# taz.de -- Gesundheitstourismus: Schöner altern
> Wie viele Wellnesstempel hat sich das Aqua Dome im österreichischen
> Längenfeld dem Trend Longevity angeschlossen. Was ist dran an den
> Versprechungen?
(IMG) Bild: Möglichst lange gesund leben: Es geht dabei um viel mehr als das Körpergewicht
Wer möchten nicht gesünder, fitter, schlanker werden? Ein gutes,
möglicherweise längeres Leben haben? Longevity ist das Schlagwort dafür,
nicht nur in der globalen Wellness- und Tourismusindustrie. Hotels, Resorts
und Destinationen überbieten sich mit Angeboten rund um „gesundes Altern“.
Und ein herausragender Wellnesstempel wie das [1][Aqua Dome] im
österreichischen Längenfeld im Ötztal bringt die besten Bedingungen dafür
mit.
Im riesigen Thermalschwimmbad von 49.000 Quadratmeter mit 2.300
Quadratmeter Wasserfläche ist für alles gesorgt. 67 Grad heißes
Schwefelwasser speist die Therme mit zwei Innenbecken von 34 bis 36 Grad
Celsius, eine große Galerie lädt zum Ausruhen. In der Glaskuppel spiegeln
sich die Bergspitzen, innen ist es karibisch warm. Vom großen Innenbereich
schwimmen die Badenden über ein Flussbecken hinaus in die Freiluft-Therme.
Mittendrin thront dort das beleuchtete und beheizte Glaskristall. Steigt
man die Treppen hinauf, gelangt man zur Sensation der Therme: zu den
schwebenden Schalenbecken im Freien, die auch bei einer Außentemperatur von
25 Grad minus die Badenden im Solebad, dem Massagepool oder dem Schwefelbad
das Gefühl wohliger Wärme in kalter Bergluft geben.
## Riesige Wellnessoase
Gesellschafter des Aqua Dome sind unter anderen das Land Tirol, die
Bergbahnen, die Gemeinde und die Raiffeisenbank mit 60 Prozent. Die
Architektur ist von der Bergwelt abgekupfert. Das Aqua Dome ist mächtig wie
die Bergmassive: grauer Stein, Fichtenholz und in der Form einem
Bergkristall nachgeahmt. Die Therme ist eine Mischung aus Spaßbad und
überdimensionierter Wellnessoase. Wohlfühlfantasien der trendigen Art. Fast
keine wurde ausgelassen. Die Saunenlandschaft trumpft auf: Loft-, Erd-,
Blockhaus-, Heustadl-, Kräuter-, Sole-Sauna. Ein riesiges Dampfbad. Im
angrenzenden Ruheraum mit Blick gen Gletscher schaukeln die Wasserbetten
den Besucher in behagliches Dösen. Und natürlich gibt es alle sportlichen
In- und Outdoor-Aktivitäten: Fitnessraum mit Spinning, Tai-Chi, Qi-Gong,
Tae-Bo, Klangschalentherapie, Yoga, Jazzdance & Co. Ski fahren, selbst im
Sommer, ist in der Ski-Hochburg Sölden ohnehin selbstverständlich, und für
Nordic Walking gibt es einen extra Parcours. Mountainbiking ist längst
angesagt. Hier ist man angekommen in der schönen, neuen Freizeitwelt. Hier
fühlt man sich verwöhnt nach allen Schikanen. Hier werden die Tops der
Freizeitwelt getoppt. Und natürlich Kosmetik, Fußpflege, Massagen,
Hautdiagnostik.
## Innovation Fettwaage
Felix Graf, Leiter des Fitness Center im Aqua Dome, analysiert den
Gesundheits- und Körperzustand mit Tanita, der Körperanalyse-Waage. Sie
sendet ein elektrisches Signal durch den Körper, um den Widerstand durch
Fettgewebe zu messen. Ihre Informationen gehen weit über die einfache
Messung des Körpergewichts hinaus. Sie misst mehr als zehn verschiedene
Werte wie Muskelmasse, das Körperwasser und das metabolische Alter. Damit
soll, so die Philosophie ihres Entwicklers, ein Beitrag zur weltweiten
Gesundheitsförderung geleistet werden. Entwickelt wurde die Waage 1992 von
dem Japaner Tomio Sato, ein Mitarbeiter des Unternehmens Tanita.
„Grundsätzlich ist dieses Prinzip von Langlebigkeit schon immer da gewesen.
Aber nun führen wir Messungen mit neuesten Technologien aus, denn die
Technologie wächst mit. Man kann sich tracken über Schrittzähler am Handy
oder durch irgendwelche Smartwatches, durch Ringe, die die Vitalwerte
aufnehmen“, erklärt Graf. „Hier können wir eine Stoffwechselanalyse
durchführen, auch eine Leistungsdiagnostik, wo die maximale
Sauerstoffaufnahme festgelegt wird. Wir schauen, wie fit das
kardiovaskuläre System ist, das Herz-Kreislauf-System. Wie gut der Körper
wirklich Sauerstoff aufnehmen kann. Das sind die wichtigsten
Longevity-Werte.“
Longevity soll die Lebensspanne nicht nur zu verlängern, sondern vor allem
die gesunden Lebensjahre maximieren. Wissenschaftlich basiert das Konzept
auf Erkenntnissen aus Ernährungsmedizin, Bewegungslehre, Stressforschung
und Prävention. Faktoren wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung,
ausreichend Schlaf, soziale Einbindung und der Verzicht auf schädliche
Gewohnheiten sind die zentralen Säulen. Viele Longevity-Angebote in Hotels
bestehen aus klassischen Wellness- und Gesundheitsbausteinen – ergänzt
durch moderne Begriffe und eine teure Diagnostik.
