# taz.de -- Mexikanische Zulieferer unter Druck: Der Lack ist ab
       
       > Der Protektionismus der USA macht Mexikos Automobilbranche zu schaffen,
       > zehntausende Arbeitsplätze gingen bereits verloren. Und Europa ist weit
       > weg.
       
 (IMG) Bild: Im Audi-Werk San José Chiapa wird noch gearbeitet – anderswo nicht mehr
       
       Abrupt wurden Maschinen runtergefahren und Arbeiter massenhaft entlassen:
       Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus und seiner [1][unberechenbaren
       Zollpolitik] hat die mexikanische Automobilzulieferindustrie bereits 90.000
       Arbeitsplätze verloren und der Handel Mexikos mit den USA – dem wichtigsten
       Exportmarkt – ist eingebrochen.
       
       Dabei hatte die Dynamik des US-amerikanischen Automobilsektors Mexiko
       jahrzehntelang zur großen Werkstätte der Region gemacht. Doch konnten die
       mexikanischen Zulieferer früher noch langfristige Geschäftspläne
       aufstellen, ist es heute schon schwierig, Projekte über mehrere Monate zu
       planen, da sich die Geschäftsbedingungen ständig ändern.
       
       Francisco González, Präsident des [2][nationalen
       Automobilzuliefererverbands (INA)], geht davon aus, dass die weggefallenen
       Arbeitsplätze unwiderruflich verloren gegangen sind. „Wir müssen uns darauf
       einstellen, dass die Zahl der Arbeitsplätze nicht mehr zunehmen wird“, sagt
       González. „Wir hoffen jedoch auf eine Steigerung bei den Löhnen und eine
       Zunahme der Spezialisierung, denn die Automatisierung treibt uns in diese
       Richtung“. Und wenn sich Anforderungen und die Qualität der Arbeit
       verbessere, stiegen zumindest auch die Löhne.
       
       ## Abhängigkeit von den USA
       
       Einige Zahlen verdeutlichen das momentane Ungleichgewicht: Vom gesamten
       Export mexikanischer Autoteile im ersten Halbjahr 2026 im Wert von rund 55
       Milliarden US-Dollar gingen 86 Prozent in die USA, gefolgt von Kanada mit 3
       Prozent. Auch bei der Herstellung von Fahrzeugen zeigt sich die
       Abhängigkeit vom nördlichen Nachbarland: Von den in der ersten Jahreshälfte
       aus Mexiko exportierten 1,9 Millionen Autos gingen rund drei Viertel in die
       USA.
       
       Unter Trumps protektionistischen Maßnahmen leiden die Zulieferer ebenso wie
       die Hersteller. [3][Produktionslinien wie die des Toyota Tacoma wurden
       eingestellt] – das Modell wird nun in Texas produziert, nachdem es
       jahrelang hauptsächlich in Baja California, Mexiko, zusammengesetzt worden
       war.
       
       Angesichts dieser Situation ist die Idee einer Diversifizierung der Exporte
       naheliegend. Doch die Daten, welche die Abhängigkeit der mexikanischen
       Fertigungsindustrie von den Vereinigten Staaten belegen, verdeutlichen
       zugleich die handelspolitische Distanz zu Europa. Kein Land der EU taucht
       in der Liste der wichtigsten Zielmärkte für mexikanische Autoteile auf. Bei
       der Einfuhr von in Mexiko hergestellten Fahrzeugen belegt Deutschland mit
       2,7 Prozent immerhin den dritten Platz. Doch kein weiteres europäisches
       Land verzeichnet in diesem Bereich nennenswerte Zahlen.
       
       ## Exportdiversifizierung braucht Zeit
       
       Obwohl Mexiko jährlich rund 4 Millionen Fahrzeuge herstellt, scheinen die
       Absatzchancen jenseits des Atlantiks weiterhin eher gering zu sein. Nach
       Deutschland etwa werden nur so genannte „Unique Platform Models“ geliefert,
       bestimmte Modelle wie der Audi Q5 und das BMW 2er Coupé, die ausschließlich
       in Mexiko montiert werden, aber für den weltweiten Markt bestimmt sind.
       
       Nach Einschätzung von Eric Ramírez, Direktor für Lateinamerika und die
       Karibik der Beratungsfirma Urban Science, könnte der Ausbau solch
       spezieller Produktionslinien ein Weg in die Zukunft sein. Doch erfordere
       dies erhebliche Investitionen und einige Jahre bis zur Umsetzung. „Neue
       Märkte oder Projekte für den Export von Fahrzeugen zu entwickeln, das geht
       nicht von heute auf morgen“, betont er. „Es dauert, bis sich die
       Exportbasis umstellen lässt. Die Ausfuhr in andere Länder ist zeitaufwendig
       und ziemlich kompliziert.“
       
       Was Autoteile betrifft, so sind zwar große europäische Unternehmen in
       Mexiko vertreten – vor allem deutsche wie Bosch, Continental oder ZF –,
       doch die Werke im Land sind Teil der Wertschöpfungskette der
       US-amerikanischen Industrie. „Wir in Mexiko konzentrieren uns auf die USA.
       Europa konzentriert sich auf Europa, Asien auf Asien“, sagt Eduardo Watty,
       Vizepräsident für den Vertrieb von Bosch Mexiko. „Jede Region ist stark auf
       ihren jeweiligen Markt ausgerichtet.“
       
       ## Förderung lokaler Talente und Fachkräfte
       
       Vor diesem Hintergrund liegt die Chance für die mexikanische
       Zulieferindustrie weniger im Export großer Mengen von Autozubehör als in
       der Förderung lokaler Talente und Fachkräfte. Diese haben einen
       demografischen Vorteil – die mexikanische Bevölkerung ist noch jung –, und
       sie treffen auf Unternehmen wie Bosch, die bereits lange im Land tätig sind
       und Ingenieur- und Entwicklungszentren aufgebaut haben.
       
       Auch Gerardo Gómez vom Beratungsunternehmens JD Power Mexiko sieht den
       Vorteil des Landes „in der Erfahrung der Automobilbranche, der Jugend der
       mexikanischen Arbeitskräfte und der Qualität ihrer Produktion“. Nun ist es
       laut Goméz wichtig, „Technologie und Spezialisierung“ weiterzuentwickeln.
       
       In der Automobilbranche Mexikos sind viele Maschinen zum Stillstand
       gekommen – eine Folge der jahrzehntelangen Abhängigkeit von den Vereinigten
       Staaten. Mexiko sieht sich mit einem in Echtzeit wandelnden Umfeld
       konfrontiert, bei dem Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen – und
       damit auch der Lebensunterhalt ihrer Familien. In der Wirtschaft sollte
       neben Geschäftsabschlüssen und Bilanzen aber gerade deren Wohlbefinden eine
       entscheidende Rolle spielen.
       
       [4][Tzuara De Luna] ist Reporterin beim mexikanischen Wirtschaftsmagazin
       [5][Expansión]. 
       
       Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz
       
       30 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neue-Zoll-Drohungen-aus-den-USA/!6199139
 (DIR) [2] https://ina.com.mx/
 (DIR) [3] https://finance.yahoo.com/economy/policy/articles/toyota-just-pulled-tacoma-mexico-180746670.html
 (DIR) [4] https://expansion.mx/autor/tzuara-de-luna
 (DIR) [5] https://expansion.mx/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tzuara de Luna
       
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