# taz.de -- Tigerenten-Schöpfer Janosch ist tot: Oh, wie traurig ist Panama
       
       > Was braucht man zum Glück? Freunde, Humor und Zufriedenheit, finden Tiger
       > und Bär. Nun ist ihr Schöpfer Janosch im Alter von 95 Jahren gestorben.
       
 (IMG) Bild: Janosch ist tot. Erinnern wir uns heute und aller Tage: „Wenn man einen Freund hat, … braucht man sich vor nichts zu fürchten.“
       
       dpa | Was wohl Tiger und Bär getan hätten? Sie hätten [1][Janosch] bis
       zuletzt liebevoll umsorgt, ihm Bouillon mit Mohrrüben aus dem Garten
       gekocht und zum Nachtisch frisch gepflückte Waldbeeren ans Bett gebracht.
       Und nach seinem Tode hätten sie geweint, verzweifelt erst, um sich später
       mit Geschichten und Erinnerungen zu trösten. Nun ist es so weit: Am
       Dienstag ist der Schriftsteller und Maler mit dem Künstlernamen Janosch im
       Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben, wie sein Tübinger Verleger
       Bernhard Feil im Auftrag der Frau des Künstlers der dpa mitteilte.
       
       Kinder und Erwachsene lieben die mutigen, fröhlichen Werke des Künstlers,
       der einige Jahre auch am Ammersee südlich von München lebte. Mehr als 150
       Bücher verfasste er, teilweise ist von rund 300 Werken die Rede. Sie wurden
       in rund 40 Sprachen übersetzt, die Gesamtauflage geht in die Millionen.
       
       ## Mühsamer Weg zum Ruhm
       
       Dabei waren die Anfänge mühsam für den Schriftsteller und Illustrator, der
       eigentlich Horst Eckert hieß. Die Kunstakademie in München nahm ihn nicht
       auf. Und sein erstes Werk „Die Geschichte vom Pferd Valek“ war kein Erfolg.
       Doch er machte unbeirrt weiter und schuf Bücher wie „Hannes Strohkopp und
       der unsichtbare Indianer“ oder „Lari Fari Mogelzahn“. Für Erwachsene
       verfasste er Theaterstücke und Romane und bebilderte pikante Geschichten
       des französischen Adligen Marquis de Sade.
       
       Janoschs Durchbruch kam 1978 mit dem Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“.
       Tiger, Bär und Tigerente wurden zu Stars und zierten bald Produkte wie
       Schnuller, Socken, Brotzeitboxen oder Fahrräder. Die Sachen verkauften sich
       bestens und befeuerten den Absatz der Bücher. Die niedlichen Figuren hätten
       von Anfang an das Potenzial gehabt, Maskottchen zu werden, und seien auch
       geschickt vermarktet worden, sagte die Bibliothekarin Christiane Raabe mal.
       „Der Erfolg seiner Panama-Bücher ist ohne die damit verbundene
       Merchandisingmaschinerie nicht denkbar.“
       
       Die Urheberrechte übernahm die Janosch Film & Medien AG. Ein einträglicher
       Rummel um Lizenzrechte und Vermarktung, doch der Erfolgsautor machte sich
       rar. „Ich habe nichts damit zu tun, ich sehe das auch nicht, ist zu weit
       weg. Das ist eine andere Baustelle“, sagte Janosch.
       
       ## Das Paradies um die Ecke
       
       Doch Janoschs Erfolg lässt sich nicht nur mit einer geschickten Vermarktung
       erklären. Die Sprache seiner Kindergeschichten ist kräftig und
       geradeheraus. Seine fantasievollen Illustrationen und Geschichten sind
       skurrile Charakterstudien, die das Verschrobene und gleichzeitig
       Liebenswerte der Figuren aufzeigen.
       
       Die Welt von Tiger und Bär ist fröhlich, friedlich, durchzogen von leiser
       Wehmut. Das Paradies liegt in Panama, duftet nach Bananen und die Freunde
       wollen es finden. Am Ende ihrer Reise stellen sie fest, dass das Glück
       stets in ihrem Häuschen am Fluss war. „Jeder lebte schon immer im Paradies,
       hat es nur nicht gewusst“, kommentierte der Autor mal.
       
       Im Kontrast dazu die Werke für Erwachsene, die Einblicke in die harte
       Kindheit des Autors geben, der 1931 geboren wurde im oberschlesischen
       Zabrze im heutigen Polen. In „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“
       schildert er den Alltag in der grauen Bergarbeitersiedlung, schonungslos,
       aber auch wehmütig.
       
       Der Vater soff bis zum Exzess, verstieg sich im Größenwahn und projizierte
       aberwitzige Träume auf seinen Sohn. Und er tobte, wenn dieser die
       Hoffnungen nicht erfüllte. Auch die Mutter ließ ihren Frust an dem kleinen
       Horst aus und prügelte ihn – oder putzte ihn so fein heraus, dass er zum
       Gespött der Schule wurde. Eine überaus strenge katholische Erziehung
       schürte Ängste vor Sünde und Fegefeuer, dazu später die „Quälerei“ in der
       Hitlerjugend.
       
       ## Lieber Chaos als „totale Zerstörung“
       
       „Die ersten Jahre meines Lebens waren die totale Zerstörung meiner Person“,
       sagte Janosch mal der Süddeutschen Zeitung. 1946 dann ein Neubeginn: in den
       Wirren der Nachkriegszeit zog die Familie nach Oldenburg. „Meine eigene
       Stimmung war Abenteuerlust. Mir hat die chaotische Zeit sehr gut gefallen,
       alles war besser, als katholisch im Nazi-Deutschland mit einem besoffenen
       Vater zu leben“, zitiert ihn Angela Bajorek in ihrer Biografie „Wer fast
       nichts braucht, hat alles“.
       
       Janoschs Kinderbücher sind ein Gegenentwurf zur eigenen Vergangenheit, die
       der Künstler später zu verdrängen suchte, indem er sich mit Alkohol
       betäubte. Sein eigenes Paradies schuf er auf Papier. Bunt und naiv, mit
       skurrilen Wesen, die füreinander einstehen und sich gegen Unrecht und
       Obrigkeiten wehren.
       
       Trotzdem sind seine Figuren keine Tugendbolde. In der Weihnachtsgeschichte
       „Der alte Mann und der Bär“ etwa gehen fromme Kirchgänger achtlos an den
       Bedürftigen vorbei. Es bräuchte nicht viel, um jemanden glücklich zu
       machen, ist Janosch überzeugt. Seine Figuren schwelgen in simplen Genüssen:
       Waldbeerenkompott mit Honig, Springforelle mit Mandelkernsoße oder selbst
       gesammelten Pilzen.
       
       Sein privates Paradies fand Janosch vor Jahrzehnten auf Teneriffa, wo er
       mit seiner Frau Ines lebte. Sein Lieblingsplatz: „Immer Hängematte“,
       vertraute er seiner Biografin an. Dort lebte er ein einfaches Leben, wie er
       der Deutschen Presse-Agentur zu seinem 85. Geburtstag am 11. März 2016
       erzählte, „mit Essen, und ich trinke diesen Wein. Und ich pflanze im Garten
       Kartoffeln zum Beispiel.“ Sein größter Wunsch damals: „Dass ich hier ewig
       so sitzen kann und die Sintflut erst kommt, wenn ich ganz weg bin. Also
       NACH meiner Himmelfahrt.“
       
       4 Nov 2026
       
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       früher gab es auch den „Tigerenten Club“. Unser Kolumnist über wirklich
       gutes TV.