# taz.de -- Goethe-Plakette für Sven Väth: Der „Babba“
       
       > Sven Väth erhält die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Das Erbe des
       > Techno verwalten dort heute längst andere.
       
 (IMG) Bild: Im Namen Goethes: Sven Väth beim Kappa FuturFestival in Turin im Juli 2015.
       
       Im letzten Jahrhundert gab es einen Wettstreit zwischen Berlin und
       Frankfurt um den Status der Hauptstadt des Techno. Berlin entschied das
       Rennen alsbald für sich. Nun doppelt Frankfurt mit einem ganzen Paket an
       kultureller Aufarbeitung nach.
       
       Rewind: 2005 eröffneten zeitgleich das Berghain in Berlin und der
       Cocoonclub in Frankfurt. Heute ist das Berghain eine weltweite
       Nachtleben-Marke. Der Cocoonclub von Sven Väth hat dagegen 2013
       dichtgemacht. „Babba“, wie Väth in Frankfurt gerne genannt wird, lebt
       mittlerweile abwechselnd in London und auf der Partyinsel Ibiza. Doch
       vielleicht hat sich diese Tatsache noch nicht bis in den Frankfurter Römer
       herumgesprochen.
       
       Jedenfalls verleihen die Stadtoberen um Oberbürgermeister Peter Feldmann
       (SPD) am Freitag Sven Väth die Goethe-Plakette. Die Verdienste des
       50-Jährigen um den Aufbau der elektronischen Musikszene sind unbestritten.
       In seiner Heimatstadt nehmen ihm allerdings viele die Tatsache übel, dass
       er die Insolvenz seines Clubs auf das angegliederte Edelrestaurant
       abgewälzt hat. Mit dem Cocoonclub ist jedenfalls der Versuch gescheitert,
       die Tradition der Frankfurter Technoclubs wiederzubeleben.
       
       Die Profiteure sitzen wenige Kilometer entfernt in Offenbach. Ihr Club
       „Robert Johnson“ ist der einzige Lichtblick in der Rhein-Main-Region, einst
       stolze Heimat von Clubs wie Dorian Gray im Frankfurter Flughafen, „XS“,
       „Omen“ oder dessen Nachfolger „U 60311“.
       
       Robert-Betreiber Athanassios Macias (alias DJ Ata) ist das einerlei: „Wir
       verzeichnen zwar nicht so viele Techno-Touristen wie Berlin“. Aber, fügt er
       hinzu: „Gerne würde ich den Berlinern mal zeigen, wie man auch anders
       ,Club‘ machen kann.“ Momentan beherbergt Ata ein Filmteam. „Denk ich an
       Deutschland in der Nacht“ heißt die Techno-Doku, die Regisseur Romuald
       Karmakar im Robert Johnson dreht. Der gebürtige Hesse will damit die
       Bedeutung von Rhein-Main für Techno hervorheben.
       
       Als Protagonisten hat er neben Ata die Produzenten Roman Flügel und Ricardo
       Villalobos ausgewählt. Beide haben ihre Karrieren bei „Babba“ Väth
       gestartet, zu einer Zeit, als dessen Club „Omen“ noch Technofans von
       weither angezogen hat. Villalobos brachte seine Bongos mit und trommelte
       die ganze Nacht. Als seine DJ-Karriere in Gang gekommen war, zog er nach
       Berlin.
       
       ## Technomuseum
       
       Unterdessen haben zwei andere Frankfurter Pioniere ein Vorhaben publik
       gemacht: Andreas Tomalla alias DJ Talla 2XLC (Macher des „Dorian Gray“) und
       Alex Azary (einst Club „XS“) wollen in den Räumen des Kindermuseums an der
       Hauptwache 2017 ein Technomuseum eröffnen: „Museum Of Modern Electronic
       Music“ soll es heißen, kurz: Momem.
       
       Den Segen der Kommune Frankfurt haben sie bereits. Mitinitiator Tomalla,
       seit fünf Jahren Träger der Ehrenplakette der Stadt, versteht sich gar als
       Erfinder des Begriffs Techno: „Wir waren früher dran als die Produzenten in
       Detroit.“
       
       Starker Tobak, das findet auch der Produzent Christian Rindermann alias DJ
       C-Rock. „Viele Bezugspunkte sind in Frankfurt längst verschwunden, genau
       wie die DJs nach Berlin abgewandert sind.“
       
       ## Ranschmeiße an Väth und Konsorten
       
       Achim Szepanski, der jahrelang im Frankfurter Untergrund legale und
       illegale Raves veranstaltet hat und bis 2005 auch die Labels Force Inc. und
       Mille Plateaux betrieb, kritisiert die Ranschmeiße an Väth und Konsorten:
       „Frankfurt will dadurch nur sein Städteranking verbessern.“ In Szepanskis
       Onlinemagazin NON liest man stattdessen mehr über die Technostadt Detroit.
       
       Highlight des Technomuseums Momem soll übrigens eine begehbare Discokugel
       werden. Womöglich entsteht ja auch noch ein Wachsfigurenkabinett der
       Frankfurter Technoikonen, inklusive Kopie von Sven Väth.
       
       NaN NaN
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Müller
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Techno
 (DIR) Musik
       
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