# taz.de -- Anschlag auf Sikh-Gebetshaus in Essen: Zunächst nur „Spaß am Böllern“?
       
       > Im April legten drei Jugendliche eine Rohrbombe vor einer Sikh-Gemeinde
       > in Essen. Am Mittwoch beginnt das Strafverfahren vor dem Landgericht.
       
 (IMG) Bild: Ein Prediger vor dem zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses
       
       Essen taz | Der Verfassungsschutz hatte sie auf dem Schirm, durfte
       Jugendliche damals aber nur bei konkreter Gefahr für Leib und Leben
       erfassen. Auch der Staatsschutz kannte die Jungs schon.
       
       In dem Sikh-Gebetshaus in Essen war kurz vor der Explosion eine Hochzeit
       gefeiert worden. Der Priester, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt,
       wurde schwer verletzt, zwei weitere Gemeindemitglieder erlitten leichtere
       Verletzungen.
       
       Yusuf T. aus Gelsenkirchen, Mohammed B. aus Essen und Tolga I. aus
       Schermbeck, zur Tatzeit 16 und 17 Jahre alt, sind wegen Mordversuchs,
       Körperverletzung und Sprengstoffverbrechens angeklagt. Der Strafrahmen für
       Mordversuch sieht im Jugendstrafrecht Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren
       vor. Mit Bildern aus Überwachungskameras fahndete die Polizei nach den
       Teenagern. Yusuf T.s Eltern überzeugten ihren Sohn, sich zu stellen, und
       brachten ihn zur Wache. Die beiden anderen wurden von SEK-Kommandos
       festgenommen.
       
       Zunächst sollen die drei als Motiv „Spaß am Böllern“ genannt haben. Sie
       bestellten Chemikalien und Zünder im Internet, füllten damit Feuerlöscher
       und machten im Januar 2016 zwei Probesprengungen, so die Anklage. Im April
       legten sie den Sprengsatz vor das Gemeindezentrum.
       
       ## WhatsApp-Gruppe wollte „Ungläubige toten“
       
       Die Ermittler glauben, dass die Jugendlichen in einem organisatorischen
       Zusammenhang mit dschihadistischen Kreisen im Ruhrgebiet stünden,
       berichtete Spiegel Online. Tolga I. hat Kontakte zur sogenannten Lohberger
       Brigade und durfte nicht ausreisen. Sie trafen sich in einer Essener
       Dschihadistenmoschee.
       
       Das Interesse für den Islam begann mit 13, 14 Jahren, die Radikalisierung
       folgte schnell. Yusuf T., der Hauptangeklagte, bekam deswegen einen
       Schulverweis. In der neuen Schule betete er auf dem Hof, verteilte Korane
       und prahlte mit dem Besitz von Faustfeuerwaffen. Im Internet dozierte er
       über islamische Glaubensfragen. Dabei hatte der Teenager eine Menge
       „Follower“, vor allem junge Mädchen himmelten ihn an.
       
       Die Teenager lernten sich in sozialen Netzwerken kennen und bildeten eine
       WhatsApp-Gruppe, die „Ungläubige töten“ wollte. T.s Mutter hatte einige
       Tage vor dem Anschlag die Polizei vergeblich über die Gefahr informiert,
       die von der Gruppe ausging.
       
       T.s Anwalt Rudolf Benecken erklärt, die U-Haft beeindrucke seinen Mandanten
       stark, er habe sich vom Islamismus losgesagt und werde im Prozess aussagen.
       In einem Brief habe er die Opfer der Explosion um Verzeihung gebeten und
       Schadensersatz angeboten.
       
       Vor einigen Tagen titelte [1][Bild online mit einem Kassiber von Mohammed
       B. an Yusuf T]. Darin frage Mohammed Yusuf, ob die Scharia erlaube, Kinder
       der Feinde etwa mit vergiftetem Eis zu töten und anschließend einen
       Selbstmordanschlag im Kindergarten zu verüben. Und er habe Yusuf T.
       aufgefordert, ihm im Gefängnis ein Handy zu besorgen und habe ihm Namen und
       Telefonnummern potenzieller Helfer übermittelt.
       
       7 Dec 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.bild.de/bild-plus/news/inland/isis-terroristen/terrorist-will-kindergarten-sprengen-48992668,view=conversionToLogin.bild.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Annette Hauschild
       
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