# taz.de -- Wetten im türkischen Fußball: Als wäre nichts gewesen
> Der türkische Fußball hat ein Glücksspielproblem. Spieler, Schiris und
> Funktionäre sind in illegale Wetten involviert. Oft gibt es wenig
> Konsequenzen.
(IMG) Bild: Neuer Nationaltrainer mit altem Glücksspielproblem: Sergen Yalçın
Die Türkei hat ein Glücksspielproblem. Damit meine ich nicht nur, dass
immer mehr junge Menschen [1][dieser Sucht zum Opfer fallen] und mit einem
illegalen Wettbüro in der Hosentasche herumlaufen. Ich spreche auch vom
türkischen Fußball und den darin involvierten Akteuren.
Beginnen wir mit dem Zentralen Schiedsrichterausschuss (MHK), dessen
Hauptaufgabe die Ansetzung der Schiedsrichter ist. Ende September wurden
der Vorsitzende und einige Mitglieder im Zuge einer Untersuchung zur
Vergabe der Schiedsrichteransetzungen festgenommen. Ein Schiedsrichter
namens Yasin Kol scheint Einfluss darauf zu haben, wer ernannt wird. Auch
er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, da ungewöhnlich hohe Geldbeträge
über seine Konten geflossen sind, was auf [2][illegale Wetten] hindeutet.
Ähnliche Transaktionen gab es auch bei anderen Schiedsrichtern, teilweise
kurz vor gemeinsam geleiteten Spielen. Das Ganze ist ein einziges Desaster.
Und was ist mit dem Mann, der den MHK ernennt, dem Präsidenten des
türkischen Fußballverbands TFF? Er ist weiterhin im Amt, obwohl auch er
verdächtige Kontakte zum MHK-Vorsitzenden hatte. Der Verband versucht nun,
mit dem gerade zurückgetretenen berühmten britischen Schiedsrichter Anthony
Taylor jemanden von außerhalb zu holen. Hoffentlich muss er am Ende nicht
auch noch eine Zelle beziehen.
Zur gleichen Zeit hat derselbe Verband einen weiteren Mann zum Cheftrainer
der türkischen Nationalmannschaft ernannt: Sergen Yalçın, eine Art Legende
bei Beşiktaş, sowohl als Spieler als auch als Trainer. Er ist außerdem ein
notorischer Zocker, und das sein ganzes Leben lang. Bereits zu seiner Zeit
als Spieler Anfang der 2000er Jahre war es ein offenes Geheimnis, dass er
ein Glücksspielproblem hatte. Aus dieser Zeit gibt es sogar einen
Fernsehauftritt, in dem er frech zugab, auf Fußballspiele gewettet zu
haben, und ankündigte, sich künftig auf Pferderennen beschränken zu wollen.
Damals waren die Zeiten eben anders: Man sah das eher als Frage der
Disziplin. Konsequenzen gab es keine.
## Als wäre nichts gewesen
Für so etwas kommt man heute ins Gefängnis. Danach kommt man wieder heraus
und spielt weiter, als wäre nichts gewesen. Ende 2025 wurde bekannt, dass
Mert Hakan Yandaş von Fenerbahçe über einen Freund hohe Summen auf einen
seiner Mitspieler gesetzt hatte. Er wettete immer wieder darauf, dass sein
Mitspieler mehr als drei Fouls begehen oder eine Karte bekommen würde, was
dieser fast immer tat. Yandaş bestritt zwar alles, doch der
Nachrichtenverkehr und die Überweisungen machen die Sache eindeutig.
Man hätte nicht erwartet, dass ein unscheinbarer 32-jähriger Ersatzspieler
wie Yandaş nach so etwas noch eine Karriere haben würde. Doch nach vier
Monaten im Gefängnis und einer auf sechs Monate reduzierten Sperre kam er
vorletzte Woche [3][im größten Derby der Türkei] gegen Galatasaray von der
Bank. Das zeigt wohl, wie verzweifelt Fenerbahçe derzeit ist.
Dem türkischen Fußball fehlt ein Knopf, den man drücken kann. OASIS steht
für „Onlineabfrage Spielerstatus“ und ist ein in Deutschland eingerichtetes
Glücksspielpräventionssystem zur Bekämpfung der Glücksspielsucht. Es heilt
die Sucht zwar nicht, entzieht Betroffenen aber den Zugang zum Glücksspiel.
Und derzeit gibt es in der Türkei viel zu viele Zugänge – von
Schiedsrichtern über Verbandsfunktionäre und Trainern bis hin zu Spielern.
2 Nov 2026
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## AUTOREN
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