# taz.de -- Änderung des Arbeitszeitgesetzes: Was ist das für eine Solidarität?
       
       > Längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhezeiten für Menschen in
       > systemrelevanten Berufen – so ein Entwurf des Arbeitsministeriums für die
       > Corona-Zeit.
       
 (IMG) Bild: Systemrelevant: Die Mitarbeiterin eines Supermarktes
       
       Außerordentliche Zeiten ermöglichen außerordentliche Maßnahmen. So
       [1][berichtet das Handelsblatt darüber], dass laut einem Referentenentwurf
       des Bundesarbeitsministeriums die Arbeitszeit in bestimmten
       systemrelevanten Berufen auf zwölf Stunden ausgedehnt werden soll. Es gehe
       um längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhezeiten und Arbeit an Sonn- und
       Feiertagen unter anderem für Beschäftige im Bereich der Produktion,
       Verpackung und Einräumen von Waren des täglichen Bedarfs, Arzneimitteln und
       Medizinproduktion. Auch von der Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens und
       der pflegerischen Versorgung ist die Rede. Gegenüber der taz wollte das
       Arbeitsministerium den Entwurf weder bestätigen noch dementieren.
       
       Das wäre tatsächlich eine besonders außerordentliche Maßnahme: „Acht
       Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und
       Erholung“, forderte der walisische Sozialreformer Robert Owen zu Beginn des
       19. Jahrhunderts, mitten in der industriellen Revolution, die nicht nur
       produktiven Fortschritt, sondern auch ungemeine soziale Verwerfungen und
       Elend mit sich brachte.
       
       In Deutschland wurde der Achtstundentag 1918 eingeführt, im
       Nationalsozialismus wurde er faktisch verworfen, heute steht er im
       Arbeitszeitgesetz. Und er steht nicht erst seit Corona unter Beschuss.
       Arbeitgeber*innen rufen nach Flexibiliserung der Arbeitszeit und auch die
       Digitalisierung weicht die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit
       zunehmend auf. Dass die Bestimmung, die ein [2][Mindestmaß an Leben
       jenseits von Lohnarbeit] garantiert, bedroht ist, zeigt auch der Blick in
       andere Länder: In Österreich wurde die Möglichkeit eines
       [3][Zwölfstundentagen bereits 2018 eingeführt].
       
       Diese Maßnahme muss deshalb vernünftig erwogen und gesellschaftlich
       debattiert werden – auch wenn man schon vorher feststellen kann, dass sie
       nicht im Sinne von Arbeitnehmer*innen ist. Dabei sollte auch die [4][Zeit
       nach Corona] bedacht werden: Was bedeutet es für die Zeit nach der Krise,
       wenn in der Krise der Zwölfstundentag eingeführt wird? Und: Wie kann von
       Solidarität die Rede sein, wenn einerseits Unternehmen mit Steuergeldern
       gestützt werden, andererseits Supermarktmitarbeiter*innen, die ohnehin
       schon am Limit arbeiten, noch weiter ausgequetscht werden sollen?
       
       7 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arbeitszeitgesetz-bundesregierung-ermoeglicht-waehrend-der-coronakrise-zwoelf-stunden-arbeitstage/25719606.html
 (DIR) [2] /Arbeitszeit-in-Schweden/!5459426
 (DIR) [3] /Neues-Arbeitszeitgesetz-in-Oesterreich/!5517127
 (DIR) [4] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Volkan Ağar
       
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