# taz.de -- Walijewas Rückkehr nach Dopingsperre: Transfer des Jahres auf dem Eis
       
       > Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa läuft wieder für Eteri
       > Tutberidse. Unter deren strenger Ägide war sie 2022 zum Politikum
       > geworden.
       
 (IMG) Bild: Zurück im Rampenlicht: Kamila Walijewa bei einer Eisshow Anfang des Jahres in Moskau
       
       Der Wechsel von Kamila Walijewa in ein neues Team sei der größte Transfer
       dieses Winters. Das [1][russische Nachrichtenportal Sport Express] schreibt
       über die Rückkehr der Eiskunstläuferin zu ihrer ehemaligen [2][Trainerin
       Eteri Tutberidse] wie über den Wechsel eines teuren Fußballstars. Die
       Nachricht hat es in der Tat in sich, auch wenn es ganz bestimmt nicht um
       dreistellige Millionenbeträge geht wie im großen Fußballbusiness. Die
       Trainerin und ihr damals noch jugendlicher Schützling waren das große Thema
       der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.
       
       Da wurde die damals 15-jährige Walijewa zunächst bestaunt für ihr
       Kurzprogramm, das beste, das die Welt bis dahin gesehen hatte. Als dann
       noch während der Spiele bekannt wurde, dass sie bei einem früheren
       Wettbewerb [3][positiv auf eine als Dopingmittel verbotene Substanz
       getestet worden war], wurde sie zum Politikum der Spiele.
       
       Die einen wollten sie als Dopingsünderin umgehend aus dem Wettbewerb
       nehmen. Andere sahen in ihr das Kind, das Opfer eines
       menschenverbrauchenden Sportsystems geworden sei. Daraufhin wurde das ganze
       Land mit Walijewa-Plakaten gepflastert und ein Kult zu ihrer Unterstützung
       inszeniert.
       
       Derweil liefen in Peking die Wettbewerbe weiter – mit Walijewa. Bei der
       abschließenden Kür im Einzelwettbewerb stürzte die Athletin mehrmals und
       wurde so zur tragischen Figur der Spiele, die scheitern musste, weil sie
       all den Druck, der um sie herum aufgebaut worden war, nicht meistern
       konnte. Am Ende kassierte ihre Trainerin noch einen hochoffiziellen
       Anschiss von Thomas Bach, dem damaligen Präsidenten des Internationalen
       Olympischen Komitees, dem wie allen damals in Peking aufgefallen war, mit
       welcher Eiseskälte Eteri Tutberidse ihre im wahrsten Sinne gefallene
       Athletin nach der Kür behandelt hat.
       
       ## Schwierige Rückkehr aufs Eis
       
       Bald darauf war Walijewas Karriere ganz offiziell unterbrochen. Sie wurde
       wegen Dopings vier Jahre lang gesperrt. Auf ihr Comeback in den
       Wettkampfsport bereitete sie sich seit 2025 im Team von Trainerin Swetlana
       Sokolowskaja vor. In der beginnenden Wintersportsaison sollte Walijewa auch
       international wieder bei Wettkämpfen auftreten. Dafür beantragte sie den
       Status als „neutrale Athletin“.
       
       Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine dürfen russische Athletinnen
       nur dann international starten, wenn sie weder Propaganda für den Krieg
       gemacht haben noch irgendwelchen militärischen Einheiten angehören. Die
       Internationale Eislaufunion ISU gewährte ihr diesen Status. Kurz darauf hat
       sie ihre Entscheidung widerrufen. Einmal mehr sieht es so aus, als würde
       alles, was um Walijewa herum geschieht, zum Politikum.
       
       Walijewa hat erst mal keinen Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt.
       Und doch scheint sie um den Status als Neutrale weiter zu kämpfen. Ihre
       Entscheidung, die Trainingsgruppe von Sokolowskaja zu verlassen, jedenfalls
       deutet darauf hin. Deren Team war bis 2023 Teil von ZSKA, dem
       Armeesportklub in Moskau, und damit alles andere als neutral.
       
       Dazu kommt, dass die Sokolowskaja-Schützlinge in der 2025 errichteten
       Nawka-Arena trainieren. Die ist benannt nach Tatjana Nawka, der
       Eistanzolympiasiegerin von Turin 2006. [4][Die organisiert für die
       Auftretenden durchaus lukrative Shows] auf dem Eis und ist Leiterin einer
       Eiskunstlauf-Akademie, zu der auch die Trainingsgruppe von Sokolowskaja
       gehört. Wegen ihrer engen Verbindungen zum Kreml – Nawka ist die Ehefrau
       von Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow – steht sie auf Sanktionslisten
       der USA und der Europäischen Union.
       
       Von diesem Umfeld hat sich Walijewa nun befreit. An internationalen
       Wettkämpfen darf sie vorerst nicht teilnehmen. Zu sehen ist sie dennoch
       bisweilen in den Arenen der Welt. Anfang Oktober [5][lief sie bei einer
       Eisshow in Mexiko-Stadt].
       
       22 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sport-express.ru/figure-skating/reviews/kamila-valieva-vernulas-k-eteri-tutberidze-osenyu-2026-prichiny-uhoda-ot-sokolovskoy-i-navki-podrobnosti-perehoda-i-perspektivy-figuristki-2464713/
 (DIR) [2] /Russische-Eiskunstlaufschule/!6153318
 (DIR) [3] /Eiskunstlauf-als-Politikum/!5880109
 (DIR) [4] /Tausch-der-Nationalitaeten/!6062062
 (DIR) [5] https://www.youtube.com/watch?v=kTvgDByTqt0
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
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