# taz.de -- Pressefreiheit in Europa: Proteste in Tschechien für freien Rundfunk
> Per Nachtsitzung treibt die Regierung die Abschaffung der
> Rundfunkgebühren voran. Kritiker fürchten eine staatliche Kontrolle nach
> ungarischem Vorbild.
(IMG) Bild: Protest in Brno: Tschechiens rechte Regierung greift die Pressefreiheit an
Am Wochenende sind in Tschechien Tausende für die Unabhängigkeit des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) auf die Straße gegangen. Einige
wollten gewaltsam das Parlamentsgebäude stürmen. Der Anlass: In der Nacht
auf Samstag hatte die Regierungsmehrheit im Abgeordnetenhaus einen
Gesetzesentwurf gebilligt, wonach Fernsehen (ČT) und Rundfunk (ČRo) künftig
aus dem Staatshaushalt finanziert werden sollen.
Die Rechtskoalition hatte das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung
gesetzt und nach einer Debatte bis tief in die Nacht um 4.36 Uhr, gegen den
Widerstand der Opposition, durchgestimmt. Zwei weitere Lesungen stehen aus.
Kritiker sehen in dem Eiltempo den Versuch, Opposition und
Zivilgesellschaft zu überrumpeln.
Die Abschaffung der Rundfunkgebühren – derzeit 205 Kronen, etwa 8 Euro, pro
Monat – hatte die Koalition aus der rechtspopulistischen ANO, der
rechtsextremen SPD und der europaskeptischen Autofahrerpartei im Juni
angekündigt. Nun soll alles ganz schnell gehen. Der Entwurf geht jetzt in
den Medien- und Kulturausschuss und soll in wenigen Wochen endgültig
beschlossen werden. Das Gesetz sieht zudem Kürzungen von rund 15 Prozent
vor. [1][Kritiker fürchten], dass der ÖRR zum Sprachrohr der Regierung
werden könnte, ähnlich wie etwa in Ungarn unter dem inzwischen abgewählten
Viktor Orbán.
## Rundfunk-Gewerkschaft will streiken
Bereits Freitagabend versammelten sich vor dem Unterhaus in Prag spontan
mehrere Hundert Menschen, einige harrten bis zur Abstimmung am Morgen aus.
Am Samstag kam es zu weiteren Protesten in Brno, Liberec, České Budějovice
und Hradec Králové. Für Sonntagnachmittag war eine Großdemo auf dem Prager
Altstädter Ring angekündigt, dazu kleinere Aktionen in anderen Städten.
Aufgerufen hatte die Initiative „Eine Million Augenblicke für die
Demokratie“, die bereits im Juni [2][Proteste organisiert hatte].
„Es geht darum, ob wir auch in Zukunft Medien haben werden, die frei
informieren, Macht kontrollieren und allen ohne Unterschied belastbare
Informationen zur Verfügung stellen können“, hieß es im Protestaufruf.
Sprecherin Marija Wazi sagte: „Heute zahlen wir, deshalb müssen die Medien
uns nicht fürchten. Morgen zahlt die Regierung. Und wer zahlt, bestimmt.“
Am 3. November wollen zudem die Beschäftigten von ČT und ČRo ganztägig
streiken.
Die Regierung will an ihren Plänen festhalten, die Abschaffung war ein
Wahlversprechen der ANO. Regierungs- und ANO-Chef Andrej Babiš schrieb am
Samstag in den sozialen Medien: „Die Abschaffung der Gebühren bedeutet
weder das Ende von ČT und ČRo noch eine Bedrohung der Demokratie.“ Die
Gelder würden gesetzlich als Pflichtausgabe garantiert und an die Inflation
gekoppelt. Die Opposition bezichtigte er der Lüge. Sie solle nicht länger
„Angst machen, Hass schüren und die Gesellschaft spalten“.
Kritik kommt von der EBU, dem Dachverband der europäischen
öffentlich-rechtlichen Sender, und dem Europäischen Journalistenverband
(EFJ). Es sei fraglich, ob genug Zeit für eine angemessene parlamentarische
Prüfung bleibe. Die Kürzungen gefährdeten die Fähigkeit der Sender, ihren
Auftrag zu erfüllen.
25 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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