# taz.de -- Betriebsgenehmigung für erstes Endlager: Finnland gibt grünes Licht für Atom-Klo
> Während in Deutschland noch die Suche läuft, genehmigt Helsinki das erste
> Endlager für hochaktiven Atommüll. Dabei sind etliche Fragen offen.
(IMG) Bild: Jetzt könnte es losgehen, aber der Betreiber zögert noch: Tunnel im Endlager Onkalo
Als weltweit erstes Land hat Finnland vergangene Woche die Inbetriebnahme
eines Endlagers für hoch radioaktive abgebrannte Brennelemente genehmigt.
Umwelt- und Klimaministerin Sari Multala sprach von einem „historischem
Schritt“. Das Endlager Onkalo, mit dessen Bau 2004 begonnen worden war,
liegt in der Nähe des [1][AKW Olkiluoto] an der finnischen Westküste.
Das Genehmigungsverfahren hatte fünf Jahre gedauert. Im August [2][erklärte
die Strahlenschutzbehörde STUK, der Endlagerbetreiber Posiva habe alle
Sicherheitsanforderungen erfüllt] und befürwortete eine positive
Entscheidung der Regierung zur Genehmigungsanfrage. Nach mehr als
40-jähriger Vorbereitungszeit sei nun ein wichtiger Schritt für die
Endlagerung abgebrannter Brennelemente getan, erklärte STUK-Direktor
Petteri Tiippana.
Dass die Genehmigung nun da sei, bedeute nicht, dass man sofort damit
beginne, nun Atommüll einzulagern, stellte Posiva-CEO Ilkka Poikolainen
klar: „In Zusammenarbeit mit STUK wird es noch weitere Tests geben.“ Erst
nach Prüfung aller Sicherheitsaspekte werde das Endlager in Betrieb
genommen. Nach den bisherigen Planungen sollen die abgebrannten
Brennelemente und anderer hoch radioaktiver Müll in den kommenden 100
Jahren eingelagert und das Lager dann verschlossen werden.
Die Genehmigung gilt für den Strahlenmüll der derzeit fünf finnischen AKWs.
Zeitweise war diskutiert worden, [3][auch ausländischen Atommüll zu
importieren und endzulagern], das wurde aber mittlerweile gesetzlich
ausgeschlossen. Erlaubt wäre laut Ministerin Multala lediglich eine
vorübergehende Behandlung und Zwischenlagerung ausländischer radioaktiver
Abfälle, um diese beispielsweise in Endlagerbehältern zu versiegeln und
anschließend zur endgültigen Lagerung in ihr Herkunftsland
zurückzutransportieren.
## Tiefe Tunnel in uraltem Gestein
Das Endlager Onkalo besteht aus einem weitläufigen Tunnelsystem, das in
etwa 1,8 Milliarden Jahre altes Gestein gesprengt worden ist. Technisch hat
sich Finnland für die in Schweden entwickelte [4][„KBS-3 Methode“]
entschieden: Drei Barrieren sollen eine für mindestens 100.000 Jahre
sichere Lagerung garantieren. Dazu werden die abgebrannten Brennstäbe erst
in etwa 5 Meter langen Kapseln aus Stahl und Kupfer verschlossen und diese
dann in einem Bett aus Bentonit in vertikale Löcher eingelagert, die in bis
zu 500 Metern Tiefe ins Felsgestein gebohrt wurden. So sollen die Kapseln
auch Erdbeben und künftige Eiszeiten unbeschädigt überstehen können.
Unter WissenschaftlerInnen gibt es seit Jahren eine kontroverse Debatte,
wie korrosionsbeständig diese Kapseln sind. Schließlich müssen sie und das
Bentonit verhindern, dass Radioaktivität ins Grundwasser gelangt. Es gebe
nur theoretische Berechnungen und keinerlei Langzeitversuche unter
realistischen Bedingungen, monieren KritikerInnen und verweisen auf
Studien, wonach Korrosion die Haltbarkeit der Kapseln schon nach wenigen
Hundert Jahren infrage stellen könnte.
Die 2025 veröffentlichte [5][Greenpeace-Studie „Rock Solid?“] warnt, die
Mechanismen der Korrosion seien „noch nicht vollständig verstanden“. Vor
allem gebe es „Bedenken hinsichtlich der Frage, wie komplexe chemische
Wechselwirkungen zwischen den Komponenten des Endlagers (z. B. Zement und
Ton) unter den dort herrschenden extremen Bedingungen (starke Hitze und
Strahlung) die Korrosion verstärken könnten“. Die AutorInnen befürchten,
dass das „an den Grenzflächen zwischen den verschiedenen
Endlagermaterialien“ passieren könnte. Dies könnte dazu führen, dass
Radionuklide deutlich schneller ins Grundwasser gelangen könnten.
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Atomkraft-in-Finnland/!5928157
(DIR) [2] https://stuk.fi/en/-/the-radiation-and-nuclear-safety-authority-supports-the-licence-for-a-spent-nuclear-fuel-final-disposal-facility
(DIR) [3] /Finnland-will-Atommuell-importieren/!5928489
(DIR) [4] https://www.posiva.fi/en/index/finaldisposal.html
(DIR) [5] https://www.nonuclear.se/files/rock-solid-helen-wallace202511.pdf
## AUTOREN
(DIR) Reinhard Wolff
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(DIR) Schwerpunkt Atomkraft
(DIR) Endlager-Kommission
(DIR) Finnland
(DIR) Atommüll
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