# taz.de -- Neues AfD-Spitzenpersonal: Krasser geht immer
       
       > Bei der Vorstandswahl hat es die Höcke-Jüngerin Christina Baum
       > überraschend in den AfD-Vorstand geschafft. Beatrix von Storch dagegen
       > ist draußen.
       
 (IMG) Bild: So sieht der neue 14-köpfige AfD-Bundesvorstand aus
       
       Riesa taz | Es ist schon früher Abend, als es am Samstag beim Parteitag der
       AfD in Riesa um den Posten des 5. Beisitzers im Bundesvorstand geht.
       Beatrix von Storch, die bislang stellvertretende Parteivorsitzende war,
       sitzt im Gästebereich der Delegiertenversammlung, scheinbar ist sie ins
       Gespräch vertieft. Plötzlich springt sie von ihrem Stuhl auf, geht einen
       Schritt nach vorn, dann zappelt sie mit den Beinen.
       
       Auf den Videoscreens in der großen Halle ist das Ergebnis der Abstimmung
       eingeblendet worden. Christina Baum, Bundestagsabgeordnete aus
       Baden-Württemberg, ist überraschend in den AfD-Bundesvorstand gewählt
       worden. Von Storchs Gesicht zeigt: Sie ist entsetzt.
       
       Baum ist das, was der [1][ehemalige AfD-Chef Jörg Meuthen] manchmal als
       „die Verstrahlten im Westen“ bezeichnet hat. Die Zahnärztin, die im Osten
       geboren wurde und sich nach 1989 im Süden niedergelassen hat, gilt in der
       West-AfD als eine der treusten Anhänger:innen des Rechtsextremisten
       Björn Höcke, Thüringer Landeschef und Kopf des offiziell aufgelösten
       „Flügels“. Baum ist ohne Zweifel eine der großen Gewinnerinnen des
       Parteitags, von Storch eine der Verliererinnen.
       
       ## Anfang vom Ende bei von Storch
       
       Dass von Storch an diesem Abend im Gästebereich des Parteitags sitzt, ist
       nicht freiwillig. Gemeinsam mit den anderen 23 Berliner Delegierten ist sie
       nicht zum Parteitag zugelassen, so haben es die Schiedsgerichte der Partei
       entschieden. Der Grund: Von Storch soll auf einem Landesparteitag drei
       Bewerber auf die Liste für Bundesparteitagsdelegierte hinzugefügt haben,
       als diese schon geschlossen war.
       
       Von Storch, 51, evangelisch, Lebensschützerin und umtriebige rechte
       Netzwerkerin schon vor AfD-Zeiten, mischt seit 2015 an der Spitze der
       Partei mit. Teilt man die AfD vereinfacht in zwei Teile, ist sie denen
       zuzuordnen, die sich für gemäßigt halten. Dieses Lager ist auf dem
       Parteitag abgeschifft. Doch eigentlich steht sie für eine weitere Strömung:
       die christlich-fundamentalistische. Auf dem Parteitag ist von Storch, die
       viele Feinde in der Partei hat, für den Bundesvorstand nicht einmal mehr
       angetreten. Noch ist sie stellvertretende Fraktionschefin, doch Riesa
       könnte den Anfang vom Ende ihrer Parteikarriere markieren.
       
       Dagegen hat Christina Baum deutlich an Einfluss gewonnen. Erst seit dem
       vergangenen Jahr sitzt Baum im Bundestag, bei ihrer ersten Rede ging sie
       gleich in die Vollen: Die Coronapolitik der Bundesregierung bezeichnete
       sie als „Vergewaltigung des deutschen Volkes“. In Riesa verkündete Baum
       unter anderem, sie wolle den Deutschen „einen gesunden Nationalstolz
       zurückgeben“, der von den „Trümmern einer jahrzehntelangen Schuldhaftigkeit
       verschüttet“ sei. Baum gilt in der AfD als schwer integrierbare
       Außenseiterin.
       
       [2][Tino Chrupalla und Alice Weidel], das neue Führungsduo an der
       Parteispitze, dürften froh sein, im Vorstand von Storch endlich los zu
       sein. Mit Baum werden sie es wahrlich nicht leichter haben. Allerdings
       kommen die Angriffe nun von der anderen Seite – und ihre Mehrheit steht.
       
       19 Jun 2022
       
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