezo
       reagiert, ist verständlich. Doch manche Reaktionen wirken schlicht
       unbeholfen. Etwa die des Deutschen Journalisten-Verbands. Der sprang für
       die Branche mit einer Pressemitteilung in die Bresche und kritisierte das
       Video als „billige Stimmungsmache“ und „pauschale Diffamierung“.
       
       „Es ist billig, einerseits die Recherchen von Journalisten für das
       Anti-CDU-Video intensiv zu nutzen, und wenige Wochen später der gesamten
       Berufsgruppe kollektive Hirnschäden anzudichten“, teilte der
       DJV-Vorsitzende Frank Überall mit. Eine Stunde später schickt der DJV einen
       einzigen Satz an seinen Presseverteiler: „Der Deutsche Journalisten-Verband
       zieht die Pressemitteilung zum Rezo-Video vom 20. August 2019 zurück.“ Auf
       Twitter teilt der Verband mit, dass es intern unterschiedliche Auffassungen
       gebe. Eine Panikreaktion ersetzt die andere. Das ist dem Gegenstand einfach
       nicht angemessen.
       
       Es ist tragisch, dass der DJV so unsouverän mit Medienkritik umgeht. In
       Zeiten, in denen der Begriff „Lügenpresse“ vielen leicht über die Lippen
       geht und Journalisten oft mit pauschalen Vorurteilen zu kämpfen haben,
       sollte man wissen, wie man selbstbewusst mit Kritik umgeht. Rezo reiht sich
       nicht in den Mob ein, in dem alle Medien pauschal gehasst werden. Er sagt,
       was er schlecht findet, und das auf seine lockere YouTuber-Art mit einer
       Sprache für sein junges Publikum. Das ist doch ganz erfrischend. Rezos
       Meinungen kann man teilen oder eben nicht. Aushalten aber sollte man sie
       können. Und nicht in Panik verfallen.
       
       21 Aug 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=L0jFixPnbPA
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ
 (DIR) [3] /Kommentar-YouTuber-kritisiert-Union/!5594814
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ
 (DIR) [5] /Kolumne-Macht/!5594961
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Nabert
       
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