# taz.de -- Deutsche Wirtschaft nach Corona: Der Absturz
       
       > In einem nie da gewesenen Ausmaß ist die deutsche Wirtschaft im zweiten
       > Quartal eingebrochen. Die USA trifft es ähnlich schlimm.
       
 (IMG) Bild: Wegen Corona nix los auf Berlins berühmtem Einkaufsboulevard Ku'damm
       
       Berlin taz | Dass die Wirtschaft einbrechen würde, damit hatten alle
       Ökonomen gerechnet. Dass der Einbruch so heftig ausfällt, hat manche doch
       überrascht. Laut Daten des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag ist die
       deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal [1][um 10,1 Prozent im Vergleich zum
       Vorquartal geschrumpft]. Analysten hatten mit einem Minus von 9 Prozent
       gerechnet. Dabei war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal
       bereits um 2,2 Prozent eingebrochen.
       
       „Was bislang weder Börsencrashs noch Ölpreisschocks geschafft haben,
       vollbrachte ein 160 Nanometer kleiner Winzling namens Corona“, kommentiert
       DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle die Zahlen. Er spricht von einer
       „Jahrhundertrezession“. Tatsächlich wurde ein so heftiger Einbruch der
       Wirtschaft in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht registriert.
       Selbst während der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise schrumpfte die
       deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2009 „nur“ um 4,7 Prozent.
       
       Die aktuelle Krise trifft so ziemlich alle Branchen. Der Außenhandel war
       schon im ersten Quartal deutlich zurückgegangen. Damals hatte die Pandemie
       vor allem China und Italien zugesetzt, beides wichtige Absatzmärkte für
       deutsche Exporteure. Im April und Mai verschlimmerte sich die Lage noch,
       als das Virus fast alle großen Volkswirtschaften erfasste. Nicht zuletzt
       deswegen hielten sich Unternehmer mit Investitionen in Ausrüstungen im
       zweiten Quartal zurück. Nur der Staat erhöhte seine Ausgaben.
       
       Anders als in der Finanzkrise von 2009 entfällt diesmal zudem der Konsum
       als wichtige Konjunkturstütze. Er ist im zweiten Quartal um rund 20 Prozent
       abgesackt. „Ja, wo hätte es auch herkommen sollen, die Läden waren ja
       geschlossen“, stellt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg fest.
       Im April hatten von Kneipen bis Autohäuser nahezu alle Gewerbe und
       Geschäfte zu. Und auch im Mai und Juni trauten sich viele Menschen nicht in
       die Geschäfte, sondern blieben lieber zu Hause. Der Onlinehandel konnte
       zwar zulegen, den Umsatzeinbruch im stationären Handel aber nicht
       ansatzweise auffangen.
       
       ## Bangen vor dem Herbst
       
       Für die zweite Jahreshälfte erwartet Analyst Burkert zwar eine Erholung der
       Wirtschaft. Wie kräftig diese ausfallen wird, hängt ihm zufolge jedoch
       weniger von der Wirtschaftspolitik ab, sondern von der weiteren Entwicklung
       der Infektionszahlen. Burkert rechnet damit, dass selbst im besten Fall –
       sprich ohne zweiten Lockdown – es einige Quartale dauern wird, bis der
       Verlust an Wirtschaftsleistung wieder aufgeholt ist. Alexander Krüger vom
       Bankhaus Lampe warnt ebenfalls vor zu großer Zuversicht: „Nach wie vor
       bestehen hohe Gefahren durch Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste, der
       USA-China-Konflikt kommt erschwerend hinzu.“
       
       Dramatisch ist auch der [2][Einbruch bei der Deutschen Bahn (DB).] Der
       Staatskonzern fuhr im ersten Halbjahr einen Nettoverlust in Höhe von 3,7
       Milliarden Euro ein. Die Fahrgastzahl sank um 37 Prozent auf 663 Millionen
       Reisende, der Umsatz ging um knapp 12 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro
       zurück. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bahn noch 205 Millionen Euro Gewinn
       erwirtschaftet. Konzernchef Richard Lutz sprach von der „schlimmsten
       finanziellen Krise seit ihrem Bestehen“.
       
       Keine guten Nachrichten kamen gestern auch aus den USA, einem der
       wichtigsten Handelspartner: Dort brach die Wirtschaftsleistung im zweiten
       Quartal ebenfalls massiv ein. Nach der in Europa gebräuchlichen
       Berichtsweise im Quartalsvergleich entspricht das Minus des US-BIP
       ebenfalls etwa 10 Prozent. Anders als in Deutschland tobt die Pandemie dort
       derzeit aber noch.
       
       30 Jul 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/07/PD20_287_811.html
 (DIR) [2] /Deutsche-Bahn-in-der-Coronakrise/!5685222/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Lee
       
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