# taz.de -- Kommentar Einbürgerungstests: Deutsche Verschlossenheit
       
       > Integration aber kann nur gelingen, wenn möglichst viele dazugehören.
       > Deshalb muss man werben für die deutsche Staatsbürgerschaft. Und nicht
       > eine zusätzliche Hürde aufbauen.
       
 (IMG) Bild: Der einheitliche Einbürgerungstest ist ein Ergebnis der Debatte von 2006 um den umstrittenen "Muslimtest" in Baden-Württemberg
       
       Diesmal scheint das Bundesinnenministerium Maß zu halten. Der
       Einbürgerungstest, der ab September bundesweit verpflichtend wird,
       überprüft Grundkenntnisse in Sachen parlamentarischer Demokratie, deutscher
       Geschichte und Alltagsleben hierzulande. Gesinnungsfragen gibt es - soweit
       man bislang weiß - nicht. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zum
       umstrittenen "Muslim-Test" aus Baden-Württemberg, der ja die Frage nach
       einer bundesweit einheitlichen Überprüfung zuallererst auf die Tagesordnung
       gesetzt hat. An ihm übrigens will das Land auch nach der Einführung des
       neuen Tests und trotz massiver Kritik festhalten. Aber auch der neue
       bundesweite Test ist ein falsches Signal.
       
       Oberflächlich betrachtet ist zunächst fraglich, ob ein neuer Staatsbürger
       wirklich wissen muss, wie viele Bundesländer es gibt oder worin die Aufgabe
       der parlamentarischen Opposition besteht. Oder was Willy Brandt mit seinem
       Kniefall in Warschau ausdrücken wollte. Natürlich ist es wünschenswert,
       dass dieses Wissen Allgemeingut ist. Aber eine Bedingung dafür, Deutscher
       zu werden, sollte es nicht sein.
       
       Entscheidender aber ist die Frage nach dem Umgang mit Einbürgerung. Steht
       sie, wie Baden-Württemberg stets betont, am Ende der Integration? Oder
       sollte sie nicht viel eher ein Mittel auf dem Weg dahin sein? Fest steht:
       In Deutschland klappt es nicht gut mit der Einbürgerung. Seit 2001, nach
       der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts samt der Absage an den
       Doppelpass, sind die Zahlen nicht angestiegen, sondern zurückgegangen. Noch
       immer leben fast 7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ohne
       deutschen Pass hier. Sie haben weder dieselben Rechte noch dieselben
       Pflichten wie Deutsche - und können nicht gleichberechtigt mitmachen im
       gesellschaftlichen Leben der Bundesrepublik.
       
       Integration aber kann nur gelingen, wenn möglichst viele dazugehören.
       Deshalb muss man werben für die deutsche Staatsbürgerschaft. Und nicht eine
       zusätzliche Hürde aufbauen auf dem Weg dahin.
       
       10 Jun 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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