# taz.de -- Palästinenser:innen in Deutschland: Die größte palästinensische Diaspora Europas
> In den letzten 20 Jahren kamen etwa 56.000 asylsuchende
> Palästinenser*innen nach Deutschland. Über ihre Lebensrealitäten
> weiß man wenig.
(IMG) Bild: Deutschland ist die Heimat der größten palästinensische Diaspora in Europa
Seit 2005 haben etwa 56.000 Palästinenser*innen in Deutschland einen
Asylantrag gestellt. Das ergab eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im
Bundestag, die der taz vorliegt. Fast die Hälfte von ihnen kam demnach in
den Jahren 2014 und 2015 nach Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass
viele dieser Palästinenser*innen aus Syrien nach Deutschland kamen
und dort bereits als Geflüchtete gelebt hatten.
Im Durchschnitt waren die Asylsuchenden 22,5 Jahre alt – 21.000 von ihnen
waren bei ihrer Ankunft in Deutschland minderjährig. Es kamen etwa doppelt
so viele Männer wie Frauen. Über die Lebensgeschichten der in Deutschland
lebenden Palästinenser*innen ist dabei recht wenig bekannt.
„Offizielle Daten sind lückenhaft, weil viele als Folge der Nakba
staatenlos sind oder die Staatsbürgerschaft eines anderen Staates haben“,
sagt Clara Bünger von der Linken der taz. Als Nakba bezeichnet man die
Flucht und Vertreibung der Palästinenser*innen im ersten Nahostkrieg
1948 und während der Staatsgründung von Israel.
Bei 32.000 der 56.000 Asylsuchenden war die Staatsangehörigkeit ungeklärt.
Etwa 10.000 weitere waren staatenlos. Nach der Staatsgründung Israels waren
Hunderttausende Palästinenser*innen nach Syrien, in den Libanon und
andere angrenzende Nachbarländer geflohen. Dort erhielten sie jedoch meist
keine Staatsbürgerschaft und auch ihre Kinder und Enkel blieben
Geflüchtete.
Aus den palästinensischen Gebieten Gaza und Westjordanland kamen nur etwa
3.000 der Antragsteller nach Deutschland. 55 Prozent ihrer Asylanträge
wurden bewilligt. Die Quote lag allerdings deutlich höher, wenn die
Asylsuchenden nicht direkt aus den palästinensischen Gebieten kamen. Die
Anträge von anerkannten Staatenlosen wurden sogar in 90 Prozent der Fälle
bewilligt. Im Durchschnitt wurden seit 2005 etwa 80 Prozent der gestellten
Asylanträge bewilligt.
## Größte Diaspora in Europa
Seit 2024 gab es laut der kleinen Anfrage 21 Abschiebungen von
Palästinenser*innen, davon 13 nach Griechenland. Weitere Abschiebungen
gingen nach Rumänien, Frankreich, Italien und Nordmazedonien. Alle bis auf
1 Abschiebung erfolgten im Rahmen des Dublin-Abkommens, wonach Geflüchtete
in dem europäischen Land Asyl beantragen müssen, in das sie zuerst
eingereist sind. Im gleichen Zeitraum wurden 51 Personen ausgewiesen – alle
bis auf 3 haben Deutschland inzwischen verlassen. [1][Zuletzt waren die
Asylzugänge generell stark zurückgegangen.]
Dazu, wie viele Palästinenser*innen tatsächlich in Deutschland leben,
gibt es keine verlässlichen Zahlen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland
schätzt, dass es zwischen 175.000 und 225.000 Menschen sind – damit wäre
Deutschland das Land mit den meisten palästinensischen Geflüchteten in
Europa. Trotzdem drehen sich öffentliche Debatten meist um extremistische
Einzelfälle.
„Palästinenserinnen und Palästinenser werden in der politischen und
medialen Debatte oft pauschal kriminalisiert und unter Gewalt- und
Terrorverdacht gestellt“, sagt Bünger. [2][Das gelte insbesondere seit dem
Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023.] „Legitime und überwiegend
friedliche Proteste gegen den Genozid in Gaza wurden regelmäßig von der
Polizei zusammengeknüppelt“, sagte sie.
Zahlen zu rassistischen Vorfällen gegen Palästinenser*innen in
Deutschland lagen der Bundesregierung nicht vor. „Die Bundesregierung
glänzt mit Desinteressse“, sagte Bünger dazu. Sie fordert ein Ende des
pauschalisierenden Blicks auf die palästinensische Community in
Deutschland. Stattdessen brauche es eine differenzierte Auseinandersetzung
mit ihren Perspektiven, ihrem Schmerz und ihren Interessen.
6 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Simbürger
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(DIR) Flüchtlinge
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