# taz.de -- Islamophobie in den USA: Moschee-Angreifer übertrugen ihre Tat live im Netz
> Beim Angriff von zwei jugendlichen Rechtsterroristen auf ein islamisches
> Gemeindezentrum in San Diego rettete der dabei getötete Wächter viele
> Leben.
(IMG) Bild: Mit Kerzen wird der drei Todesopfer der Attacke auf das islamische Gemeindezentrum in San Diego gedacht
Amin Abdullah war stets ein bescheidener Mann. Er war mit seinem Job als
Sicherheitsbeamter einer kleinen Moschee in San Diego, in der er auch
betete, zufrieden. Noch vor Kurzem schrieb auf Facebook, er brauche keine
materiellen Dinge, er strebe nichts im Leben an, als seinem Schöpfer als
reiner, guter Muslim entgegentreten zu können.
Nachdem [1][im März 2019 im neuseeländischen Christchurch ein rechter
Terrorist 51 Muslime ermordete], begann Amin Abdullah seinen Job jedoch
zunehmend als Berufung zu begreifen. Er wechselte zum islamischen
Gemeindezentrum auf der anderen Seite der Stadt, einem der größten seiner
Art in den USA. Und er begann, wie Freunde und Verwandte erzählten, seinen
Job mit einem beinahe übertriebenen Eifer zu betreiben. „Er traute sich
kaum auf die Toilette zu gehen, weil er Angst hatte, in der Zwischenzeit
könnte etwas passieren“, berichtete am Dienstag sein Freund Khalil
Alexander.
So wirkt es beinahe wie Vorsehung, dass Abdullah am Montag bei dem
[2][Angriff auf das von ihm bewachte Gemeindezentrum] als Held und Märtyrer
sein Leben ließ. Als die beiden jugendlichen Täter Cain Clark und Caleb
Vazquez um kurz nach 11 Uhr Ortszeit mit automatischen Waffen in das
Gebäude stürmten, tat Abdullah, was er Tausende Male im Kopf durchgespielt
hatte. Er befahl per Funk die sofortige Abriegelung des Geländes, auf dem
sich mehr als 140 Personen, die meisten von ihnen Kinder, befanden. Dann
begann er die beiden Angreifer in ein Feuergefecht zu verwickeln, bei dem
er ums Leben kam.
Der Polizeichef von San Diego, Scott Wahl, sagte später bei einer
Pressekonferenz, Abdullah habe zweifellos Dutzende Leben gerettet. Ihm sei
es zu danken, dass der Angriff der beiden Schützen sich nicht zu einer
Katastrophe vom Ausmaß des Attentats in Christchurch ausweiten konnte.
## Täter hassten offenbar alle Nichtweißen
Die beiden Jugendlichen, die mit der Absicht eines Massenmordes gekommen
waren, konnten nicht in das Innere des Komplexes vordringen. Allein auf dem
Parkplatz fanden sie die beiden Gemeindeangehörigen Mansour Kaziha und
Nader Awad, die sie kaltblütig ermordeten. „Bruder Mansour“, wie Bekannte
ihn nannten, galt als Seele der Gemeinde, Awad, ein Nachbar, besuchte
regelmäßig die Gottesdienste.
Die beiden Jugendlichen fuhren daraufhin mit quietschenden Reifen davon. In
einer nahe liegenden Wohngegend schossen sie noch wahllos um sich und
trafen beinahe einen Gärtner. Schließlich, so berichtete die Polizei,
erschoss Vazquez zuerst seinen Gefährten und dann sich selbst.
Im Auto der beiden Täter fanden sich ein Gaskanister mit SS-Insignien sowie
ein 75 Seiten langes Manifest. Das Papier wurde bislang nicht
veröffentlicht. Doch der TV-Sender NBC, der Zugang dazu erlangte, beschrieb
es als ein generalisierendes Hass-Papier. In ihm wird gegen Juden und
Muslime, gegen Afroamerikaner, Latinos und Angehörige der LGBTQ-Community
gehetzt.
