# taz.de -- Serie „The Greatest“ über Muhammad Ali: Legende ohne Pathos
> Die Amazon-Prime-Serie „The Greatest“ erzählt von Muhammad Alis
> Jugendjahren als Sportler, Familienmensch und seinen frühen politischen
> Ambitionen.
(IMG) Bild: Brooke Palmer als Muhammed Ali: „The Greatest“ arbeitet sich kleinteilig am Mythos der Box-Legende ab
Als Muhammad Ali am 25. Februar 1964 als Außenseiter den amtierenden
Schwergewichtsweltmeister, Sonny Liston, besiegt, schreit er im Boxring
stehend in die Mikros der Reporter „I am the Greatest!“ Dieser legendäre
Ruf des angeberischen jungen Mannes, der wie kein anderer Boxer schon vor
dem Kampf seine Gegner beschimpfte, wurde zum Titel seiner 1975
erschienenen Autobiografie und eines Dokumentarfilms (1977).
Nun wartet Amazon Prime mit einem achtteiligen Biopic des wohl bekanntesten
Boxers aller Zeiten auf, das ebenfalls „The Greatest“ heißt. Noch eine
filmische Bearbeitung von Muhammad Alis Leben, nachdem unter anderem schon
vor 25 Jahren Will Smith die Box-Legende im Kino verkörpert hatte?
Aber die neue Serie fokussiert nur auf die Jugendjahre des Mannes aus
Louisville (Kentucky), der damals noch Cassius Clay hieß. Erst am Ende der
Serie, die vier Jahre seiner Biografie erzählt, vom Gewinn der olympischen
Goldmedaille in Rom bis zum eingangs erwähnten ersten Sieg im
Profi-Schwergewicht, erklärt der damals 22-jährige Cassius Clay (Jaalen
Best), dass er seinen Sklavennamen ablegt und fortan Muhammad Ali heißt.
„The Greatest“ arbeitet sich kleinteilig am Mythos der Box-Legende ab und
versucht das große Pathos zu vermeiden, was natürlich nicht immer klappt.
Cassius Clay, wie er die ganze Serie über heißt, ist vor allem
Familienmensch und eng in seine um Bürgerrechte kämpfende Community
eingebunden.
## Wegen Rassismus nicht bedient
Trotz sportlicher Erfolge macht er ständig Erfahrungen mit rassistischer
Ausgrenzung. Deshalb ist die Szene ganz zentral, als er 1960 als frisch
gebackener Olympiasieger in seiner Heimatstadt mit der Goldmedaille um den
Hals in einem Diner nicht bedient wird, weil er Schwarz ist, wutentbrannt
Straßen entlangläuft und dann seine Medaille in den Fluss wirft.
„The Greatest“ erzählt viel von unterschiedlichen Spannungsverhältnissen zu
Beginn seiner Box-Karriere. Verband und Management wollen vor allem Geld
aus ihm herausholen, die kleinbürgerlichen, strengen und christlichen
Eltern mahnen zu Zurückhaltung und sein jüngerer Bruder, der ihn
schließlich mit zur Nation of Islam nimmt, ist stets an seiner Seite.
Die gut vernetzte Mutter besteht darauf, eine Bürgerrechtsanwältin
einzuschalten, als ihr Sohn einen Vertrag unterschreiben soll. Cassius Clay
aka [1][Muhammad Ali] wird in „The Greatest“ als Vertreter seiner Schwarzen
Community in Szene gesetzt, der darum ringt, sportlichen Erfolg und
Loyalität zu Gemeinschaft und Familie unter einen Hut zu bringen. Dieser
Spagat steht im Vordergrund.
Die Serie verzichtet bewusst auf lange Box-Szenen oder die detaillierte
Dramaturgie einzelner Kämpfe, wie in Boxer-Filmen sonst üblich. Eine
wacklige Handkamera und schnelle Schnitte machen die zumeist kurzen
Kampfszenen im Ring ungemein rasant. Nur der finale Kampf gegen Sonny
Liston, der ebenfalls tragender Protagonist der Serie ist, wird
ausführlicher erzählt.
Natürlich taucht auch [2][Malcolm X] auf, mit dem Clay in jenen Jahren
Freundschaft schloss. Am Ende ist Clays Karriere wegen seines Engagements
in der Nation of Islam fast zu Ende, bevor sie richtig beginnt. Ob die
Serie sich auch deshalb auf gerade mal vier Jugendjahre der Box-Ikone
konzentriert, um Stoff für eine mögliche Fortsetzung übrigzulassen, bleibt
abzuwarten.
6 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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