# taz.de -- Finanzskandal bei Manchester City: Der große Beschiss
> Fußballclub Manchester City hat über Jahre illegal Zahlungen aus den
> Emiraten erhalten. Ein Bericht dokumentiert eine irrwitzige
> Wettbewerbsverzerrung.
(IMG) Bild: Teurer Pokal: Manchester City feiert den Triumph in der Champions League 2023
Wie ein Phönix aus der Asche – so lässt sich Manchester Citys Aufstieg nach
2008 treffend beschreiben. Da war ein traditionsreicher Fahrstuhlverein in
einer Stadt, die vom großen Nachbarn Manchester United tiefrot eingefärbt
war. City war da, spielte mit – doch die große Bühne gehörte den anderen.
Das sollte sich ändern.
Im September 2008 übernahm die Abu Dhabi United Group den Klub. Hinter ihr
steht Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Herrscherfamilie
von Abu Dhabi sowie Vizepräsident und stellvertretender Premierminister der
Vereinigten Arabischen Emirate. Die Ziele waren alles andere als
bescheiden: Manchester erobern, England dominieren und schließlich auch die
Weltspitze des Fußballs erklimmen.
Heute, acht Meisterschaften, vier FA-Cups und einen Champions-League-Titel
später, droht das mit Milliarden errichtete arabische Märchenschloss in
sich zusammenzufallen. Und sollten die Mauern tatsächlich brechen, könnte
City tief unter den eigenen Trümmern begraben werden. Im äußersten Fall
könnte der Absturz sogar bis hinunter in den englischen Amateurfußball
führen.
Was war passiert? Am vergangenen Freitag fällte eine unabhängige
Untersuchungskommission, die von der Premier League eingesetzt worden war,
ein vernichtendes Urteil: schuldig in 114 von 115 Anklagepunkten. Der
Hauptvorwurf lautet, Manchester City habe zwischen 2009 und 2018 Einnahmen
künstlich aufgebläht und Kosten verschleiert, um die Finanz- und
Offenlegungspflichten der Premier League auf dem Papier zu erfüllen.
## Verschleierte Zahlungen
Ausgangspunkt waren die sogenannten [1][„Football Leaks“], über die das
Nachrichtenmagazin Der Spiegel ab November 2018 berichtet hatte. Das
Märchenschloss glänzte prächtig. Doch beim Fundament nahm man es mit den
Regeln offenbar nicht so genau. Konkret geht es um eine gewaltige Summe.
Laut dem, von der Premier League [2][am Dienstag veröffentlichten, in
Teilen geschwärzten Urteil der Kommission] sollen sich hinter offiziell
ausgewiesenen Sponsoring-Erlösen in Wahrheit verdeckte Zahlungen von
insgesamt rund 830,69 Millionen Pfund verborgen haben.
Es ist von Schein- oder Verschleierungsverträge die Rede. So soll der
frühere Cheftrainer Roberto Mancini, der die Mannschaft von Dezember 2009
bis Mai 2013 trainiert und 2012 zur ersten Meisterschaft des Klubs nach 44
Jahren geführt hatte, nur einen Teil seines Gehalts von Manchester City
bekommen haben. Der andere Teil soll über Abu Dhabi abgewickelt worden
sein.
Schon 2020 [3][schloss die Uefa den Klub wegen Verstößen gegen das
Financial Fair Play für zwei Jahre vom Wettbewerb aus] und belegte ihn mit
einer Strafe von 30 Millionen Euro. City legte Einspruch ein. Das
internationale Sportschiedsgericht CAS hob die Sperre wieder auf und senkte
die Strafe auf 10 Millionen Euro. Er befand die meisten Uefa-Vorwürfe als
nicht hinreichend belegt oder wegen der damals geltenden Fünfjahresfrist
als verjährt. Die Skyblues kamen mit einem himmelblauen Auge davon.
Eine Verjährungsfrist gibt es in den Statuten der höchsten englischen
Spielklasse nicht. Bis Freitag hat der Klub noch Zeit, Einspruch
einzulegen. Stefan Borson, Jurist und früherer Finanzberater von Manchester
City, geht davon aus, dass „eine Berufung gegen die Tatsachenfeststellungen
mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben wird“. Wie hart die Strafe
für am Ende ausfällt, ist noch völlig offen.
Für Richard Masters, Geschäftsführer der Premier League, steht zumindest
die Tragweite des Falls fest: „Dieses Disziplinarverfahren und diese
Entscheidung sind die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League.“
Tatsächlich steht einiges auf dem Spiel. Die acht Titel, die City in den
neun betroffenen Spielzeiten gewann, könnten aberkannt werden. Hinzu kommen
mögliche Punktabzüge, empfindliche Geldstrafen und Schadenersatzforderungen
konkurrierender Klubs. Im äußersten Fall droht sogar der Ausschluss aus der
Premier League.
[4][Der britische Fußball-Insider Ben Jacobs] berichtet, dass sich auch die
EFL, Dachorganisation der Zweiten bis Vierten englischen Liga, im Fall
eines Ausschlusses wohl wenig aufnahmefreudig zeigen könnte und versucht
sei, Manchester City aus ihren Ligen fernzuhalten. Damit stünde theoretisch
sogar ein Absturz in den Amateurfußball im Raum.
Bevor man City allerdings schon auf irgendeinem englischen Dorfplatz kicken
sieht, bleibt abzuwarten, wie standhaft die Premier League tatsächlich
bleibt. Denn sie steckt in einem unangenehmen Dilemma. Mit Manchester City
würde sie eines ihrer größten Zugpferde und damit auch viel Geld verlieren.
Auf der anderen Seite steht etwas, das sich deutlich schwerer kaufen lässt:
ihre Glaubwürdigkeit.
30 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Football-Leaks/!t5277624
(DIR) [2] https://resources.premierleague.pulselive.com/premierleague/document/2026/09/29/9bb3f063-6312-4d15-a1f1-77280d356a49/Premier-League-Manchester-City-independent-Commission-Redacted-Core-Decision.pdf
(DIR) [3] /Europaeischer-Profifussball/!5126644
(DIR) [4] https://www.ben-jacobs.com/
## AUTOREN
(DIR) Rico Setz
## TAGS
(DIR) Fußball
(DIR) Manchester City
(DIR) Premier League
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Verfahren gegen Manchester City: Die besten Trickser und Verteidiger
Die Premier League will ManCity wegen Betrugs bestrafen. Doch ist der aus
den Vereinigten Arabischen Emiraten finanzierte Klub zu groß für den
Fußball?
(DIR) VAE gewinnen Champions League: Penunzen, Pott, Party
Nach etlichen Anläufen gewinnt Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan die
Champions League. Die Fans von Manchester City finden das prima.
(DIR) Transferausgaben beim FC Chelsea: Das große Shoppen
Die neuen Eigentümer des FC Chelsea investieren in der laufenden Saison 600
Millionen Euro in den Kader. Jetzt müssen Erfolge her.
(DIR) Europäischer Profifußball: Miese in Milliardenhöhe
Mit ihrem geplanten "Financial Fair Play" spielt die Uefa ein gefährliches
Spiel: Viele Klubs, die im Champions-League-Achtelfinale stehen, müsste sie
bald ausschließen.