Zudem sollen sich in dem Pamphlet zahlreiche Anspielungen an den
sogenannten Akzelerationismus befinden, einer rechtsradikalen Strategie,
nach der durch Terrortaten der Zusammenbruch der modernen pluralistischen
Gesellschaft beschleunigt werden soll. Ziel ist es, aus den Trümmern des
dekadenten inklusiven Gemeinwesens einen ethnonationalistischen „White
power“-Staat zu errichten.
[3][Der Täter von Christchurch] gilt laut der Anti Defamation League als
einer der Helden der rechtsradikalen Bewegung. Die damalige neuseeländische
Premierminister Jacinda Ardern [4][weigerte sich stets, seinen Namen zu
nennen], um seine Heldenverklärung möglichst zu verhindern. Doch dürfte er
Vazquez und Cain als Vorbild gedient haben.
## Massenmörder von Christchurch als Vorbild
Dazu passt, dass die beiden Jugendlichen ihre Tat wie der Täter in
Christchurch live streamten. Die Attacke, die glücklicherweise nicht die
Ausmaße jener von Christchurch annahm, war offenbar eine Inszenierung für
das Netz, dazu gedacht, weitere akzelerationistische Aktionen zu
inspirieren.
Gemäß dem Manifest hatten die beiden radikalisierten jungen Männer einen
generellen Hass auf alles Nichtweiß und Nichtmännliche entwickelt. Doch
fällt ihr Attentat auch in ein Klima wachsender Islamophobie in den USA.
„Sie wird schamlos von den höchsten Stellen der Politik geäußert und trifft
praktisch auf keinen Widerstand“, sagte jüngst New Yorks muslimischer
Bürgermeister Zohran Mamdani. Dabei wollte er keine Partei als Heimat der
Islamophobie identifizieren. „Sie ist in unserem politischen Leben
endemisch. Sie ist Mainstream.“
Das belegen schon die 14 Millionen islamophoben Posts, die nach der Wahl
Mamdanis in den sozialen Medien auftauchten und die [5][von
Ausweisungsaufrufen und Angst vor der Einführung der Scharia in den USA bis
hin zur Herabwürdigung des Bürgermeisters als „Kakerlake“] reichten. Der
Charakterisierung folgte auch die rechte Influencerin und
[6][Trump-Vertraute Laura Loomer]. Muslime, postete sie, seien eine
„invasive Spezies“. Die angegriffene Moschee in San Diego solle von der
Einwanderungspolizei ICE geschlossen werden, die Mitglieder der Gemeinde
seien darauf aus, „uns alle zu töten“. Die Opfer, so der Tenor, hätten es
nicht besser verdient.
## Islamphobie verbreitet unter US-Politikern
Im Kongress wurde derweil eine Untersuchungskommission zur „Verbreitung der
Scharia“ in den USA gegründet. Andy Ogles, republikanischer Abgeordneter
aus Tennessee, äußerte jüngst, dass „Muslime nicht nach Amerika gehörten“
und „Pluralismus eine Lüge“ sei. Sein Kollege Randy Fine aus Florida nannte
die Wahl „zwischen einem Hund und einem Muslim nicht sonderlich schwer.“
Trump selbst hatte seine erste Amtszeit mit einem [7][generellen
Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern] begonnen und jüngst
die somalische Community von Minnesota als „Müll“ bezeichnet. Zu dem
Anschlag in San Diego sagt er nur lakonisch, es handele sich „um eine
schlimme Situation“. Eine Verurteilung anti-muslimischer Gewalt gab es
nicht. Vizepräsident J. D. Vance immerhin ließ wissen, dass er „derartige
Gewalt in den USA für nicht akzeptabel“ halte.
Imam Taha Hassane, der Direktor der attackierten Gemeinde, fordert von der
Politik. „Es ist nicht genug, dass wir Geistlichen, gleich welcher
Konfession, Toleranz und Liebe predigen. Das muss auch von der Politik
kommen.“ Stattdessen sehe er politische Führer, die grünes Licht für eine
Sprache des Hasses und der Entzweiung gäben. Namen nannte er nicht.
21 May 2026
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## AUTOREN
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