# taz.de -- Rauchschwaden über Südostasien: Indonesien verpestet seine Nachbarn – und sich selbst
       
       > Seit Monaten raubt der Rauch von Indonesiens brennenden Wäldern den
       > Menschen der Region den Atem und die Sicht. Präsident Prabowo hofft auf
       > Regen.
       
 (IMG) Bild: Ein Junge am Rande eines Dorfes in Ogan Ilir in der südlichen Provinz Sumatra
       
       Indonesien kämpft seit Juli mit schweren Wald-, Busch- und Torfbränden.
       Mehr als 19.000 Quadratkilometer sind bereits verbrannt, hauptsächlich im
       Süden Sumatras und in Kalimantan auf der Insel Borneo. Neben den Feuern
       macht vor allem deren Rauch Probleme. Er taucht viele Orte in
       gespenstisches Licht, verdunkelt auch in den Nachbarländern Singapur und
       Malaysia den Himmel und reduziert die Sicht zum Teil drastisch.
       
       Vor allem wird den Menschen die Luft zum Atmen genommen. Vielerorts fällt
       der Schulunterricht aus, allein in Malaysia betraf dies 600.000 Kinder. In
       Indonesien mussten sich wegen des Smogs bis September 333.000 Personen in
       ärztliche Behandlung begeben, darunter 75.000 Kinder unter fünf Jahren.
       Nach [1][Berechnungen des finnischen Centre for Research on Energy and
       Clean Air (Crea)] starben in Indonesien allein im September 3.560 Menschen
       an der stark durch den Rauch erhöhten Luftverschmutzung. Insgesamt seien
       davon fast 58 Millionen Menschen betroffen.
       
       Indonesiens Regierung rühmt sich, 72.000 Feuerwehrleute, Soldaten und
       Polizisten zur Brandbekämpfung mobilisiert zu haben. Zusätzliche 2.100
       Ärzte würden sich in besonders betroffenen Regionen um die Gesundheit der
       Menschen kümmern. Darüber hinaus seien 5,3 Millionen Atemmasken verteilt
       worden.
       
       Medienberichten zufolge experimentieren die Behörden auch mit einem Gemisch
       aus Trockeneis und Salz. Das wird aus 15 Flugzeugen in Wolken gesprüht und
       soll künstlichen Regen erzeugen. Das hat viel Medienaufmerksamkeit erzeugt,
       aber kaum Brände gelöscht oder die Luft verbessert.
       
       ## Prabowos Beliebtheit verbrennt
       
       Feuer und Rauch sind längst zu einem großen innen- wie außenpolitischen
       Problem für den seit zwei Jahren amtierenden Präsidenten Prabowo Subianto
       geworden. In den letzten Monaten haben sich seine Beliebtheitswerte in
       Umfragen halbiert.
       
       Dabei gibt es in Indonesien regelmäßig Brände nach dem Ende der Regenzeit
       im April. Die Ursachen sind großflächige Rodungen des Regenwaldes, um Platz
       für Palmölplantagen zu schaffen, Brandrodungen durch Kleinbauern sowie die
       Entwässerung von Torfmooren. Doch so schlimm wie jetzt waren die Brände
       seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Mit ein Grund dafür ist der
       diesjährige El-Niño-Effekt, der zu außergewöhnlicher Trockenheit geführt
       hat.
       
       Prabowos Regierung wird vorgeworfen, das Problem vernachlässigt zu haben
       und keine Strategie dagegen zu haben. Kritisiert wird, dass das jährliche
       Budget der Katastrophenschutzbehörde BNPB drastisch zusammengestrichen
       worden ist. In diesem Jahr betrug es mit umgerechnet 24,26 Millionen Euro
       nur noch 4 Prozent des Umfangs des Jahres 2020. Mitte Oktober hat Prabowo
       den Behördenleiter zudem wegen Korruption in dessen Umfeld gefeuert.
       
       Forstminister Raja Juli Antoni räumte ein, dass die Brände zu 99 Prozent
       von Menschen verursacht sind. Sein Ministerium suspendierte zwar die
       Lizenzen von 32 Firmen, die Regenwald abholzen, um etwa Palmöl oder
       Kautschuk anbauen zu können. Doch laut der [2][Umweltorganisation Walhi]
       brennt es in den Konzessionsgebieten von 372 Unternehmen. Die Regierungen
       von Singapur und Malaysia drängen Jakarta, effektive Maßnahmen zu
       ergreifen. Doch löst dies in Indonesien nationalistische Reflexe aus. Laut
       Walhi haben 66 der mutmaßlich verantwortlichen Unternehmen Verbindungen zu
       Singapur und 27 zu Malaysia.
       
       ## Demonstranten fordern Ausrufung des Notstands
       
       In letzter Zeit gab es in Indonesien in mehreren Städten Demonstrationen
       gegen die Umweltkatastrophe. Gefordert wurde dabei außer der Bestrafung der
       für die Brände verantwortlichen Firmen immer wieder die Erklärung eines
       Notstands. Doch ausgerechnet der Ex-General Prabowo verweigert dies und
       sagt: „Ich vermute, die einzige Lösung ist Regen.“
       
       Bei einem Notstand müsste Prabowo Haushaltsmittel zugunsten stärkerer
       Brandbekämpfung umschichten. Und das würde wohl vor allem das
       milliardenschwere Programm für kostenloses Schulessen betreffen. Das ist
       aber der populistische Teil in Prabowos ansonsten an der Elite
       ausgerichteten Regierungsprogramm. Das Versprechen kostenloser Essen
       ermöglicht ihm, sich volksnah zu geben, und dürfte zu seinem Wahlsieg
       beigetragen haben. Durch Korruption wie durch tausende Fälle von
       Lebensmittelvergiftungen ist das Programm inzwischen in Verruf geraten.
       Laut einer Umfrage fordern inzwischen mehr als 60 Prozent die Abschaffung
       des Programms.
       
       Das katholische deutsche Hilfswerk Misereor verweist in einer
       [3][Erklärung] auf die Mitverantwortung des Konsumverhaltens in westlichen
       Industrieländer wegen der dortigen hohen Nachfrage an Palmöl. Es „steckt in
       vielen Produkten unseres großen Bedarfs, von Chips und Süßigkeiten bis zu
       Margarine, Seifen und Kosmetika“, sagt Indonesien-Referentin Christine
       Kögel. Beim Kauf sollte deshalb auf sozial- und umweltverträgliche
       Produktionsbedingungen geachtet werden.
       
       2 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://energyandcleanair.org/indonesias-air-pollution-deaths-surged-by-42-in-september-as-government-resists-declaring-karhutla-a-national-emergency/
 (DIR) [2] https://www.indoleft.org/statements/2026-10-14/whos-behind-the-fires-walhi-launches-study-on-who-benefits-from-forest-fires.html
 (DIR) [3] https://www.misereor.de/presse/pressemitteilungen/indonesien-waldbraende-und-smog-bedrohen-gesundheit-von-millionen-menschen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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