# taz.de -- Nachruf auf Patrick Stewart: Auf einer neuen Heldenreise
> Seine Rolle als Captain Picard legte Patrick Stewart wie eine Figur von
> Shakespeare an. Er engagierte sich für Diversität und gegen
> Diskriminierung.
(IMG) Bild: Bester Kapitän ever: Patrick Stewart spielt Captain Picard im Jahr 1988
So einen Kapitän bräuchte jedes Schiff. Einen, der bedacht handelt, sich
nicht provozieren lässt, der alles daransetzt, Konflikte diplomatisch zu
lösen. Vor allem, wenn es darum geht, „fremde Welten zu erforschen, neues
Leben und neue Zivilisationen“; eben „to boldly go where no one has gone
before“.
Als die Neuauflage des „Raumschiffs Enterprise“ im Jahr 1987 im
US-Fernsehen reüssierte, präsentierte sie mit Captain Jean-Luc Picard einen
solchen sanften Anführer. Gespielt wurde er von Patrick Stewart, geboren
1940 in der Grafschaft Yorkshire, aufgewachsen in relativer Armut und mit
einem kriegstraumatisierten, gewalttätigen Vater, der seinem Sohn die Lust
an der Aggression für immer austrieb – und bereits im Teenager das
Interesse am Schauspiel als Eskapismus aus der harschen Realität erweckte.
Stewart spielte in seiner Schule Theater, verließ diese jedoch vor dem
Abschluss und erhielt als erster Nichtstudent ein Stipendium an einer
renommierten Schauspielschule. Mit 19 Jahren stand er (bereits glatzköpfig)
auf einer professionellen Theaterbühne, sieben Jahre später wurde er
Mitglied der Royal Shakespeare Company, Großbritanniens angesehenstem
Theaterensemble, und blieb dort bis in die 80er.
Neben Fernsehauftritten und einer Rolle als Zitherzupfender, singender
Krieger in [1][David Lynchs] notorischer „Dune“-Verfilmung von 1984 wurde
der „unbekannte britische Mime“, wie ihn die Los Angeles Time verwundert
nannte, 1987 für die Brücke der renovierten „Enterprise“ gecastet.
## Weinfan mit Humor
Die Rolle, die er nach anfänglichem Zögern nach Eigenaussage „wie einen
Charakter aus [2][Henry IV.]“ anlegte, katapultierte ihn mit
Warpgeschwindigkeit Lichtjahre in die US-Populärkultur hinein. Die
Expertise und Ernsthaftigkeit, die er mitbrachte, machten den
französischstämmigen Weinfan Picard und dessen Crew zu einer neuartigen
Science-Fiction- und Heldenreisen-Erzählung: Picards von Stewart nuanciert,
mit trockenem Humor und charakteristisch-wohltönender, ausgebildeter Stimme
vorgetragenen Abenteuern wohnten elementare, philosophische Fragen inne; es
ging um die Relevanz von Kommunikation, um Diversität und Diskriminierung.
So erfolgreich wurde die Figur, dass ihr zwischen 2020 und 2023 gar ein
wiederum großartig geschriebenes Spin-off namens „Star Trek: Picard“
gewidmet wurde.
Irritiert durch die mit der „Enterprise“ einhergehende
„Typecast“-Erfahrung, nahm Picard dennoch danach eine Rolle an, die den
nächsten Mega-Mainstream-Erfolg einleitete: Ab 2000 porträtierte er den
mächtigen, rollstuhlfahrenden Telepathen, Mutant-Humanisten und
[3][„X-Men“-Gründer] Professor Xavier in den Marvel-Blockbustern und machte
auch in dieser Actionreihe jede Szene zu einem eindrücklichen
Schauspielerlebnis.
Der nie in den USA eingebürgerte und sich selbst als Sozialisten
bezeichnende Stewart spielte nebenbei weiterhin Theater, engagiert sich
gegen häusliche Gewalt und für Frauenrechte und unterstützte eine
PTBS-Hilfsorganisation. Mit seiner dritten Ehefrau lebte der vor einer
Weile an Demenz erkrankte Vater von zwei Kindern am Ende in Los Angeles, wo
er am Mittwoch verstarb. Er bleibt ein hoffnungsvolles Beispiel dafür, dass
besonnene, friedliebende Helden eine Chance in der Welt haben.
30 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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