Viele Luxushotels positionieren sich inzwischen gezielt als
„Longevity-Destinationen“. Sie bieten Programme, die Detox-Kuren,
Biohacking, Schlafoptimierung, Diagnostik, personalisierte Ernährung oder
mentale Gesundheit umfassen. Der Wellness-Tourismus umfasste 2024 nach
Angaben des globalen Wellnessinstituts 894 Milliarden US-Dollar weltweit.
Bis 2029 wird ein Wachstum auf rund 1,4 Billionen US-Dollar erwartet. Die
jährliche Wachstumsrate liegt deutlich über dem klassischen Tourismus.
„Eine Therme dient per se der Gesundheit“, sagt Bärbel Frey,
Geschäftsführerin des Aqua Domes beim Abendessen im Speisesaal des Hotels.
„Am Longevity-Trend kommen wir nicht vorbei, denn der Gesundheitstrend ist
einfach extremer geworden, viel extremer.“ Seit Eröffnung des Aqua Domes
vor 24 Jahren ist Bärbel Frey dabei, ebenso ihre Kollegin, die
Hoteldirektorin Barbara Krabath – effiziente Frauenpower mit Blick fürs
Detail. Nicht nur am überquellenden Buffet, bei dem es schwerfällt, sich
zwischen Salat und Käseplatten, zwischen Rinderroulade und
Tirolerspeckknödeln für die „Clean Cuisine“ zu entscheiden. Eine
kalorienreduzierte, schonend zubereitete Kost, mit deutlich weniger Zucker,
Weißmehl und Fett – passend zum Longevity-Programm.
## Der Wille zur Selbstoptimierung
„Der Besuch des Fitnessstudios ist in einem bestimmten Alter unbedingt zu
empfehlen“, sagt Julian Deinert, Fitnesstrainer und Ernährungsberater des
Resorts. Dem durchtrainierten Deinert, ein Prototyp des männlichen Modells
der Fitnessszene, glaubt man gern. Er beschreibt ausführlich die
Notwendigkeit des Muskeltrainings gegen Muskelschwund im Alter,
Haltungsschäden und Fettleibigkeit. „Man muss an seine Grenzen gehen“, sagt
er und erhöht en passant das Gewicht an der Schulterpresse, wo gerade ein
älterer Herr übt. Julian Deinert gibt auch Ernährungstipps, viele die man
ohnehin kennt, aber es schadete ja nicht, darüber nachzudenken, dass
Sonnenblumenöl viele ungesunde, gesättigte Fettsäuren hat und man auf den
Zucker im Kaffee besser verzichten sollte. Und er empfiehlt Omega 3,
Kreatinphosphat und andere Nahrungsergänzungsmittel. Deinert setzt auf den
absoluten Willen zur Selbstoptimierung.
„Longevity ist State of the Art, muss man haben“, sagt Barbara Krabath, die
Direktorin des Aqua Domes. „Und wir wollen dabei sein, weil wir überzeugt
sind, dass es zu unserem Resort und zu unserem Produkt passt. Deshalb haben
wir letztes Jahr damit angefangen und bauen es jetzt stufenweise weiter
aus.“ Man habe ihr das Aqua Dome direkt vor die Füße gebaut. „Ich bin
gebürtige Längenfelderin, wohne fünf Gehminuten vom Resort entfernt. Seit
2024, also seit der Baustellenzeit bin ich hier im Aqua Dome“, erzählt sie.
Das ist keine Selbstverständlichkeit im Tourismusgeschäft mit seiner hohen
Fluktuation. Natürlich habe sich in der Zwischenzeit einiges geändert. „Wir
sind größer geworden, von 140 auf 200 Zimmer, und es kommt eine neue
Generation von Mitarbeitern. Die brauchen eine andere Führung, eine andere
Ansprache. So wie wir in der Branche groß geworden sind, funktioniert das
nicht mehr. Und da sind natürlich wir selber auch gefordert, dass wir
sagen, wir bilden uns weiter.“
Tourismus, vor allem ein extensiver Wintertourismus in Sölden hält das
Ötztal in Schwung, auch wirtschaftlich. Mit der einheimischen Bevölkerung
klappe es gut, sagt die Einheimische Krabath. „Als wir eröffnet haben,
hatte Längenfeld circa 2.500 Einwohner, mittlerweile sind es 5.000
Einwohner. Das heißt, es sind sehr viele Menschen nach Längenfeld gezogen,
weil sich im Tal viel verändert hat. Vermietet worden ist im Ortsteil seit
jeher, seien es einfache Zimmer oder Apartments. Das haben auch meine
Eltern früher gemacht. Wir sind mit dem Tourismus groß geworden. Und direkt
oder indirekt profitiert bei uns auch jeder vom Tourismus.“
Longevity fügt nicht nur dem Tourismus im Ötztal ein neues Segment hinzu,
vor allem passt es perfekt in einen größeren gesellschaftlichen Trend: die
permanente Selbstoptimierung. Gesundheit wird zunehmend zu einem
Lifestyle-Produkt. Wer es sich leisten kann, investiert in Programme,
Diagnostik und Retreats. Longevity wird damit auch zu einem sozialen
Distinktionsmerkmal. Die Überreichen dieser Welt wie Musk und Thiel haben
es längst zu ihrer Agenda gemacht. Den weniger Privilegierten bleibt nur
ein Trost: Gesunde Lebensweise muss man sich täglich erkämpfen durch
Disziplin, Beweglichkeit und langfristiges Ernährungsbewusstsein. Longevity
beginnt im Alltag, nicht beim Auftanken mit Verwöhnprogramm im Spa eines
Resorts.
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.aqua-dome.at/de/#gbp
## AUTOREN
(DIR) Edith Kresta
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