# taz.de -- Hamburger Prestigeprojekt angezählt: Grüne wollen kein Naturkundemuseum mehr
       
       > Die Bürgerschaftsfraktion stellt sich gegen einen Museumsneubau und
       > stellt damit die Rettung des Elbtowers infrage. Der Vorstoß war
       > unabgesprochen.
       
 (IMG) Bild: Bauruine in spe: der Hamburger Elbtower
       
       Ein teurer Neubau für die naturkundlichen Sammlungen Hamburgs kommt für die
       Grünen nicht mehr infrage. Statt für eine halbe Milliarde Euro ein solches
       Biodiversitätsmuseum zu bauen, „sollten diese Mittel in die Zukunft der
       Stadt investiert werden“, erklärte Fraktionschef Michael Gwosdz am Freitag.
       Man sei erstaunt darüber, „dass die Grünen nun mit einem nicht abgestimmten
       Vorstoß das eigene Prestigeprojekt der grün geführten Wissenschaftsbehörde
       grundsätzlich ablehnen“, teilte die SPD-Fraktion mit.
       
       Vor ziemlich genau einem Jahr [1][hatte der rot-grüne Senat verkündet,
       welchen Standort er für das geplante und vertraglich versprochene
       Biodiversitätsmuseum oder „Evolutioneum“ gefunden habe]: den Elbtower. Das
       ist ein Mega-Hochhaus direkt an den Elbbrücken, das der damalige
       Bürgermeister Olaf Scholz noch kurz vor seinem Abflug nach Berlin
       vorgestellt hatte, weswegen das Hochhaus im Volksmund auch Scholztower
       genannt wird.
       
       Das Projekt wurde Opfer der Pleite des Immobilien-Wunderkindes René Benko.
       Von dem Turm steht die Hälfte von geplanten 200 Metern als Rohbau. Trotz
       der darin bereits versenkten 350 Millionen Euro und eines willigen
       Investorenkonsortiums um Dieter Becken scheint es schwierig zu sein, eine
       wirtschaftliche Lösung für eine Fertigstellung zu finden. Das Evolutioneum
       in den Elbtower einziehen zu lassen, um dem Projekt auf die Beine zu helfen
       und der Stadt eine Bauruine zu ersparen, schien eine elegante Lösung zu
       sein.
       
       Freilich hatte der Senat bei der Vorstellung des Projekts Elbtower hoch und
       heilig versprochen, keinen Cent öffentlichen Geldes dafür auszugeben. Heute
       sagt Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), die Stadt müsse das Museum
       ohnehin bauen und der Einzug in den Elbtower sei billiger als ein
       kompletter Neubau. Die Stadt sei bereit, zwölf Stockwerke für das Museum zu
       kaufen, aber erst mit zunehmendem Baufortschritt, für 595 Millionen und
       keinen Cent mehr.
       
       ## Alternativstandort für 100 Millionen weniger
       
       Nach mehr als einem Jahr Verhandlungen liegt der Stadt nun ein billigeres
       Angebot eines anderen Investors vor. Wie das Hamburger Abendblatt
       berichtete, hat die Hamburger Immobilienfirma B&L am Besenbinderhof gleich
       beim Hauptbahnhof eine leerstehende Immobilie, die sie für das Museum an
       die Stadt verkaufen würde – für 100 Millionen Euro weniger.
       
       Damit komme der Versuch des Senats, „auf Biegen und Brechen mit dem
       Naturkundemuseum den ‚kurzen Olaf‘ zu retten, kräftig ins Wanken“, findet
       der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Marco Hosemann. Angeblich seien die 595
       Millionen ja das wirtschaftlichste Angebot gewesen. Aber auch ob das neue
       Angebot für 495 Millionen wirklich das günstigste sei, werde der Senat erst
       wissen, wenn er auch die anderen Möglichkeiten ergebnisoffen geprüft habe.
       
       Für die Linken ist das neue Angebot ein Anlass zur Fundamentalkritik: „Es
       ist nicht vermittelbar, dass der Senat überall kürzt, aber 595 Millionen
       für den Kauf des halben Elbtowers ausgeben will“, findet Hosemann.
       
       Ähnlich sehen das die Grünen: Auch 495 Millionen Euro seien kein
       Schnäppchen. In dem „wirklich angespannten Hamburger Haushalt“ sei für eine
       solche Summe einfach kein Platz. „Es ist an der Zeit, umzusteuern“,
       erklärte Gwosdz. „Ein Museumsbesuch ist wertvoll – aber er ersetzt keine
       gute Kita, keine sanierte Schule und keinen gut ausgestatteten
       Studienplatz.“
       
       Natürlich stehe Hamburg für Spitzenforschung und die wertvollen
       naturkundlichen Sammlungen sollten endlich angemessen gesichert werden,
       findet der Grünen-Fraktionschef. „Dafür brauchen wir aber keinen teuren
       Museumsneubau mit Prestigeadresse, sondern vor allem moderne Labore,
       funktionale Ausstellungsflächen und gut erschlossene Depots.“
       
       Die den Grünen angehörende Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal verwies
       auf die Verpflichtungen Hamburgs: „Die Errichtung eines neuen
       Naturkundemuseums in Hamburg wurde 2021 auf Beschluss der Hamburgischen
       Bürgerschaft in einem Staatsvertrag festgelegt.“ Daran sei der Senat
       gebunden. Das Museum solle ein inklusiver Ort sein, das die Sammlungen mit
       rund zehn Millionen Objekten für die internationale Forschung und die
       Hamburger Stadtgesellschaft bewahre und zugänglich mache.
       
       Die SPD als Koalitionspartner der Grünen erinnerte daran, dass sie das
       Projekt stets kritisch gesehen und diese Haltung auch innerhalb der
       Koalition deutlich gemacht habe. Wegen der Bedeutung des Vorhabens für
       Wissenschaft und Forschung hätte sie sich eine sorgfältige Beratung und
       Abstimmung in der Koalition gewünscht. In jüngster Zeit hatten
       SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf und Bürgermeister Tschentscher Zweifel
       daran geäußert, dass die Verhandlungen zu dem Museum im Elbtower Erfolg
       haben würden.
       
       Die oppositionelle CDU-Fraktion ordnete den Vorgang noch einmal anders ein:
       „Offensichtlich haben die Grünen kalte Füße bekommen, nachdem sie selber
       bei [2][vielen Großprojekten insgesamt einen Milliardenschaden für die
       Hamburger Steuerzahler zu verantworten] haben.“ In jüngster Zeit war
       bekannt geworden, dass sich bei zwei großen Projekten aus dem
       Verantwortungsbereich der grün geführten Umweltbehörde die Kosten
       vervielfacht hatten.
       
       9 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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