# taz.de -- Internationale Zusammenarbeit in Peru: Demokratie unter Aufsicht
       
       > Eine neue Regelung in Peru könnte die Arbeit internationaler
       > Organisationen massiv einschränken. Davon betroffen sind politische
       > Stiftungen aus Deutschland.
       
 (IMG) Bild: Hausangestellte um Leddy Mozombite demonstrieren für ihre Arbeitsrechte – und erhielten dafür Unterstützung aus Deutschland
       
       Energie- und Wohnungskrise, wachsende Kriegsgefahr in Europa und der
       Aufstieg der extremen Rechten: Angesichts der vielen dringenden
       Herausforderungen stellt sich die Frage, warum Deutschland weiterhin Geld
       für die Unterstützung weit entfernter Regionen wie Lateinamerika ausgeben
       sollte. „Wer nur an sich selbst denkt und nicht an seine Nachbarn, bekommt
       früher oder später Probleme“, sagt Sara Brombart, Vertreterin der
       [1][Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)] in Peru. Sie ist die älteste politische
       Stiftung Deutschlands.
       
       Von ihrem Büro im neunten Stock eines Gebäudes im Finanzzentrum der
       peruanischen Hauptstadt Lima aus leitet Brombart ein siebenköpfiges Team.
       Die FES ist seit 1970 in Peru tätig und in 20 weiteren Ländern
       Lateinamerikas vertreten. „Wir beschäftigen uns mit Themen rund um die
       Sozialdemokratie: soziale Gerechtigkeit, Freiheit und die
       Gewerkschaftsbewegung“, erklärt sie.
       
       Die FES steht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) nahe,
       arbeitet jedoch unabhängig und finanziert sich fast ausschließlich aus
       öffentlichen Mitteln der Bundesrepublik. Mit dieser Unterstützung
       kooperiert die Stiftung in Peru mit rund 50 zivilgesellschaftlichen und
       politischen Organisationen im ganzen Land. „Es geht nicht nur darum, nett
       zu sein: Deutschland hat ein eigenes Interesse daran, dass andere Länder
       politisch, wirtschaftlich und sozial stabil sind. Wir leben nicht auf einer
       Insel“, betont Brombart.
       
       Neben der FES sind weitere deutsche politische Stiftungen in Peru aktiv.
       Die [2][Konrad-Adenauer-Stiftung] etwa, die der christdemokratischen CDU
       nahesteht, ist seit mehr als 50 Jahren im Land vertreten und fördert die
       politische Bildung junger Menschen. Auch die
       [3][Friedrich-Naumann-Stiftung] ist in Peru tätig. Sie steht der Freien
       Demokratischen Partei (FDP) nahe und ist seit 2018 in den Anden präsent.
       Ihr Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sozialen Marktwirtschaft und
       eines liberal geprägten politischen Dialogs.
       
       ## Zusammenarbeit mit konkreter Wirkung
       
       „Heute haben wir einen historischen Kampf gewonnen“, sagt Leddy Mozombite
       in einem Video vom 5. September 2020. Es ist Pandemiezeit, sie trägt eine
       Maske mit dem Logo der [4][Nationalen Föderation der Hausangestellten],
       deren Generalsekretärin sie ist. Wenige Stunden zuvor hatte das peruanische
       Parlament ein Gesetz verabschiedet, das den Hausangestellten erstmals
       arbeitsrechtliche Ansprüche garantierte.
       
       „Die FES war entscheidend für unseren Kampf“, erklärt Mozombite. Fast eine
       halbe Million Hausangestellte arbeiteten damals unter informellen
       Bedingungen und waren Ausbeutung ausgesetzt. Um die Verabschiedung des
       Gesetzes voranzubringen, unterstützte die FES die Gewerkschaft mit
       fachlicher Beratung und gab Studien zu den Arbeitsbedingungen in der
       Branche in Auftrag.
       
       Die FES organisierte sogar Mobiltelefone für Gewerkschaftsvertreterinnen
       mit geringen finanziellen Mitteln. Während des landesweiten Lockdowns waren
       diese, wie Mozombite es ausdrückt, „eingeschlossen“. Dank der Geräte konnte
       die Föderation ihre Arbeit und Abstimmung in den Monaten vor der
       Verabschiedung des Gesetzes fortsetzen.
       
