# taz.de -- Greenpeace warnt vor Rechenzentren: Mega-Datenfabriken verursachen Mega-Wasserstress
> Einige geplante Rechenzentren in Deutschland könnten so viel Wasser wie
> eine Kleinstadt verbrauchen, warnt Greenpeace. Das gefährde die
> Versorgung.
(IMG) Bild: Schlucken mehr Wasser als alle Nerds zusammen: Rechenzentren
Große Rechenzentren können in trockenen Regionen Deutschlands zu
Wasserstress führen. Laut einer [1][Kurzstudie des Öko-Instituts] im
Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace verbrauchten die hiesigen
Serverfarmen im Jahr 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung. Bis
2030 könnte dieser Bedarf durch neue Mega-Datenfabriken auf bis zu 27
Milliarden Liter pro Jahr anwachsen – was dem Trinkwasserverbrauch einer
Großstadt mit rund 580.000 Einwohnern entspricht, etwa so viel wie Essen.
„Das kann lokal durchaus desaströse Effekte haben“, sagt
Greenpeace-Expertin Linda Klapdor der taz. Bereits im vergangenen,
besonders heißen und trockenen Sommer habe es in einigen Kommunen
Beschränkungen der Wassernutzung und historische Tiefstände in Flüssen und
Seen gegeben. Greenpeace fordert von der Bundesregierung verpflichtende
Wassergutachten vor Genehmigungen, ein Verbot wasserintensiver Anlagen in
Trockengebieten und konsequente Sanktionen bei Verstößen gegen behördliche
Meldepflichten.
Die Bundesregierung plant bis 2030 eine Verdoppelung der
Rechenzentrums-Kapazitäten in Deutschland. Während bisherige Anlagen meist
weniger als 5 Megawatt Anschlussleistung haben, entstehen nun Anlagen mit
über 1 Gigawatt, mehr als 200-mal so viel. In Deutschland sind aktuell
knapp 30 Riesenprojekte mit mehr als 100 Megawatt Serverleistung in
Planung.
Die Studie modelliert deren jährlichen Wasserbedarf auf jeweils bis zu 930
Millionen Liter pro Jahr, etwa den Trinkwasserverbrauch einer Kleinstadt
mit 20.000 Menschen. In bereits trockenen Regionen könnten die neuen
Datenfabriken „akuten Grundwasserstress, Verteilungskonflikte mit
steigenden Belastungen für die Menschen in den betroffenen Gemeinden und
Schäden am lokalen Ökosystem verursachen“, heißt es in der Studie.
Problematisch sei zudem der hohe Strombedarf.
## Digitalwirtschaft hält Wasserverbrauch für „sehr gering“
Diese Berechnungen stehen im Kontrast zur Darstellung der
Digitalwirtschaft. Der Branchenverband Bitkom hatte den Wasserbedarf von 65
Prozent der deutschen Rechenzentren jüngst als „sehr gering“ eingestuft.
Fast zwei Drittel der hiesigen Anlagen verbrauchten maximal 0,1 Liter
Wasser pro Kilowattstunde IT-Stromverbrauch, heißt es in einer in dieser
Woche erschienenen [2][Bitkom-Untersuchung].
Das Öko-Institut kommt nach der Bereinigung von zum Teil unvollständigen
Datensätzen aus dem behördlichen Rechenzentrumsregister hingegen auf einen
gewichteten Mittelwert von 0,67 Liter Wasser pro Kilowattstunde
IT-Stromverbrauch. Bereits der aktuelle Jahresverbrauch deutscher
Rechenzentren von 13 Milliarden Litern entspreche dem Wasserinhalt des
Berliner Wannsees.
„Das Problem ist die fehlende Transparenz der Betreiber“, erklärt Klapdor
die unterschiedliche Darstellung. Weniger als die Hälfte der rund 1.200
meldepflichtigen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland hätten überhaupt
Daten an die Behörden geliefert, nur 139 Meldungen seien für die Studie
verwertbar gewesen. Auch laut Bitkom erklären sich die unterschiedlichen
Werte „möglicherweise durch die unterschiedlichen Berechnungsansätze und
die zugrunde liegende Datenbasis“, heißt es in einer Stellungnahme für die
taz.
