# taz.de -- Extreme Hitze bei NFL-Partie: Wenn Schuhe schmelzen
       
       > Beim NFL-Spiel zwischen den Tennessee Titans und den Philadelphia Eagles
       > heizt die Sonne den Kunstrasen extrem auf. Geschützt werden die Profis
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Endlich Auszeit! Schiedsrichter Steven Woods kann seinen Flüssigkeitshaushalt beim Spiel in Nashville ausgleichen
       
       Rücksichtsvoll geht die [1][National Football League] mit ihren Profis
       gewiss nicht um. Extremste Hitze war in Nashville am Sonntag angesagt. Aber
       die Unversehrtheit der TV-Einnahmen steht über allem. So wurde überhaupt
       nicht darüber nachgedacht, ob das auf 13 Uhr Ortszeit angesetzte Spiel
       zwischen den Tennessee Titans und den Philadelphia Eagles (20:24) nicht in
       die Abendstunden verschoben werden könnte.
       
       Die Folgen hatten fast apokalyptische Ausmaße. Die brennende Mittagssonne
       [2][heizte bei Außentemperaturen von 35 Grad den Kunstrasen auf fast 70
       Grad auf.] Eagles-Offensive-Lineman Cam Jurgens schilderte nach dem Spiel,
       dass seine Füße „brannten und immer noch schmerzten“. Die Spieler mussten
       die schmelzenden Sohlen ihrer Schuhe während der Partie mit Wasser
       herunterkühlen, damit sie noch einigermaßen Halt auf dem künstlichen Geläuf
       bieten konnten. Selbst Eagles-Coach Nick Sirianni wurde direkt nach der
       Partie eine Infusion gelegt, um seine Dehydrierung zu verhindern.
       
       Schon eine Woche zuvor beim Saisonauftakt der Titans gegen die New York
       Jets berichteten die Beteiligten von ähnlich herausfordernden Bedingungen.
       Jordan Mailata forderte am Sonntag die Spielergewerkschaft auf, sich dafür
       einzusetzen, alle NFL-Vereine zu verpflichten, künftig auf Naturrasen zu
       spielen. Allerdings ist gerade bei solchen Extremwetterbedingungen das
       Bereitstellen von bespielbarem Naturrasen äußerst kostspielig.
       Breitensportvereine könnten sich das sicherlich nicht leisten.
       
       An Warnungen in den vergangenen Jahren hat es der NFL nicht gefehlt. Erst
       im Jahre 2024 kam eine Studie des Unternehmens Climate X zu dem Ergebnis,
       den NFL-Stadien würden bis 2050 klimabedingte Kosten in Höhe von 11
       Milliarden US-Dollar drohen. Eingepreist sind dabei neben Reparatur- und
       Wiederbeschaffungsmaßnahmen auch die erhöhten Versicherungskosten für die
       Stadionbetreiber.
       
       ## Umzug in geschlossene Hallen
       
       Als eine erste Reaktion auf derlei Prognosen könnte die jüngste Tendenz in
       der NFL interpretiert werden, die offenen Stadien durch Hallen zu ersetzen.
       Vorrangiger dürfte indes ein Interesse daran sein, dem Publikum zu
       entsprechenden Ticketpreisen angenehme Bedingungen zu schaffen. Neben den
       Cleveland Browns und den Jacksonville Jaguars planen eben auch die
       Tennessee Titans in Nashville einen Umzug. Schon nächste Saison soll es so
       weit sein. Die Kosten sollen mindestens 2,1 Milliarden US-Dollar betragen.
       
       Dann werden die Spiele der Tennessee Titans zwar auf angenehme Temperaturen
       heruntergekühlt werden können, die Belastungen für das Klima werden aber
       durch den immensen Energieverbrauch weiter forciert.
       
       Die NFL brüstet sich wie so viele andere Sportligen mit internationaler
       Strahlkraft mit Nachhaltigkeitsstrategien, der Reduzierung von
       [3][CO2-Emissionen] und Aufforstungsprogrammen. Umweltaktivisten
       kritisieren diese Maßnahmen aber als Alibi-Initiativen und Greenwashing.
       Gerade die globale Expansion der Liga mit Gastspielen etwa in England oder
       Deutschland, so wird moniert, führe zu exzessiven CO2-Emissionen.
       
       Für große Aufregung sorgte jüngst in den USA der Todesfall eines
       Collegespielers. Matthew Mayich von der Arizona State University erlitt im
       August beim ersten Training nach der Sommerpause einen Hitzschlag. Das
       extreme Übungsprogramm eines Ex-Elitesoldaten unter extremen Temperaturen
       hatte ihm zu sehr zugesetzt.
       
       Dieses Leistungssportverständnis in der NFL-Community, das absolute Härte
       heroisiert, fördert auch nicht unbedingt ein Umdenken. Eagles-Veteran Lane
       Johnson stufte die Partie am Sonntag als „eines der fünf härtesten Spiele“
       in seiner Karriere ein. Da schwang durchaus eine Portion Stolz mit.
       
       22 Sep 2026
       
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