# taz.de -- EU-Klimaschutz: Emissionshandel füllt Staatskasse
       
       > Im Europäischen Emissionshandel steigen die Preise. Das macht sich in der
       > deutschen Staatskasse bemerkbar. Dort werden Rekordeinnahmen erwartet.
       
 (IMG) Bild: Lange war er zahnloser Tiger, jetzt hat der EU-Emissionshandel immerhin einen moderaten Biss
       
       Berlin taz | Der Jubel bei Klimaschützer:innen war so groß wie wohl
       der Frust bei Vattenfall: Nach nur sechs Jahren nahm der Energiekonzern
       sein praktisch neues Kohlekraftwerk Moorburg im Juli [1][endgültig vom
       Netz]. Die versprochene staatliche Entschädigung dürfte die Entscheidung
       erleichtert haben. Allerdings lohnt sich die klimaschädliche Kohlekraft
       schlicht auch immer weniger. Das liegt unter anderem daran, dass der
       Europäische Emissionshandel endlich relevante Kosten für die
       Kohlewirtschaft verursacht.
       
       Zugleich heißt das: Einnahmen für die Staatskassen. Deutschland hat durch
       die Versteigerungen von europäischen CO2-Zertifikaten schon im ersten
       Halbjahr knapp 2,4 Milliarden Euro verdient, die in einen Energie- und
       Klimafonds der Bundesregierung fließen. Das hat die Deutsche
       Emissionshandelsstelle am Montag [2][mitgeteilt].
       
       Es ist zu erwarten, dass der Emissionshandel Deutschland 2021 so hohe
       Einnahmen beschert wie noch nie. Der bisherige Rekord stammt von 2019 und
       lag bei 3,2 Milliarden Euro.
       
       Nun sind steigende Einnahmen aus dem Emissionshandel ein zweischneidiges
       Schwert. Sie können schließlich auch dadurch zustande kommen, dass es mehr
       klimaschädliche Emissionen gibt – was dann genau das Gegenteil dessen wäre,
       was der Handel erreichen soll.
       
       ## Der CO2-Preis steigt
       
       Die vergleichsweise geringen Einnahmen von insgesamt 2,7 Milliarden Euro
       2020 sind umgekehrt auf einen Klimaschutz-Erfolg zurückzuführen. Durch die
       Coronapandemie stand die Wirtschaft teils still und verbrauchte deshalb
       wenig Energie. Der aktuelle Anstieg hat aber auch mit der Entwicklung der
       Preise für CO2 zu tun.
       
       Ein Zertifikat, das zum Ausstoß einer Tonne CO2 berechtigt, kostet aktuell
       fast 55 Euro. Vor einigen Jahren war es wegen eines massiven Überangebots
       von Zertifikaten für unter 5 Euro zu haben, im vergangenen Jahr für
       durchschnittlich 25 Euro.
       
       Der Europäische Emissionshandel betrifft nur Industrie und
       Energiewirtschaft. Seit Anfang des Jahres erhebt Deutschland aber auch
       einen eigenen CO2-Preis, [3][der beim Heizen und Tanken anfällt]. Das wird
       die Einnahmen aus dem europäischen System in diesem Jahr wohl deutlich
       übertreffen. Das Bundesfinanzministerium erwartet Erlöse von rund 7,4
       Milliarden Euro.
       
       2 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hamburger-Kraftwerk-Moorburg-vom-Netz/!5780746
 (DIR) [2] https://www.dehst.de/SharedDocs/downloads/DE/versteigerung/2021/2021_Bericht_Q2.pdf?__blob=publicationFile&v=2
 (DIR) [3] /Klimaschutz-und-soziale-Gerechtigkeit/!5783176
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Schwarz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Emissionshandel
 (DIR) CO2-Kompensation
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Gas
 (DIR) Podcast „klima update°“
 (DIR) Klimaneutralität
 (DIR) Emissionshandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Emissionshandel in der EU: Der Wasserbett-Effekt
       
       Der CO2-Emissionshandel gilt in der EU ab 2027 auch für Gebäude und
       Verkehr. Das Konzept hat aber viele Mängel, vor allem die Preisobergrenze
       ist viel zu niedrig.
       
 (DIR) Kosten fürs Autofahren: Tankstellen müssen Vergleich zeigen
       
       Von Oktober an soll ein Kostenvergleich Klarheit bringen. Kunden sollen
       sehen, was das Fahren mit Strom, Gas oder Sprit je 100 Kilometer kostet.
       
 (DIR) taz-Podcast „klima update°“: Die Klima-News der Woche
       
       Deutschland kämpft mit den Folgen des Starkregens. Die USA haben ihren
       Widerstand gegen Nord Stream 2 aufgegeben. China hat einen Emissionshandel.
       
 (DIR) Emissionshandel in China: Erster Schritt zur Klimaneutralität
       
       China führt den weltweit größten Emissionshandel ein. Das System hat zwar
       Schwachstellen, doch ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit ist unübersehbar.
       
 (DIR) EU-Sondergipfel zum Emissionshandel: Grüne gegen EU-Kommission
       
       In Brüssel gibt es Streit über das Emissionshandelssystem. Die EU will
       Verkehr und Gebäude einbeziehen, die Grünen fordern nationale Maßnahmen.