Zudem widerspricht Greenpeace einem zentralen Argument der Betreiber,
wonach niedriger Stromverbrauch technisch zwangsläufig durch einen höheren
Wassereinsatz erkauft werden müsse. In der Praxis lasse sich kein
statistischer Zusammenhang zwischen Strom- und Wassereffizienz nachweisen.
Eine hohe Energieeffizienz könne komplett ohne Wasserkühlung realisiert
werden. Eine moderne Trocken- oder Kompressionskühlung könne den
Wasserverbrauch der Serverfarmen sogar vollständig auf null senken.
## Börsen brechen nach Ankündigung von Bernie Sanders ein
Während es in Deutschland erst wenige Proteste gegen neue Datenzentren
gibt, waren sie in den USA eines der wichtigen Themen im Wahlkampf zu den
Midterms. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten [3][Umfrage von
Nachrichtenagenturen] waren für 56 Prozent der Wähler*innen die Themen
Datenzentren und künstliche Intelligenz ein entscheidender Faktor für ihr
Votum. Viele demokratische Kandidaten warben damit, den Bau von
Rechenzentren stärker zu regulieren. In drei der Bundesstaaten, die die
Demokraten den Republikanern bei den Senatswahlen abgenommen haben, gibt es
besonders viele geplante Datenzentren: Texas, Ohio, Iowa.
In den USA sind sie nicht nur wegen ihres hohen Energie- und
Flächenverbrauchs umstritten, sondern auch wegen der Luftverschmutzung. Aus
Mangel an Netzkapazitäten bauten die Betreiber vielfach Gaskraftwerke zur
Stromversorgung in die Nähe.
Das hat auch einen negativen Klimaeffekt. Nach einer [4][Untersuchung der
Umweltorganisation Sierra Club] verursacht die Energieerzeugung für die
derzeit in den USA bis 2030 geplanten Datenzentren 618 Millionen Tonnen
CO2. Zum Vergleich: Deutschland verursachte im vergangenen Jahr 649
Millionen Tonnen. Vielerorts scheiterten US-Rechenzentrumsprojekte an
örtlichen Protesten der Bevölkerung, allein 45 waren es im zweiten Quartal
2026.
Unter anderem die Forderung des demokratischen Senators Bernie Sanders nach
einem US-weiten Moratorium für den Bau von Rechenzentren sorgte am
Donnerstag und Freitag für Unruhe an den Börsen weltweit. Vielerorts
brachen Aktien rund um die Chipbranche ein, die als Profiteure des KI-Hypes
gelten.
Das war auch in Deutschland zu spüren. Der deutsche Leitindex DAX sackte am
Freitag um 2,3 Prozent auf 25.706 Punkte ab. In Japan brach der
Nikkei-Index in der Spitze um 7 Prozent ein, in den USA war der Index der
Technologiebörse Nasdaq am Donnerstag um 5,5 Prozent abgestürzt. „Die Angst
vor einer rigorosen KI-Regulierung nach dem Erdrutschsieg der US-Demokraten
löste an der Wall Street und in Asien regelrechte Panik aus“, sagte ein
Analyst zur Nachrichtenagentur Reuters. Bereits im Vorfeld der Wahlen
hätten KI-Aktien an Anziehungskraft verloren.
6 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.greenpeace.de/publikationen/Kurzstudie_Wasserverbrauch_deutsche_Rechenzentren.pdf?utm_campaign=climate-emergency&utm_source=www.greenpeace.de&utm_medium=referral&utm_content=press-release&utm_term=rechenzentren
(DIR) [2] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/KI-Boom-treibt-Rechenzentren-in-Deutschland
(DIR) [3] https://www.bbc.com/news/articles/crvg9yyz5437o
(DIR) [4] /Klimakiller-Rechenzentren/!6226635
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Wasserversorgung
(DIR) Greenpeace-Studie
(DIR) Greenpeace
(DIR) Wasser
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Digitalgipfel der Bundesregierung: Wo Deutschland mit KI punkten kann
Mit ihrem KI-Gipfel will die Bundesregierung für Schwung in der Branche
sorgen. Expert:innen raten Deutschland allerdings von einem Wettrennen
ab.
(DIR) Klimakiller Rechenzentren: Hohe CO₂-Emissionen durch Datenzentren in den USA
Der Strom für neue Computeranlagen in den USA kommt oft aus Gaskraftwerken.
Die Emissionen steigen dadurch stark, zeigt eine Untersuchung.