# taz.de -- Neuer Substack-Boom: Wie eine Überdosis Brokkoli
       
       > In Deutschland gibt es eine neue Welle von Substack-Newslettern. Die
       > sorgen wie das Gemüse für erfreuliche Abwechslung im sonst so tristen
       > Mailordner.
       
 (IMG) Bild: App mit News-Feed, in dem sich Rezepte an Urlaubsfotos und Gemälde ungesehener Künstlerinnen reihen
       
       Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine persönliche Mail
       bekommen habe. In meinem privaten Mailordner sammeln sich Rechnungen,
       Werbung und Google Alerts.
       
       Doch seit ein paar Jahren landen wieder erfreulichere Nachrichten darin.
       Tipps, welche Sachbücher ich lesen sollte, ein philosophisches Essay zu
       romantischer Liebe oder ein Rant gegen Promis, die statt Musik Parfüms auf
       den Markt bringen. Die interessanten Mails [1][habe ich dem Substack-Boom
       zu verdanken].
       
       Eine Plattform, über die Autor:innen ihre Newsletter (kostenlos oder
       gegen Bezahlung) verschicken können. Mittlerweile gibt’s auch eine App mit
       News-Feed, in dem sich Rezepte für Kürbissuppen an Urlaubsfotos und Gemälde
       ungesehener Künstlerinnen reihen. Und obwohl auch Rechte und Trolls die
       Plattform für sich entdeckt haben, ist es trotzdem noch ein netteres
       Instagram. Mit persönlichem Touch – aber ohne nervige Werbung.
       
       Oder wie ein Substacker treffend schrieb: „Doomscrolling substack feels
       like overdosing on broccoli“. [2][Die App hinterlässt einen also nicht so
       negativ wie jegliche Meta-Plattformen], sondern mit einem Gefühl, man hätte
       gerade etwas Schönes, vielleicht sogar Inspirierendes gesehen.
       
       ## Zwischen Hobby und sechsstellig
       
       Und auch wenn die meisten Texte keine journalistischen Standards erfüllen,
       entdecken die Autor:innen oft schneller Trends und gesellschaftliche
       Entwicklungen als der gemeine Journalist.
       
       Bislang dominieren US-Amerikaner:innen die Plattform, doch auch in
       Deutschland setzt sich die Plattform immer stärker durch. In den letzten
       Wochen sind die Autorin Alice Hasters „In Between Things“, der Lektor
       Florian Kessler oder die Autor:in Hengameh Yaghoobifarah mit „Habibitus“
       dazugekommen.
       
       Dass der Trend bald aufhört und mein Postfach wieder nur aus Rechnungen
       besteht, muss ich nicht fürchten. Denn auch wenn das Newsletter-Schreiben
       für viele ein Hobby bleibt, das sie recht schnell wieder aufgeben,
       verdienen jetzt auch erste Autor:innen hierzulande einen sechsstelligen
       Betrag mit ihren Newslettern.
       
       30 Oct 2026
       
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