# taz.de -- Werder Bremen holt Füllkrug: Auf dem Nostalgie-Trip
       
       > Niclas Füllkrug kehrt als Leihspieler zu Werder Bremen zurück. Nach einer
       > beschwerlichen Zeit im Ausland will der 33-Jährige zu alter Stärke
       > finden.
       
 (IMG) Bild: Alte und neue Lichtgestalt von Werder Bremen? Mit Füllkrug soll wieder alles gut werden
       
       Es spielt viel Nostalgie mit, wenn der SV Werder im DFB-Pokal beim
       Lüneburger SK Hansa (Samstag 15.30 Uhr/Sky) antritt. Der Oberligist hat die
       besseren Zeiten längst hinter sich und aktuell gar kein Heimstadion mehr,
       sodass das Highlight eben am Hamburger Millerntor ausgetragen wird. Bei
       Werder läuft vielleicht gleich ein Neuzugang auf, der ebenfalls die
       Sehnsucht der Vergangenheit bedient. Niclas Füllkrug kehrt zu den
       Grün-Weißen zurück.
       
       Am Dienstagmorgen parkte der 33-Jährige seine weiße Karosse anlässlich des
       Medizinchecks auf dem Vereinsgelände. Zwei gebrauchte Spielzeiten in
       England und Italien liegen hinter dem Stürmer, der auch wegen ständiger
       Verletzungsprobleme in dieser Zeitspanne einiges an Wert verlor.
       Premier-League-Absteiger West Ham United stimmte dem Leihgeschäft ohne
       Kaufoption zu. Werder-[1][Trainer Daniel Thioune] hatte sich explizit noch
       einen Angreifer „mit Abschlussqualität“ gewünscht.
       
       Bei der WM 2022 und EM 2024 war der wuchtige Mittelstürmer ein Liebling der
       deutschen Fans. Sein intensives, kämpferisches Spiel und seine
       unverkrampften Auftritte neben dem Platz fanden großen Gefallen. Nun soll
       er in Bremen an alter Wirkungsstätte die Sorgen vor einer erneuten
       Zittersaison vertreiben. Vor einem Jahr heuerte auf den letzten Drücker ein
       nicht fitter Victor Boniface an der Weser an, der sich als Fehleinkauf
       erwies. Auch weil Werder vorne lange nicht bundesligatauglich besetzt war,
       herrschte ständige Abstiegsangst. Spielerische Armut prägte die Auftritte
       der einst so angriffslustigen Bremer, die hinter dem Absteiger St. Pauli
       die wenigsten Tore der Liga (36) schossen.
       
       Nur mit dem von Fortuna Düsseldorf geholten Schweizer Cedric Itten und
       Nachwuchsspieler Salim Musah als Stoßstürmer in die Saison zu gehen, wäre
       ein großes Wagnis gewesen, wie die verpatzte Generalprobe am „Tach der
       Fans“ gegen AJ Auxerre (0:1) verriet. Füllkrug will seine Karriere wieder
       an jenem Schauplatz ins Laufen bringen, wo er bereits als Jugendlicher im
       Internat wohnte. Und er stürmte von 2019 und 2023 [2][überaus erfolgreich]
       für die Hanseaten, die er mit 19 Zweitligatoren 2022 zurück ins Oberhaus
       schoss.
       
       ## Torschützenkönig mit Werder
       
       Gemeinsam mit Marvin Ducksch bildete er das Gespann „der hässlichen Vögel“
       (O-Ton Füllkrug), die ganz kurz sogar in der Nationalmannschaft vereint
       waren. Als Bundesliga-Torschützenkönig zog es ihn vor drei Jahren zu
       Borussia Dortmund, wo er nach 16 Pflichtspieltreffern für 27 Millionen Euro
       zu West Ham United weiterzog. Es folgte eine schwierige Zeit. Nur drei Tore
       erzielte er für die „Hammers“, nur eines für die „Rossoneri“, als der Mann
       mit der Zahnlücke für ein halbes Jahr beim AC Mailand anheuerte. Weil West
       Ham nun nicht mal eine Rückennummer für den 24-fachen Nationalspieler
       hatte, ging die Tür nach Bremen auf.
       
       Hätte Füllkrug nicht kräftige Abstriche beim Gehalt gemacht, wäre Werder
       nie zum Zuge gekommen, nachdem zuvor schon der gebürtige Bremer Eren Dinkçi
       vom SC Freiburg ebenfalls ausgeliehen wurde. Spieler und Verein setzten
       darauf, dass die romantischen Rückholaktionen allen weiterhelfen. Den
       Spielern und dem Verein. [3][Bei Claudio Pizarro hat das stets geklappt,]
       aber das ist auch schon ein Weilchen her.
       
       Wichtig wäre für Geschäftsführer Clemens Fritz, dass seine Pläne auf dem
       Transfermarkt endlich aufgehen, nachdem die Personalpolitik der jüngeren
       Vergangenheit wenig glücklich wirkte. Diesen Sommer sind mit Mio Backhaus
       (SC Freiburg) und Romano Schmid (Frosinone Calcio) bereits zwei
       Leistungsträger verkauft worden, um die Finanzlöcher zu stopfen. Den
       dicksten Batzen soll Verteidigertalent Karim Coulibaly bringen. Den 19
       Jahre alten U21-Nationalspieler würde Werder gerne für weit mehr als 20
       Millionen Euro an den französischen Erstligisten Racing Straßburg
       veräußern, der eine Kooperation mit dem FC Chelsea unterhält. Die „Blues“
       parken im Elsass gerne jene Spieler, bei denen viel Fantasie und weniger
       Nostalgie mitspielt.
       
       18 Aug 2026
       
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