       ## Demokratie fördern
       
       Eine Gruppe junger Menschen versammelt sich um eine Lliclla – so heißt auf
       Quechua ein traditionelles vielfarbiges Tuch aus den Anden. Darauf liegen
       Koka-Blätter und ein Gefäß mit Chicha, einem fermentierten Maisgetränk. Ein
       solches Ritual der Erdverehrung gehört zu den wiederkehrenden Elementen des
       Projekts Interquorum, das ebenfalls von der FES unterstützt wird.
       
       Seit 40 Jahren bietet Interquorum jungen Führungspersönlichkeiten einen Ort
       der politischen Bildung. Die Treffen finden in verschiedenen Regionen Perus
       statt. Anders als in der im Land verbreiteten hierarchischen
       Bildungsstruktur setzt das Projekt auf Diskussionen und den Austausch
       unterschiedlicher Erfahrungen und Kenntnisse.
       
       „In den Schulen und sogar an den Universitäten in Peru ist die Lehrkraft
       die Person, die alles weiß. Die Vermittlung funktioniert sehr von oben nach
       unten“, erklärt Brombart. „Bei Interquorum wurden diese jungen Menschen zum
       ersten Mal gefragt: Was ist deine Meinung? Das hat ihren Horizont
       erweitert. Sie haben gelernt, dass sie eine Stimme haben und ihre Meinung
       zählt.“
       
       Aus dem von der FES unterstützten Projekt sind junge Menschen
       hervorgegangen, die heute öffentliche Ämter bekleiden – darunter
       Bürgermeister, Minister und sogar eine amtierende Senatorin.
       
       Doch die Zukunft der Arbeit dieser politischen Stiftungen in Peru ist
       ungewiss. Eine Änderung der peruanischen Gesetzgebung hat die
       internationale Zusammenarbeit in Alarmbereitschaft versetzt.
       
       ## Internationale Zusammenarbeit in Gefahr
       
       2025 änderte eine [5][konservative Mehrheit] im peruanischen Parlament die
       gesetzlichen Grundlagen der Behörde für internationale
       Entwicklungszusammenarbeit (APCI). Bereits Monate zuvor hatten die
       Botschaften Deutschlands und anderer europäischer Staaten eine gemeinsame
       Erklärung veröffentlicht, in der sie sich gegen die Gesetzesänderung
       aussprachen.
       
       Die größte Gefahr besteht darin, dass die neuen Regelungen der APCI
       weitreichende Kontrollbefugnisse einräumen. Das könnte der peruanischen
       Regierung ermöglichen, die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen
       unangemessen einzuschränken. Davor warnte auch ein Bericht von
       Sonderberichterstattern der Vereinten Nationen.
       
       Der Gesetzesänderung waren zunehmend kritische Äußerungen über die
       internationale Zusammenarbeit vorausgegangen. Konservative Kreise in Peru
       werfen ihr vor, sich in ideologische Fragen des Landes einzumischen. Auch
       die Arbeit deutscher Organisationen ist davon betroffen – insbesondere in
       den sozialen Netzwerken.
       
       „Wir befürchten, dass das Gesetz einigen Organisationen die Flügel stutzen
       könnte“, warnt Brombart. Seit Inkrafttreten der neuen Regelung hat die APCI
       innerhalb von weniger als zwei Jahren bereits drei Prüfungen bei der FES
       durchgeführt. Die APCI beantwortete die Fragen des Autors zu diesem Artikel
       nicht.
       
       Brombart vergleicht die Demokratie mit einer Pflanze: Man müsse sie jeden
       Tag gießen. Genau darin sieht sie die Aufgabe politischer Stiftungen – in
       Deutschland ebenso wie im Ausland. „Und dafür brauchen wir ein Umfeld, in
       dem wir frei arbeiten können.“
       
       [6][Ernesto Cabral] ist ein Investigativ-Journalist aus Peru und beim
       Podcast-Medium [7][La Encerrona] tätig. 
       
       Transparenzhinweis: Das Medium des Autors hat in der Vergangenheit
       gemeinsame Veranstaltungen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt. 
       
       Übersetzung aus dem Spanischen von Niklas Franzen
       
       2 Nov 2026
       
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