# taz.de -- EZB senkt die Zinsen: Dieser Schritt war überfällig
       
       > Mit der Zinswende senkt die EZB die Kosten für Schulden. Damit nimmt sie
       > Finanzminister Lindner ein Argument in der Debatte um die Schuldenbremse.
       
 (IMG) Bild: Christine Lagarde gibt auf einer Pressekonferenz die Verringerung der Zinsen für Geschäftsbanken bekannt
       
       Endlich: Die [1][Europäische Zentralbank (EZB)] hat die Zinswende
       eingeleitet. Ihr Rat beschloss, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25
       Prozent zu senken. Dieser Schritt war nicht nur erwartbar – die
       Notenbanker*innen ließen unlängst keine Möglichkeit aus, um ihn mal
       mehr und mal weniger offen anzukündigen. Dieser Zinsschritt war längst
       überfällig.
       
       Skeptiker*innen mahnen zwar, dass die Inflation noch nicht besiegt sei.
       Mit zuletzt 2,6 Prozent hat sich die Teuerung in der Eurozone aber schon
       erheblich normalisiert. Wer dies nicht sieht, ist vermutlich die niedrigen
       Raten aus den 2010er Jahren gewohnt. Damals warnten Ökonom*innen aber
       auch eher vor der Deflation, also sinkenden Preisen. Deswegen hat die EZB
       auch eine Inflation von 2 Prozent als Ziel. Und mit 4,25 Prozent ist der
       Leitzins weiterhin extrem hoch.
       
       Dabei ist der Effekt der Zinserhöhungen auf die Inflation seit dem Sommer
       2022 umstritten. Schließlich empfehlen sich hohe Zinsen als Mittel gegen
       die Inflation vornehmlich, wenn die Preise wegen einer heißgelaufenen
       Konjunktur angehoben werden. Doch die jetzige Inflationskrise hatte eine
       ganz andere Ursache: [2][Putins Angriff auf die Ukraine]. Dies trieb vor
       allem die Energie- und Nahrungsmittelpreise in die Höhe.
       
       Maßnahmen wie das 9-Euro-Ticket oder die Gaspreisbremse werden deswegen
       einen deutlich direkteren Effekt auf die Inflation gehabt haben als die
       Zinserhöhungen. Dafür kann man den negativen Effekt der hohen Zinsen auf
       die Konjunktur jetzt an jeder brachliegenden Baustelle sehen.
       
       Einer Person indes wird die Zinssenkung insgeheim nicht so ganz in den Kram
       passen: Mit dem Argument klammer Kassen kann [3][Finanzminister Christian
       Lindner] jetzt den Kürzungshammer schwingen und seinen Traum vom schlanken
       Staat Wirklichkeit werden lassen. Doch bedeuten niedrigere Zinsen, dass der
       Staat weniger Geld für seine Schulden ausgeben muss. Die EZB nimmt Lindner
       also gerade ein Argument, mit dem er sich gegen eine Aufweichung der
       Schuldenbremse wehrt.
       
       6 Jun 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /EZB-will-den-Leitzins-senken/!6011934
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
 (DIR) [3] /Christian-Lindner-zur-Finanzpolitik/!6011461
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Eurozone
 (DIR) Europäische Zentralbank
 (DIR) Geldpolitik
 (DIR) Inflation
 (DIR) Konjunktur
 (DIR) EZB
 (DIR) EZB
 (DIR) Michael Hüther
 (DIR) Griechenland
 (DIR) Inflation
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) EZB senkt die Zinsen: Zu wenig Geld und noch zu teuer
       
       Die EZB will Geld billiger machen und senkt deshalb den Leitzins. Die
       kränkelnde deutsche Wirtschaft heilt das noch nicht.
       
 (DIR) Zinswende im Euroraum: EZB fürchtet „holprigen Weg“
       
       Als erste große Notenbank weltweit wagt die Europäische Zentralbank eine
       Zinssenkung. Dennoch sieht sie Risiken für die Geldstabilität.
       
 (DIR) Ökonom Hüther über die Schuldenbremse: „Investieren in den Klimaschutz“
       
       Der Ökonom Michael Hüther fordert den Ausbau von Infrastruktur und eine
       Dekarbonisierung der Wirtschaft. Dafür müsse die Schuldenbremse ausgesetzt
       werden.
       
 (DIR) Griechenland nach der Finanzkrise: Kampf ums blaue Gold
       
       Die EU investierte Hunderte von Milliarden Euro in die griechische
       Wirtschaft. Mittlerweile erholt sie sich. Doch davon profitieren nicht alle
       gleich.
       
 (DIR) Inflation in Deutschland: Es normalisiert sich
       
       Die Kaufpreise steigen nicht mehr so rasant wie noch vor kurzem. Und doch
       profitieren nicht alle Menschen gleich von der abflauenden Inflation.