# taz.de -- Geldstrafe für Heckler & Koch: Das Business geht weiter
> Wegen illegaler Waffenexporte nach Mexiko musste die Waffenschmiede
> Heckler & Koch 3,7 Millionen Euro Strafe zahlen. Menschenrechtler
> fordern, mit dem Geld Opfern zu helfen.
(IMG) Bild: Protest in Stuttgart vor dem Landgericht 2018: die Fotos zeigen die mexikanische Studenten die entführt und ermordet wurden
Am Ende hat Heckler & Koch (HK) doch gezahlt. Man mochte es zunächst kaum
glauben, nach all den Instanzen und Einsprüchen. 3,7 Millionen Euro hat die
[1][Schwarzwälder Waffenschmiede] im Mai dieses Jahres an die Staatskasse
überwiesen, als Strafe für den illegalen Export von G36-Sturmgewehren nach
Mexiko.
Aber warum eigentlich an die Staatskasse? Wo doch jene, die den Knarren zum
Opfer fielen, auf der anderen Seite des Atlantiks leben. Oder lebten. Warum
nicht an sie? Etwa an die Angehörigen der 43 Studenten, die in der Nacht
zum 27. September 2014 in der mexikanischen Stadt Iguala von Kriminellen
und Polizisten verschleppt wurden und seitdem verschwunden sind.
Genau das haben jetzt deutsche und mexikanische
Menschenrechtsorganisationen anlässlich des 12. Jahrestags des Verbrechens
gefordert. Die Strafzahlung soll denen zugute kommen, die unter den
„enormen gesundheitlichen und psychosozialen Lasten“ des Verbrechens
leiden, erklärt Françoise Greve von der Deutschen
Menschenrechtskoordination Mexiko.
In einem Brief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten [2][Cem
Özdemir (Grüne)] verlangen die Organisationen „Mechanismen
gesellschaftlicher Wiedergutmachung“, um die Zahlungen zu ermöglichen.
Alternativ soll die Landesregierung andere Wege suchen, die Opfer zu
unterstützen. Eine naheliegende Forderung.
## Bandenmäßige Ausfuhr
Zur Erinnerung: HK lieferte vor rund 20 Jahren mit Hilfe gefälschter
Ausfuhrpapiere über 4.200 G36-Sturmgewehre illegal nach Mexiko. Das
Stuttgarter Landgericht verurteilte dafür 2019 zwei Ex-HK-Mitarbeiter wegen
„bandenmäßiger Ausfuhr von Gütern“ zu Bewährungsstrafen. Zudem sollte das
Unternehmen den Erlös des Deals, also jene 3,7 Millionen Euro, als Strafe
zahlen. Die Waffenbauer ließen keinen juristischen Winkelzug aus, die
Zahlung noch zu verhindern. Im vergangenen Mai mussten sie das Geld dann
doch überweisen, sieben Jahre später.
Aldo Gutiérrez Solano hat diese Jahre regungslos in seinem Bett verbracht.
Und die drei zuvor ebenfalls. In jener Nacht von Iguala wurde der Student
des Lehrerseminars Ayotzinapa ins Koma geschossen, höchstwahrscheinlich mit
einem G36. Mangels Tatortsicherung ließ sich das später nicht mehr mit
Sicherheit nachweisen. Aber von den 99 schwäbischen Sturmgewehren, die man
im Polizeirevier von Iguala fand, waren mindestens drei im Einsatz gegen
die Studenten.
Wie viele Menschen insgesamt in Mexiko mit den Waffen getötet wurden, ist
natürlich schwer zu sagen. Dem Krieg zwischen verschiedenen kriminellen
Organisationen und Sicherheitskräften fallen täglich Dutzende zum Opfer.
Die meisten durch Kleinwaffen, also Pistolen und Gewehre.
Was läge also näher, als mit den HK-Geldern die Betroffenen zu entschädigen
oder jene zu unterstützen, ohne die die Angehörigen der
Ayotzinapa-Studenten alleine dastehen würden. Viele
Menschenrechtsverteidiger*innen setzen sich täglich dafür ein, dass
Überlebende betreut werden und das Verschwindenlassen und Morden nicht
straflos bleibt. Das kostet viele Pesos. Gerade in Zeiten, in denen Gelder
der Entwicklungszusammenarbeit radikal gestrichen werden, könnten doch
einfach jene übernehmen, die an dem blutigen Geschäft verdienen.
Man könnte natürlich viele Tote verhindern, indem man solche Deals schlicht
verbietet. Seit dem HK-Skandal genehmigen deutsche Behörden tatsächlich
keine solchen Exporte mehr nach Mexiko. Das klingt erstmal gut. Nur haben
die Hersteller seither ihre Produktion in die USA verlagert und exportieren
von dort aus ohne lästige Vorgaben munter weiter. Nicht wenige deutsche
Waffen landen auch in grenznahen US-Bundesstaaten wie Arizona oder Texas
und werden dann ins Nachbarland geschmuggelt, direkt in die Hände der
Mafia. Wer dortige Waffenmessen besucht, findet massenhaft Pistolen und
Gewehre von Sig Sauer und Heckler & Koch.
Strafe hin oder her, das Business geht weiter. Gemessen daran wären die 3,7
Millionen Euro ein lächerlicher Obolus. Genau genommen sollten diese Firmen
für jede exportierte Waffe einfach vorab eine Art Tötungssteuer für die
Opfer zahlen. Ja, das klingt zynisch. Aber es brächte die Sache ohne
Schnörkel und aufwändige Justizverfahren marktförmig auf den Punkt.
20 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolf-Dieter Vogel
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