# taz.de -- Pogačar stürzt bei Spanien-Rundfahrt: Großes Rätselraten
> Tadej Pogačar, der Favorit und Führende der Vuelta, scheidet wegen eines
> vermeidbaren Sturzes aus. Die Hitze und Strapazen setzen den Fahrern zu.
(IMG) Bild: Schwierige Bedingungen auch für die Konzentration: Über 35 Grad Celsius hatte es auf der Vuelta-Etappe am Samstag
Es war der Schock des Sportwochenendes. Im letzten Drittel einer
vergleichsweise wenig anspruchsvollen Etappe der Vuelta a España kam
[1][Tadej Pogačar] zu Fall. Der Mann im Roten Trikot, der Rundfahrten
gewöhnlich gewinnt, erreichte nicht den Zielstrich. Vielmehr lag er
plötzlich am Straßenrand am Boden. Blut tropfte von seiner Stirn, er hatte
eine Platzwunde an einer Augenbraue. Auch die linke Schulter blutete. Er
hatte sich, wie später Adrian Rotunno, der Teamarzt von UAE Emirates,
bestätigen sollte, das Schlüsselbein gebrochen. Hinzu kommen eine
Gehirnerschütterung, der Bruch eines Halswirbels und diverse Abschürfungen.
Unmittelbar nach dem Aufprall versuchte Pogačar sogar noch, wieder aufs Rad
zu steigen. Er gab das Vorhaben aber mit schmerzverzerrtem Gesicht und
wegen der offensichtlichen Dysfunktionalität des linken Arms schnell wieder
auf und nahm, immerhin sicher auf beiden Beinen gehend, im Krankenwagen
Platz.
[2][Von den vielen unnötigen Stürzen im Radsport] war dies einer der
unnötigsten. Denn die Straße war breit, gut asphaltiert, die
Sichtverhältnisse exzellent und auch das Ziel war noch mehr als 30
Kilometer entfernt. Kein Grund für wilde Positionskämpfe also. Rätselraten
über die unmittelbare Sturzursache gab es daher auch bei Fahrern, die dicht
neben dem Slowenen unterwegs waren. „Es war ein harter Sturz, ich war
direkt neben ihm und konnte noch ausweichen“, meinte der Belgier [3][Wout
van Aert i]m Ziel. Er mutmaßte: „Er scheint auf eine Unebenheit oder ein
Loch gekommen zu sein und hat die Kontrolle über den Lenker verloren.“ Das
Rad machte dann einen Schlenker nach rechts und Pogačar kollidierte mit
einem „Visma – Lease a Bike“-Teamkollegen von van Aert.
Der Brite Oscar Onley, der an der gleichen Stelle wie Pogačar zu Fall
gekommen war, ausgelöst durch das Pech des Slowenen, führte noch einen
anderen Faktor an. „Es war sehr chaotisch heute. Wenn der Tag so einfach
war, ist jeder etwas schläfrig“, meinte er und konstatierte: „Alle Stürze
sind natürlich unnötig. Aber es schien so, als wäre es heute ohne Grund
stressig gewesen.“ Bis kurz vor dem Ziel folgten noch weitere Stürze
mehrerer anderer Fahrer. Die Hitze in Südspanien und die Anstrengungen des
Rennens setzen, so zeigt sich, nicht nur den Athletenkörpern zu. Auch
Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen werden beeinträchtigt, gerade dann,
wenn es nicht unbedingt gefährlich scheint.
## WM-Titelverteidigung unwahrscheinlich
Von Pogačar selbst kam noch keine Erklärung für die Unfallursache. Er wurde
ins Krankenhaus gebracht. Die notwendige Schulteroperation wurde allerdings
aufgrund der Gehirnerschütterung verschoben, teilte Teamarzt Rotunno mit.
Kein Risiko also für den Posterboy des Straßenradsports. Eine
Titelverteidigung bei der WM Ende September in Kanada scheint äußerst
unwahrscheinlich. Realistischer ist ein vorgezogenes Saisonende, wie schon
bei seinem Dauerrivalen Jonas Vingegaard, der ebenfalls gestürzt war.
Die Häufung dieser Vorfälle macht noch einmal deutlich, welche Risiken
diesem Ausdauersport innewohnen. Im Peloton selbst und auch im Tross wird
aber schnell auf Normalbetrieb umgeschaltet. „Dieser Tag wird immer mit
seinem Crash verbunden sein. Wir werden ihn in diesem Rennen vermissen“,
erklärte zwar van Aert. Er stieg dann aber zur Siegerehrung aufs Podest und
streifte sich das Grüne Trikot des Punktbesten über, das er sich dank
seiner Punkte in den Zwischensprints am Vortag von eben Pogačar geholt
hatte.
„Solche Unfälle passieren im Radsport. Es ist auch keiner schuld gewesen“,
bilanzierte UAEs Sportdirektor Matxin Fernandes. Und trotz seiner
momentanen Betroffenheit und großen Nähe zu seinem Schützling blickte der
Baske schon wieder auf die kommenden Tage voraus: „Es ist natürlich ein
schwerer Moment, aber es sollte auch Motivation für das Team geben. Tadej
hat natürlich viele Siege geholt. Aber das Team kann auch ohne ihn viele
Siege holen.“
Etappenjagd für UAE lautet nun das Motto. Und der Kampf um das Rote Trikot
ist auf einmal wieder offen. Beste Aussichten haben der ewige Zweite Enric
Mas (2018, 2021 und 2022 jeweils Zweiter, 2024 Dritter) und der diesjährige
Giro-Zweite Felix Gall aus Österreich. Aber auch für Routinier Primoz
Roglic ist trotz Trainingsunfall kurz vor der Vuelta die Tür plötzlich
wieder ein ganzes Stück weiter geöffnet für den fünften Rundfahrtsieg in
Spanien. Das hat es bislang noch nie gegeben.
30 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tom Mustroph
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