# taz.de -- Coronakrise in Frankreich: Geleerte Straßen in Paris
       
       > Nur wer dringend notwendige Besorgungen machen muss, darf in Frankreich
       > noch auf die Straße. Die Polizei soll ab jetzt Passanten kontrollieren.
       
 (IMG) Bild: Die letzten Stunden auf der Straße: Grundlose Spaziergänge sind ab jetzt verboten
       
       Paris taz | Ab zwölf Uhr am Mittag sind in Frankreich die neuen
       [1][Ausgangsbeschränkungen] in Kraft getreten. Jetzt darf nur auf die
       Straße hinaus, wer unbedingt notwendige Lebensmittel oder Medikamente
       einkaufen, zum Arzt gehen oder einer betagten oder bedürftigen Person
       helfen muss. Dafür muss man bei einer Kontrolle eine handschriftlich
       ausgefüllte Bescheinigung vorweisen können. Wer nicht von zu Hause aus
       arbeiten kann – dafür gibt’s auf Französisch das Wort „télétravail“ –, muss
       jedoch weiterhin zur Arbeit, sofern das Büro, Geschäft oder Unternehmen
       geöffnet ist. Darum fahren auch weiterhin die Busse und die meisten
       Metrolinien.
       
       Am Mittag leeren sich die Straßen von Paris fast schlagartig. Von den
       Kontrollen durch die vom Innenminister aufgebotenen 100.000 Beamten der
       Polizei und Gendarmerie ist im Pariser Quartier des 7. Arrondissements
       allerdings zunächst nichts zu bemerken.
       
       Was auffällt und ein wenig schockiert, ist die große Zahl von Passanten,
       die eine Atemmaske tragen, wenn sie sich denn auf die Straße trauen – vor
       allem wenn man dabei bedenkt, dass Ärzte, Zahnärzte und Pfleger beklagen,
       dass sie keine Schutzmasken erhielten.
       
       Eric Caumes vom Krankenhaus La Pitié-La Salpétrière empört sich über
       gewisse Landsleute: „Hört auf, in den Krankenhäusern Masken zu stehlen!
       Diese werden vom medizinischen Personal benötigt. Es geht dabei um euer
       Leben und das eurer Mitbürger“, warnte er im Fernsehen. Eine gute Nachricht
       gab es auch: Ein Kosmetikkonzern stellt statt Schönheitscrème kostenlos
       zwölf Tonnen Desinfektionsgel her.
       
       Lange Schlangen vor Geschäften 
       
       Vor einem Postamt an der Rue Cler, unweit des Eiffelturms, stehen kurz vor
       Beginn der Ausgangssperre die Kunden in einer fast einhundert Meter langen
       Warteschlange mit dem vorgeschriebenen Abstand von mindestens einem Meter
       an. Nur drei Personen dürfen gleichzeitig das Amt betreten. Vor einer
       Apotheke an der Avenue La Motte-Piquet warten die Menschen geduldig und oft
       mit einem ärztlichen Rezept in der Hand darauf, an die Reihe zu kommen. Die
       Apothekerin trägt jetzt erstmals eine Schutzmaske – so wie auch die
       Verkäuferin in der Bäckerei.
       
       Im Supermarkt Franprix hat sich das Personal ebenfalls mit Masken
       ausgerüstet. Wie schon seit Tagen kaufen die Leute so viel haltbare
       Esswaren, Hygieneartikel und Sixpacks Mineralwasser, wie sie nur tragen
       können. Dabei ist die Nachschublieferung am Morgen ganz wie üblich
       angekommen.
       
       Der Kontrast zu den Bildern vom Wochenende ist mehr als deutlich. Am
       Sonntag gingen die [2][Französinnen und Franzosen wählen], sie beachteten
       dabei diszipliniert die Sicherheitsvorkehrungen.
       
       Dass Präsident Emmanuel Macron bei seiner Fernsehansprache vom Montag von
       einem „Krieg“ mit einem unsichtbaren Feind gesprochen hatte, den es zu
       gewinnen gelte, hat nicht unbedingt die Angst vor dem Virus besänftigen
       können. Noch am Dienstag versuchten viele Hauptstadtbewohner, oft in
       krasser Missachtung der Vorsichtsregeln, im Bahnhof Montparnasse einen Zug
       in die Provinz zu besteigen.
       
       17 Mar 2020
       
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