# taz.de -- Bezirksratswahlen in Hongkong: Chance für eine Deeskalation
       
       > Das Wahlergebnis in Hongkong zeigt: Die Bevölkerung steht noch hinter der
       > Demokratiebewegung. Das ist Chance und Herausforderung zugleich.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer:innen von Kelvin Lam, Kandidat des pro-demokratischen Lagers, freuen sich
       
       Seit Sonntag haben die Hongkonger empirisch per Wahlurne belegt: Der
       Großteil von ihnen steht [1][nach wie vor hinter dem prodemokratischen
       Lager] – trotz der steigenden Gewalt auch seitens der Protestbewegung.
       Viele der Behauptungen Pekings sind durch die Kommunalwahlen widerlegt,
       etwa dass es sich bei den Demonstranten um vom Ausland finanzierte
       Randalierer handele.
       
       Für Hongkongs Verwaltungschefin Carrie Lam sollte das eindeutige
       Wahlergebnis eine letzte Warnung sein, auf die fünf Forderungen der
       Demokratiebewegung zumindest zuzugehen. Einige von ihnen scheinen utopisch
       und nicht mit einem Rechtsstaat vereinbar, etwa eine vollständige Amnestie
       für verurteilte Aktivisten, unter denen sich auch einige radikale
       Gewalttäter befinden. Das Hauptziel sollte jedoch [2][die Forderung nach
       freien Wahlen] der Hongkonger Regierung sein.
       
       Insofern bietet sich dieser Tage eine seltene Chance, die gewaltsamen
       Ausschreitungen der letzten Wochen politisch zu lösen. Wenn die
       Demonstranten ihre Forderungen auf rechtsstaatlichem Wege einbringen
       können, dann werden sie nicht mehr schwarz [3][vermummt mit
       Molotowcocktails] auf die Straßen ziehen.
       
       Für die Demokratiebewegung werden die nächsten Monate vor allem
       herausfordernd: Politisch unerfahrene, oftmals gerade aus der Universität
       kommende Kandidaten haben die Sitze langgedienter Politprofis erobert. Sie
       müssen nun beweisen, dass sie auch in der Realpolitik funktionieren können.
       
       Ebenso sollten sie sich den wirtschaftlichen Übeln Hongkongs widmen, die
       bei der Protestbewegung eine womöglich ebenso große Rolle gespielt haben
       wie die befürchtete Einflussnahme durch Peking. Die Ungleichheit innerhalb
       der Bevölkerung ist massiv, Wohnungen sind absurd teuer, viele junge
       Menschen sind ohne Perspektive.
       
       Die vielleicht erfreulichste Nachricht von Sonntag bleibt jedoch unabhängig
       vom Wahlergebnis: Seit über drei Tagen ist es in diesem blutigen Konflikt
       ausnahmslos ruhig geblieben.
       
       25 Nov 2019
       
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 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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