# taz.de -- Fußball der Männer: Die schnelleren Beine
       
       > Minikrise passé: Der FC Bayern ist gegen Leipzig im Samstagabendspiel in
       > allen Belangen überlegen und gewinnt mit 6:1.
       
 (IMG) Bild: Gezeichnet: David Raum und die anderen von RB Leipzig
       
       Es ist nicht bekannt, wie Lukas Klostermann den Rest des verkorksten
       Wochenendes verbrachte, nach der Rückreise aus München. Oder schon vorher,
       nachdem der Außenverteidiger von RB Leipzig ausgewechselt worden war, man
       kann auch sagen: erlöst von seinem Trainer Martin Demichelis. Vermutlich
       war Klostermann erst einmal beschäftigt, seine Beine zu sortieren und die
       Knoten zu lösen, die er sich im Duell mit Luis Díaz eingehandelt hat.
       
       Dabei kann man eigentlich nicht von Duell sprechen, denn er hat bis zu
       seiner Auswechslung nach einer Stunde nicht einen Zweikampf gewonnen an
       diesem Samstagabend in der Münchner Arena. Gefühlt hat allerdings kein
       [1][Leipziger] bis zur Nachspielzeit irgendeinen Zweikampf gegen einen
       Spieler des FC Bayern gewonnen, aber bei Klostermann war es auch deshalb so
       auffällig, weil Díaz drei Tore erzielte beim 6:1-Sieg der Münchner – und
       Chancen auf mindestens drei weitere Treffer vergab.
       
       Nun ja, Demichelis hatte den 30‑Jährigen auch nicht wegen besonders flinker
       Beine aufgestellt, sondern unter anderem wegen dessen Kopfballstärke, wie
       der [2][Argentinier] vor dem Spiel erklärt hatte. Darauf, und das ist keine
       neue Erkenntnis, kommt es gegen den nicht unbedingt riesigen Díaz aber
       weniger an als auf Schnelligkeit in den Beinen und vor allem aggressives
       Abwehrverhalten, das beim RB Leipzig an diesem Tag komplett fehlte.
       Sportchef Marcel Schäfer nannte es „ein komplettes Versagen von uns in
       allen Bereichen.“
       
       Zu Beginn dieser Saison wäre es Klostermann womöglich nicht ganz so übel
       ergangen, denn da hatte Díaz eine Formkrise. Er lief zwar viel und schnell,
       aber verlor oft den Ball, traf falsche Entscheidungen und stellte sich vor
       dem Tor etwas ungeschickt an. Der 29-Jährige wirkte überspielt nach einer
       „überragenden Saison mit knapp 50 Scorerpunkten“ (Sportvorstand Max Eberl)
       und [3][der Weltmeisterschaft, bei der es Kolumbien] ins Achtelfinale
       geschafft hatte. Deshalb entschied er zusammen mit Bayern-Trainer Vincent
       Kompany, auf die Länderspiele Ende September und Anfang Oktober zu
       verzichten und stattdessen einen Kurzurlaub einzuschieben. „Die Pause hat
       ihm gutgetan“, sagte Eberl.
       
       ## Läufe in die Tiefe
       
       Durch Díaz' kleine Krise hatte die Balance in der Offensive zuletzt nicht
       immer ganz gepasst. Während die Bayern oft über rechts ein Überzahlspiel
       kreieren, dort Michael Olise, Konrad Laimer und Joshua Kimmich kombinieren,
       ergeben sich links mehr Räume, die bestenfalls Díaz nutzt. Auch mit Blick
       auf Mittwoch, auf das Champions-League-Spiel gegen den Vorjahres-Finalisten
       FC Arsenal, sei Díaz, findet Eberl, „unglaublich wichtig mit seinen Läufen
       in die Tiefe und wegen der Spielverlagerung bei uns“.
       
       Aber nicht nur dem flinken und erholt wirkenden Kolumbianer hat es der FC
       Bayern zu verdanken, dass dieser Hauch von Krise, der nach zwei sieglosen
       Spielen in Augsburg und Stavanger den Meister umwehte, wie weggeblasen ist.
       „Die Mannschaft hat die Reaktion, die wir brauchen“, sagte Eberl. Sorgen
       bereitet den Münchnern vor dem Heimspiel gegen den FC Arsenal allenfalls
       der Trainer. Vincent Kompany hat sich laut Eberl einen Virus eingehandelt,
       obendrein plagen ihn noch Hüftprobleme, sodass er fast das gesamte Spiel
       auf der Bank sitzen blieb und das Coachen weitgehend seinen Assistenten
       überließ.
       
       Nach der Partie, das verriet Harry Kane, war er zwar noch kurz in der
       Kabine. Kompany sei „glücklich und sehr stolz auf die Leistung“ gewesen,
       sagte der Stürmer, der in seinem 100. Bundesligaspiel sein 102. Tor
       erzielte. Aber die Pressekonferenz überließ der Trainer dann dem
       Sportvorstand, der verkündete, dass der Trainer am Mittwoch auf jeden Fall
       dabei sein werde, aber „welche Rolle er spielt, das kann ich noch nicht
       sagen“.
       
       Womöglich wäre sowohl ein weiteres Spiel, das Kompany nur sitzend verfolgen
       kann, als auch die dritte Partie hintereinander ohne den angeschlagenen
       Torhüter Manuel Neuer, der ja fehlerfrei von Jonas Urbig vertreten wird,
       nicht so schwerwiegend, wie dies der Ausfall des gesperrten Michael Olise
       ist.
       
       Der Franzose mag mit seinem einen Treffer gegen Leipzig ein wenig im
       Schatten von Díaz gestanden sein, aber er bewies, dass er sich durch den
       Platzverweis in Norwegen, seinen Aussetzer, nicht hat irritieren lassen.
       „Wenn einer deiner besten Spieler fehlt, dann merkst du das natürlich“,
       sagte Kane. „Aber dann müssen am Mittwoch eben andere einspringen.“ Díaz
       hat sich für diese Rolle schon empfohlen.
       
       18 Oct 2026
       
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