# taz.de -- Niclas Füllkrug im Formhoch: Rückkehr unter Volldampf
       
       > Niclas Füllkrug schießt schon wieder zwei Tore für Werder und überzeugt
       > auch sonst. Ob er es noch mal in die DFB-Elf schafft, ist dennoch
       > ungewiss.
       
 (IMG) Bild: Noch Fragen? Niclas Füllkrug in der Chefrolle bei Werder Bremen
       
       Es kommt nicht so oft vor, dass Trainer so schöne Bilder formulieren wie
       Daniel Thioune nach dem Auswärtssieg des SV Werder beim FSV Mainz 05 (3:2),
       als der Bremer Trainer über seinen Doppeltorschützen Niclas Füllkrug
       sprach: „Er sitzt gerade auf der Lok und reißt viele mit.“ Niclas der
       Lokomotivführer. Füllkrug, 33, erzielte in einer abwechslungsreichen Partie
       mit zwei sicher verwandelten Elfmetern (7. und 25.) seine Saisontore sieben
       und acht und beeindruckte mit Präsenz, Spielverständnis und Einsatzwille.
       
       „Der Junge hat Energie ohne Ende. Er tut uns gut. Wir leben als Mannschaft
       von seiner Mentalität“, sagte Thioune. Das Leihgeschäft mit West Ham United
       weitet sich [1][zu einer rührenden Lovestory] aus, die den ganzen Verein in
       einem anderen Licht erscheinen lässt. Mit dem besten Saisonstart seit acht
       Jahren und dem Vorstoß auf Platz sechs blühen an der Weser zarte Träume von
       einer Europapokalrückkehr.
       
       Das neu zusammengestellte Team spielt mit einer Finesse und Intensität wie
       lange nicht mehr. Auch in dieser Hinsicht geht der gebürtige Hannoveraner
       Füllkrug voran: 150 Zweikämpfe hat er geführt und 15 Fouls gemacht – die
       meisten der Liga. Worüber sich Füllkrug gerade am meisten freut: die elf
       gelaufenen Kilometer in 90 Minuten. Weil es ihm zeige, dass er vielleicht
       so fit wie nie zuvor in seiner Karriere sei.
       
       Er habe „das gleiche Gewicht wie vor acht, neun Jahren“, aber dass er weder
       in London noch auf Leihbasis beim AC Mailand wirklich Fuß fassen konnte,
       habe ja damit zu tun gehabt, „dass ich nicht die Konstanz in meinen Körper
       und mein Spiel bekommen habe“. Und was gegenüber der Premier League und
       Serie A auch anders sei: „Da hatte ich 25 Ballkontakte, jetzt sind es 55
       bis 60 Ballaktionen.“ Weil Werder zumindest phasenweise wieder das Spiel
       machen möchte.
       
       ## Verkappter Spielmacher
       
       In der Bremer Wohlfühloase ist in Windeseile eine Win-win-Situation für
       alle Beteiligten entstanden. Der Heimkehrer führt so deutlich [2][wie sonst
       nur Harry Kane] die Bundesliga-Torschützenliste an und verteilt aus
       tieferer Position die Bälle so geschickt wie der englische
       Weltklassestürmer, wobei er energisch der These widersprach, er
       positioniere sich deutlich anders.
       
       Doch seine Rückennummer zehn liefert einen Fingerzeig, dass in der neuen
       Version dieses Vollprofis ein verkappter Spielmacher steckt. Sollte er
       jetzt im nächsten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim das siebte Mal
       hintereinander treffen, hätte er übrigens den Bremer Rekord von Rudi Völler
       aus der Saison 1982/83 eingestellt.
       
       Warum alles so gut läuft, hat Füllkrug erst in der Mainzer Mixed Zone,
       [3][danach auch im ZDF-„Sportstudio“] erklärt. Er mache sich heute „null
       komma null Druck, irgendjemand etwas beweisen zu müssen“. Er sitze auch
       nicht abends vor dem Handy und gucke sich die Torjägerliste an, „wirklich
       nicht“.
       
       Entspannt geht er mit einem Thema um, das zwangsläufig seine Person umgibt:
       die Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft, die [4][in den letzten
       Nations-League-Spielen] gegen Serbien (13. November) und die Niederlande
       (16. November) einen Torgaranten gut gebrauchen könnte. Obwohl Füllkrug
       dazu nicht viel sagen wollte, nahm er doch Bezug auf die jüngste Aussage
       von Jürgen Klopp: „Er hat Fakten aufgezählt, mehr nicht. Ich bin 33 und
       schieße ein Tor nach dem anderen. Das war ja ohne Meinung.“
       
       Später im ZDF schob er nach, dass der Bundestrainer eine ziemlich klare
       Aussage getätigt habe, was die langfristige Neuausrichtung mit jungen,
       dynamischen Akteuren angehe: „Jeder kann daraus interpretieren, was er
       interpretieren möchte.“
       
       Klopps Co-Trainer Peter Krawietz hat in Mainz jedenfalls gesehen, dass
       Füllkrug nie Ruhe gibt. Der stritt nach Abpfiff mit Heißsporn Nadiem Amiri,
       um seinen Mitspieler Cedric Itten zu schützen; wütete nach seiner
       Auswechslung, weil er entkräftet eigentlich früher vom Feld wollte.
       
       Also alles gut mit seinem Trainer Thioune, der sich vor allem über die
       Entwicklung im Spiel mit Ball freute. Die dominante erste halbe Stunde mit
       einem überragenden Mitchell Weiser, der beim ersten Startelf-Einsatz nach
       525 Tagen beide Elfmetersituationen einleitete, beeindruckte auch die mehr
       als 5000 mitgereisten Werder-Anhänger.
       
       Als die starken Innenverteidiger Amos Pieper und Marco Friedl über Werders
       Wandlung sprachen, rief Füllkrug ihnen zu, dass sie die Auszeichnung zum
       „Spieler des Spiels“ verdient gehabt hätten. „Ich liebe die Jungs da
       hinten.“ Im DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund (Dienstag 20.45 Uhr/ ZDF
       und Sky) wird es wohl eine ähnliche Verteidigungshaltung brauchen, aber das
       jüngste Bundesligaspiel bei den Schwarz-Gelben kann ja als Blaupause
       dienen. Da schafften die Grün-Weißen bei einem 0:2 nach 88 Minuten noch ein
       2:2. Letzter Torschütze? Natürlich Füllkrug. Niclas der Lokomotivführer.
       
       25 Oct 2026
       
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