# taz.de -- Deutsches Trainerduo bei Trabzonspor: Starker Hang zur Prominenz
       
       > Mit Thomas Reis läuft es beim türkischen Fußballklub Trabzonspor bestens.
       > Unterstützt wird er ausgerechnet vom in Verruf geratenen Jérôme Boateng.
       
 (IMG) Bild: Reis im Dialog mit dem kapverdischen Nationalspieler Sidny Lopes Cabral
       
       Als Thomas Reis Mitte September in Trabzon an der türkischen
       Schwarzmeerküste anheuerte, musste alles erst mal sehr schnell gehen.
       Dienstagabends war [1][der frühere Bundesligatrainer des VfL Bochum] und
       von Schalke 04 am Flughafen der 820.000-Einwohner-Stadt von Fans frenetisch
       empfangen worden. Am Donnerstag gab es am Stadion von Trabzon anlässlich
       seiner Vertragsunterzeichnung eine Zeremonie.
       
       Und am Samstag wartete auf Reis bereits die größte Herausforderung, die der
       türkische Fußball zu bieten hat. Meister Galatasaray reiste als
       ungeschlagener Tabellenführer an – und flog mit einer 0:4-Packung wieder
       zurück nach Istanbul. Dank Reis’ klarer Ansprache an die Mannschaft, mit
       der er seinen ersten Matchplan im neuen Job gemeinsam entworfen hatte. Und
       weil er [2][Mohamed Salah, dem ägyptischen Superstar] des Teams und
       dreifachem Torschützen gegen Galatasaray, große Freiheiten in der Offensive
       einräumte.
       
       Mit acht Treffern in zehn Partien liegt Salah, der in Reis’ Ensemble eine
       Schlüsselrolle einnimmt, in der Torjägerliste der Süper Lig aktuell auf
       Platz drei. „Einen Spieler auf seinem Niveau zu haben, ist vielleicht das
       Schönste, was einem Trainer passieren kann“, schwärmt Reis, der beim
       siebenmaligen türkischen Meister einen märchenhaften Einstieg hingelegt
       hat: Alle fünf Ligaspiele unter seiner Leitung wurden gewonnen – mit
       insgesamt 15:3 Toren. In der Tabelle kletterte der Klub von Rang neun auf
       Platz drei.
       
       Dazu kommen zwei Siege in der Conference League, auch da ist Reis’ Quote
       bislang makellos. Als dritter Gegner im Wettbewerb tritt am Donnerstag der
       Bundesliga-Dritte Freiburg im Papara Park Stadion im Westen der Stadt an,
       die Hypothek vom jüngsten 0:3 in Monaco inklusive. In der 40.000 Zuschauer
       fassenden Arena mit ihrem aus Trapezen und Dreiecken geformten Dach wird
       also eine knisternde Atmosphäre herrschen. Ganz nach dem Geschmack von
       Reis, der schon vor seinem herausfordernden Debüt gegen Galatasaray
       betonte: „Wenn du Angst vor großen Spielen hast, bist du hier falsch.“
       
       ## Ein illustrer Kader
       
       Vor großen Namen scheut Reis ebenfalls nicht zurück. In Trabzon trainiert
       er neben Sommerneuzugang Salah den kurz vor Saisonbeginn geholten
       brasilianischen Mittelfeldakteur Fabinho, von 2018 bis 2023 Salahs
       Teamkollege in Liverpool. Dazu Kameruns Nationalkeeper André Onana, wenige
       Tage vor Reis’ Ankunft von Manchester United ausgeliehen. Oder das
       portugiesische Offensivtalent Noah Saviolo (22), ebenfalls neu im Kader.
       
       Als dieses illustre Personal den Weg in die Türkei fand, coachte Reis noch
       den bulgarischen Rekordmeister Ludogorez Rasgrad. Kaum kam aber das Angebot
       aus Trabzon, machte er – dank Ausstiegsklausel – nach nur zwei Monaten
       schon wieder Feierabend im Nordosten Bulgariens. Nach seiner erfolgreichen
       Zeit bei Samsunspor (Juli 2024 bis Februar 2026) ist es nun das zweite
       Engagement des 53-Jährigen in der Türkei.
       
       Fünf der sieben Partien seit Reis’ Einstieg brachte Trabzonspor ohne
       Gegentor über die Bühne. Mit daran beteiligt: Jérôme Boateng, eine weitere
       prominente Personalie am Papara Park. Der Weltmeister von 2014 und
       zweimalige Champions-League-Sieger mit Bayern München arbeitet Reis seit
       drei Wochen als Assistent zu. Vor dem Duell mit Freiburg äußerte sich
       Boatengs Chef erstmals zu dessen Job. „Mein neuer Co-Trainer ist nicht da,
       um Hütchen aufzustellen“, erwähnte Reis bei LinkedIn – und präzisierte: „Im
       Training nimmt er sich die Abwehrspieler. Er geht rein, korrigiert, gibt
       Hinweise. Verschieben der Kette. Rausschieben. Das ist sein Bereich.“
       
       Bei den Bayern bekam der frühere Innenverteidiger im vergangenen Herbst
       nicht mal die Gelegenheit zu einem Trainerpraktikum. Nach massiven
       Fanprotesten [3][nahmen die Münchner und Boateng von der geplanten
       Hospitanz Abstand.] Hintergrund der Proteste: Im Juli 2024 war Boateng vom
       Landgericht München I wegen vorsätzlicher Körperverletzung an einer
       ehemaligen Partnerin schuldig gesprochen, zu Spendenzahlungen an
       gemeinnützige Einrichtungen in Höhe von insgesamt 100.000 Euro verurteilt
       und verwarnt worden.
       
       Die Vorsitzende Richterin erklärte bei der Verkündung des Urteils, der
       Vorwurf des notorischen Frauenschlägers sei nicht zu halten gewesen. Als
       vorbestraft gilt Boateng (38) nicht. Der 76-malige Nationalspieler
       bestreitet, jemals eine Frau geschlagen zu haben. Bei Trabzonspor habe
       Boateng seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt, erwähnt Reis nun beim
       Onlinenetzwerk LinkedIn. Vielmehr sähe das inzwischen so aus: „Wenn er
       etwas zu den Jungs sagt, hat das eine Wertigkeit. Weil er weiß, wovon er
       spricht.“ Zu den Vorwürfen gegen Boateng schreibt der Trainer nichts.
       
       4 Nov 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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