# taz.de -- Landtagswahl in Niedersachsen: Eine reine Typfrage
> In Niedersachsen wird 2013 gewählt. Die Landes-SPD hat zwei
> Spitzenkandidaten: Hannovers Bürgermeister Weil und Landesparteichef
> Lies. Jetzt entscheidet eine Urwahl.
(IMG) Bild: Nur einer von beiden kann SPD-Spitzenkandidat sein: Olaf Lies (links) oder Stephan Weil
LÜNEBURG taz | Trommelgruppe zum Auftakt, Leinwand und Stehpulte,
Übertragung per Livestream im Internet. Niedersachsens SPD nutzt die erste
Regionalkonferenz zur Kür ihres Spitzenkandidaten für die Landtagswahl
2013, um sich als offene und moderne Partei darzustellen.
Ende November entscheidet die Parteibasis per Urwahl, wer
CDU-Ministerpräsident David McAllister herausfordern wird: Hannovers
Oberbürgermeister Stephan Weil oder SPD-Landeschef Olaf Lies. Am
Dienstagabend hat das Rennen mit der ersten von insgesamt sieben
Vorstellungsrunden in Lüneburg offiziell begonnen.
Inhaltlich, so wird dort beim Rededuell in der Veranstaltungshalle "Vamos"
schnell deutlich, stehen sich Lies und Weil nahe: Beide wollen einen
Kurswechsel in der Bildungspolitik, mehr Gesamtschulen, Ganztagsangebote
und Krippenplätze. Beide fordern eine ergebnisoffene Suche nach einem
Atommüllendlager - ohne das niedersächsische Gorleben. Beide gelten als
eher links, beide können mit den Grünen.
Das ist eine wichtige Voraussetzung für einen SPD-Spitzenkandidaten in
Niedersachsen, wo Rot-Grün 2013 laut Umfrageergebnissen Schwarz-Gelb nach
zehn Jahren Regierung mit einer stabilen Mehrheit ablösen könnte. Die
Entscheidung über die Spitzenkandidatur wird letztlich eine reine Typfrage:
Lies, erst seit 2002 SPD-Mitglied, der jugendliche Seiteneinsteiger, oder
Weil, Sozialdemokrat seit über 30 Jahren, der verwaltungs- und
regierungserfahrene Technokrat.
Vor allem Weil wird die Konferenzen vor der Urwahl dazu nutzen müssen, sich
landesweit der Basis vorzustellen. Er ist zwar klarer Favorit der
Parteioberen, im Flächenland Niedersachsen bislang aber als
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt fast nur den Städtern vertraut.
Landeschef Lies hingegen ist der Basis gut bekannt: Vor gut einem Jahr war
der Landtagsabgeordnete bei diversen Regionalkonferenzen von den
Mitgliedern überraschend zum Nachfolger des erfolglosen Landesvorsitzenden
Garrelt Duin gewählt worden.
Und auch jetzt tritt Lies quasi als Underdog an. Er hatte sich zunächst
selbst als Bewerber für die Spitzenkandidatur nominiert. Erst im Nachhinein
hat ihm sein Heimatbezirk Weser-Ems die Unterstützung ausgesprochen. Weil
hingegen wurde ganz offiziell von seinem Bezirksverband Hannover
vorgeschlagen.
Auch der Bezirk Braunschweig - sonst traditionell in Konkurrenz mit den
Hannoveranern - steht hinter ihm. Unterstützer haben bereits fast 200
Unterschriften für ihn gesammelt, darunter Parteiprominenz wie Hubertus
Heil, Vizebundestagsfraktionschef, und Thomas Oppermann, parlamentarischer
Geschäftsführer der Bundestagsfraktion.
Bundesparteichef Sigmar Gabriel höchstselbst, der in Berlin eine Öffnung
der SPD propagiert, soll versucht haben, seinen Favoriten Weil
durchzusetzen. Und dem 44-jährigen Lies im Vorfeld erklärt haben, die
Spitzenkandidatur komme zu früh für ihn. Nur weil der nicht zurückzog,
entscheiden in Gabriels Heimatland nun die 65.000 Parteimitglieder per
Urwahl.
Offen ist all das bei der Regionalkonferenz in Lüneburg kein Thema. Wenn
Weil Lies "unbestreitbares politisches Talent" attestiert, über die
"liberale Boygroup" in Berlin lästert, "bei der man sich fragt, was sie
vorher eigentlich geleistet hat", sind das aber deutliche Seitenhiebe.
Ein klarer Sieger geht aus diesem ersten Rededuell dennoch nicht hervor:
Auch Lies weiß sein Image als Underdog geschickt zu pflegen, distanziert
sich von "Hinterzimmerpolitik" und betont, er traue den Menschen eigene
Entscheidungen zu.
Die Kandidatenkür der Niedersachsen-SPD mit ihren Regionalkonferenzen macht
er gleich bundesweit zum Vorbild: In der Debatte über eine
Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück fordert Lies ebenfalls eine Urwahl.
2 Nov 2011
## AUTOREN
(DIR) Teresa Havlicek
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