# taz.de -- Rezo im Interview mit Böhmermann: Bock auf Diskurskritik
       
       > Der Youtuber Rezo erzählt im Interview mit Böhmermann, wie
       > Politiker*innen sprechen sollten. Und warum wir keine Angst vor dem
       > Internet haben brauchen.
       
 (IMG) Bild: „Erstmal weniger Scheiße bauen“, so lautet Rezos Tip an Politiker*innen
       
       Endlich. Nachdem Rezo mit seiner „[1][Zerstörung der CDU]“ millionenfache
       Klicks bekommen und viel von sich Reden gemacht hatte, trat der Youtuber am
       Donnerstagabend vor die Kamera um Fragen zu beantworten – wenn auch nicht
       vor seine eigene, sondern als Gast bei „Neo Magazin Royale“. Der erste
       Fernsehauftritt. Einladungen bei Anne Will, Maybrit Illner und einigen
       anderen hatte der Influencer offenbar abgelehnt.
       
       Rezo erzählt, wie ihn der Erfolg seines Videos sozusagen selbst überrumpelt
       hat. Er habe einfach „bock drauf“ gehabt und sei davon ausgegangen, dass
       das CDU-Video weniger Klicks bekommen würde als seine anderen Videos. Die
       wurden bis dahin jeweils rund um die 200.000 Mal abgerufen.
       
       Auf seine Art gibt Rezo in dem fast 20-minütigen Gespräch aber auch
       Antworten auf tiefergehendere Fragen über Meinungsmacht und
       Digitalisierung. Er übt Diskurskritik an den Medien: „Ne Zeitung kann halt
       nicht schreiben: Yo digga, der labert halt Scheiße“, bemängelt Rezo mit
       Blick auf den oft herumdrucksenden Regierungssprecher Steffen Seibert.
       „Aber jeder Mensch, wenn er das sieht, spürt: Ey, der verarscht mich
       gerade.“
       
       Politiker*innen, die Scheiße labern, und Medien, die das so nicht sagen
       können: Rezo vermisst die direkte Sprache. Statt mit den Menschen zu reden,
       müssten Politiker*innen über den „Zeitungsweg“ gehen und „Dinge anders
       sagen und in anderer Form aussprechen“. Eine Absage an trainierten
       Pressesprecher*innen und ihre immer gleichklingenden Sätze, die als
       Fertiggerichte serviert werden.
       
       ## Meinungsmacht ist nicht nur auf Youtube gefährlich
       
       Rezos Gestik gibt dabei den genauen Gegenpart. Er beschreibt mit den Händen
       irgendetwas über ihm, wenn er über die abstrakte Sprache der
       Politiker*innen beschreibt, formt Sturzflüge oder komplizierte Spiralen, um
       seinen Worten Ausdruck zu verleihen. Und ist in dieser Gestik, im Gegensatz
       zu so vielen medientrainierten Promis, erfrischend authentisch. „Einfach
       ein bisschen menschlicher und klarer werden in der Sprache“, rät Rezo den
       alt wirkenden Köpfen der zerfallenden noch-Volksparteien.
       
       Und trotzdem: Praktische Taten gehen vor Kommunikation. „Erstmal weniger
       Scheiße bauen“, so lautet Rezos Tipp an die Politiker*innen. Soll heißen:
       Mit einer guten Marketing-Strategie allein ist auch nichts gelöst. In
       seinem Video hatte der Influencer gezeigt, wie viele politische Maßnahmen
       nur der Vermarktung nach außen dienten.
       
       Auch die Frage vom Internet als neues Massenmedium wird kurz berührt – und
       entdramatisiert. Sind Plattformen wie Youtube eine Gefahr, da sie doch zur
       Meinungsmache missbraucht werden können? „Die Gefahr ist ja immer da“,
       relativiert Rezo im Gespräch. „alle Leute, die 'ne Meinungsmacht haben, die
       können die schlecht nutzen.“ Ein Seitenhieb Richtung FAZ und Kumpanen, die
       sich nach der „Zerstörung der CDU“ [2][darum sorgten, dass außer
       Journalist*innen nun auch andere Leute einflussreich ihre Meinung kundtun
       können]. Das Statement ist klar: Missbrauch von einem
       Öffentlichkeitsmonopol kann es immer geben – das Problem braucht aber nicht
       in einem spezifischen Medium gesucht werden. Und damit: next.
       
       Ein paar genauere Nachfragen hätte man sich von Interviewer Jan Böhmermann
       allerdings schon gewünscht. Zum Beispiel bei der Frage, was „die Zerstörung
       der CDU“ an negativen Folgen für Rezo mit sich gebracht hat. Der 26-Jährige
       deutet an, dass es einen „Deal“ gab, den er nach Veröffentlichung des
       Videos verloren hat, und der ihm Geld eingebracht hätte. Dass der
       Influencer den Verlust hinnimmt, mag ihn als integer erscheinen lassen –
       trotzdem fragt man sich, was das für ein Deal gewesen sein kann. Es bleibt
       Raum für [3][Spekulationen und Verschwörungstheorien], wie FAZ und
       verschieden CDU-Politiker*innen sie eine Weile um die Wette in die Welt
       setzten.
       
       Muschi- und Pimmelwitze. Und Politik 
       
       Ohne in solche Verschwörungstheorien zu verfallen, hätte es eine kurze
       Aufklärung auch über die online Kanäle und ihre Funktionsart geben können:
       Die Rolle von Ströer Digital als Vertreiber von Youtubern, oder ein paar
       Insights, wie die Kommunikation mit der nicht unproblematischen Plattform
       Youtube denn so läuft. Da traute Böhmermann sich offenbar nicht ran.
       
       Und Rezo? Der macht ansonsten erstmal nicht mit politischem Kram weiter.
       Auf seinem Kanal gibt es aus den letzten Wochen Videos mit Muschi- und
       Pimmelwitzen („Wie versaut ist dein Verstand?“), oder den „Dauer Lachflash
       mit Julien Bam“. Gut so. Rezo belehrt eine ganze Riege aus grau wirkenden
       alten weißen Männern (und einigen Frauen) eines Besseren: Trashiger Fun und
       politisches Bewusstsein schließen sich eben nicht aus.
       
       14 Jun 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ
 (DIR) [2] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rezos-anti-cdu-video-propaganda-von-der-ganz-feinen-sorte-16202294.html
 (DIR) [3] https://uebermedien.de/38908/faz-innenpolitikchef-zerstoert-sich-im-kampf-gegen-rezo/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lea Fauth
       
       ## TAGS
       
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